Nachdem bereits einige Städte und Gemeinden Ausgangsbeschränkungen verhängt haben, hat zunächst Bayern als erstes Bundesland nachgezogen – mittlerweile gelten ähnliche Regeln in ganz Deutschland. Nun darf man nur unter triftigen Gründen seine Wohnung verlassen – doch gehört Radfahren dazu? Hier findet ihr einen Überblick über die bekannte Rechtslage während der Corona-Krise – wir werden den Artikel laufend aktualisieren!

Update 22.03. 17:21 Uhr: Bund & Länder einigen sich auf Kontaktverbot

Führende deutsche Medien berichteten soeben in Übereinstimmung, dass sich Bund und Länder auf gemeinsame Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 geeinigt haben. Es ein weitgehendes Kontaktverbot verhängt werden – in der Öffentlichkeit werden Versammlungen von mehr als zwei Personen komplett verboten. Insgesamt ähneln die Maßnahmen den etwa 24 Stunden früher getroffenen Regeln in Bayern. So darf man die Wohnung nur noch unter bestimmten Bedingungen verlassen. Es ist jedoch weiterhin ausdrücklich gestattet, alleine Sport an der frischen Luft zu betreiben – auch auf dem Rennrad oder MTB. Die Maßnahmen sollen für zwei Wochen gelten und Verstöße können sanktioniert werden. Wann genau die Regeln in Kraft treten, ist aktuell noch nicht bekannt.


Sachsen [Update 23.03. 14:04 Uhr]

Ab Montag, dem 23. März 2020, um 0:00 Uhr gelten auch im Freistaat Sachsen zunächst bis zum 05. April um 24 Uhr weitgehende Ausgangsbeschränkungen. Bewegung an der frischen Luft (und damit theoretisch auch Radsport) ist unter Einhaltung von 1,50 m Mindestabstand und mit maximal einer Begleitperson jedoch weiterhin gestattet – darf allerdings lediglich im Umfeld des Wohnbereichs erfolgen. Was alles genau zum Umfeld zählt, wird nicht weiter ausgeführt. Die komplette Verordnung findet ihr hier: www.coronavirus.sachsen.de

Hamburg

Hamburg erlegt seinen Bürgern Kontaktbeschränkungen in einer Allgemeinverfügung vom 22. März auf. Sie gilt zunächst bis 5. April. Sport wird nicht ausdrücklich erwähnt und fällt somit unter die allgemeine Regelung zur Kontaktbeschränkung, die lautet: “Der Aufenthalt für Personen im öffentlichen Raum ist nur alleine sowie in Begleitung der Personen gestattet, die in derselben Wohnung (Artikel 13 Absatz 1 Grundgesetz) leben, oder in Begleitung einer weiteren Person, die nicht in derselben Wohnung lebt.”

Schleswig-Holstein

Schleswig Holstein will die Maßnahmen der bundesweiten Abstimmung in seine Verordnung zu Corona aufnehmen. In einer Pressemitteilung des Landes heißt es zum Sport: “Danach soll der Aufenthalt im öffentlichen Raum nur noch alleine gestattet sein, um einzukaufen, Sport zu treiben oder spazieren zu gehen. Zulässig bleibe es, mit einer weiteren Person, die nicht aus dem eigenen Haushalt komme, unterwegs zu sein.”

Niedersachsen

Die Allgemeinverfügung zur Kontaktbeschränkung regelt ausdrücklich, dass auch die sportliche und körperliche Betätigung im Freien zu den notwendigen Tätigkeiten und Verrichtungen gehört, die alleine oder zu zweit ausgeübt werden können. Auch beim Sport ist die 1,5-Meter-Regel einzuhalten. Vorläufiges Ende der Kontaktbeschränkung ist der 18. April.

Berlin

In Berlin gelten seit dem 22. März Kontaktbeschränkungen. Die Wohnung darf nur noch aus Ausnahmegründen verlassen werden. Dazu gehört ausdrücklich laut Paragraph 14 der Verordnung “Sport und Bewegung an der frischen Luft, alleine, mit Angehörigen des eigenen Haushalts oder mit einer anderen Person, ohne jede sonstige Gruppenbildung”.

=> Hier findet ihr die Verordnung des Landes Berlin

Brandenburg

In Brandenburg wird das Betreten öffentlicher Orte ab 23. März bis zum 5. April untersagt. In der Paxis orientiert sich die Regelung für den Ausgang an den bundesweit ausgehandelten Richtlinien. Sport, der alleine ausgeübt wird, ist weiterhin erlaubt. Eine Auflage bezüglich der Sportarten oder der Entfernung zum Wohnumfeld enthält die Verordnung nicht.

=> Hier ist die Verordnung des Landes Brandenburg zu den Corona-Schutzmaßnahmen

NRW

In Nordrhein-Westfalen gilt das Kontaktverbot ab Montag, 23. März. Wie die Landesregierung informiert, unterliegen Versammlungen in der Öffentlichkeit strikten Auflagen. Alleine sind Sport und Betätigung an der frischen Luft weiterhin ausdrücklich erlaubt. Mehr als 2 Menschen zusammen dürfen sich in der Öffentlichkeit nur aufhalten, wenn sie zu einem Hausstand gehören. Ausnahmen bilden Personengruppen wie Angehörige in direkter Linie und Ehe- oder Lebenspartner sowie die Begleitung Schutzbedürftiger oder Minderjähriger. Die Behörden sollen bei Verstößen Strafen von 200 bis 25.000 Euro verhängen. Die Verordnung soll zunächst bis 20. April 2020 in Kraft sein.

=> Hier findet ihr die Verordnung des Landes NRW

Thüringen

In Thüringen gelten die bundesweit beschlossenen Ausgangsbeschränkungen – hier wurden keine Verschärfungen wie in Bayern oder Sachsen getroffen. Das bedeutet, dass Bürger allein, mit den Personen aus ihrem Haushalt oder in Begleitung einer anderen Person draußen Sport treiben dürfen, wenn sie mindestens 1,5 m Abstand halten. Radsport ist also weiterhin kein Problem.

Saarland

Im Saarland gelten ähnliche Ausgangsbeschränkungen wie in den anderen Bundesländern. In Kraft ist derzeit eine Allgemeinverfügung, die vom 21. März bis 3. April gelten soll. Der zufolge sind Sport und Bewegung an der frischen Luft ohne Gruppenbildung über fünf Personen weiterhin gestattet. Der Abstand soll „wo immer möglich 2 m zwischen 2 Personen“ betragen.


Bayern

Als erstes Bundesland in Deutschland verhängt Bayern ab dem 21.03.2020 um 0.00 Uhr (Mitternacht von Freitag auf Samstag) eine Ausgangsbeschränkung, die zunächst für zwei Wochen gelten soll. Doch was bedeutet das eigentlich? Grob gesagt, darf man die eigene Wohnung nur noch aus triftigen Gründen verlassen. Dazu gehört unter anderem der Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Arzt, zur Versorgung oder Begleitung von Hilfsbedürftigen oder Kindern oder auch Sport an der frischen Luft. Radsport an sich ist also nicht per se verboten, darf jedoch nur alleine ohne Begleitung erfolgen.

Auszug aus der Bekanntmachung des Landes Bayern:

[…]

4. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist nur bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt.

5. Triftige Gründe sind insbesondere:

[…]

g) Sport und Bewegung an der frischen Luft, allerdings ausschließlich alleine oder mit Angehörigen des eigenen Hausstandes und ohne jede sonstige Gruppenbildung …

Die Polizei muss die Einhaltung der Ausgangsbeschränkung durchsetzen – gerät man also in eine Kontrolle, muss man glaubhafte Gründe vorweisen, warum man draußen unterwegs ist. Ein Verstoß wird als Ordnungswidrigkeit geahndet. Im Erlass der bayrischen Gemeinde Mitterteich, die bereits einen Tag vorher eine Ausgangssperre verhängt hat, ist Radfahren hingegen nicht ausdrücklich erlaubt. Stattdessen kann man bei begründeten Fällen eine Sondererlaubnis beantragen.

Freiburg

Die Stadt Freiburg hat ein Betretungsverbot für öffentliche Orte vom 21. März bis 03. April 2020 erlassen. Auch hier dürfen die eigenen vier Wände nur noch für dringende Angelegenheiten, wie Wege zur Arbeit, zum Arzt, zum Einkaufen oder zur Betreuung Hilfsbedürftiger verlassen werden. Zudem darf man sich draußen nur noch alleine, zu zweit oder mit den Personen aus dem eigenen Haushalt aufhalten. Von Outdoor-Sport oder Radfahren ist in der Bekanntmachung der Stadt nicht explizit die Rede – in den Tagesthemen hat der Oberbürgermeister Martin Horn jedoch gesagt, dass sportliche Betätigung im Freien alleine oder mit der Familie weiterhin gestattet ist. Mountainbiken sollte also weiterhin möglich sein – dass man dabei mehr Vorsicht als sonst walten lassen sollte, versteht sich von selbst! Lest dazu auch einige Gedanken im Artikel: Mountainbiken in Zeiten von Corona: Soll ich’s tun oder soll ich’s lassen?

Ihr wohnt in einem betroffenen Gebiet und habt Updates zur Lage? Postet es in die Kommentare!


Alle Artikel des Corona-Tickers

  1. benutzerbild

    bluecat

    dabei seit 12/2011



    OK, ist zwar offiziell von der CH-Regierung - aber auch in BRD anwendbar.
  2. benutzerbild

    crosser

    dabei seit 07/2017

    Heute wurde gegen mich eine Geldstrafe in Höhe von 850€ verhängt, weil ich nur 1,20m Abstand hatte anstatt 1,50m. Auf Nachfrage warum 1,50m, wurde mir mitgeteilt, das Virus könnte 1,49m weit springen.
  3. benutzerbild

    Guenni

    dabei seit 11/2019

    hna schrieb:

    Die ernst gemeinte Frage ist: Können wir uns das überhaupt leisten oder wäre der Weg den Boris Johnson vorgeschlagen hat für ein Überleben der Gesellschaft nicht doch besser?
    Nachdem es scheinbar in China fast keine Neuansteckungen mehr gibt bin ich optimistisch davon ausgegangen dass auch hier der Spuk in 4 Wochen vorbei ist.
    Nun wird aber eine Szenario von einem Shutdown eventuell bis Anfang nächsten Jahres prophezeit. Ich denke wenn wir die Wirtschaft so lange runterfahren wird sie sich so schnell nicht mehr erholen und dann ist das Chaos komplett ausgebrochen.

    Ein jap. Artt der in China wählt ganz deutlich gesagt, dass man den chinesischen Bhörden keinen Glauben schenken darf und die offiziellen Zahlen nicht wahr sind.
  4. benutzerbild

    Guenni

    dabei seit 11/2019

    crosser schrieb:

    Heute wurde gegen mich eine Geldstrafe in Höhe von 850€ verhängt, weil ich nur 1,20m Abstand hatte anstatt 1,50m. Auf Nachfrage warum 1,50m, wurde mir mitgeteilt, das Virus könnte 1,49m weit springen.


    Learning by doing
  5. benutzerbild

    Malfurion

    dabei seit 08/2019

    Ich glaube den Chinesen schon, dass sie das Virus mittlerweile im Griff haben. Aber ich habe es auch hier schon mehrfach betont. Man kann uns auch nicht mit den Chinesen vergleichen. Die haben mal eben innerhalb von zwei Wochen!!! sechs Krankenhäuser mit jeweils 5k Betten gebaut. Die können ihre Bevölkerung dank der beängstigenden Technik 24/7 überwachen. Zudem wurden ganze Städte eingesperrt. Das ist hier einfach nicht vorstellbar, weil wir so stolz auf unsere Freiheit und Rechte sind, dass diese niemals so drastisch eingeschränkt würden, selbst wenn es jetzt erfolgsversprechend wäre.
    hna schrieb:

    und es ist nunmal die erste Pandemie in diesem Ausmaß

    Das ist nicht ganz richtig. Erst in den 60igern (Hong Kong Grippe 1mio Tote) und in den 70igern(russische Grippe 7000000 Tote) gab es die letzten Pandemien. Davor hat Cholera Millionen von Menschen ausgelöscht. Davor sämtliche Kinderkrankheiten, für die wir jetzt Impfungen haben.

    Natürlich war Europa seit der spanischen Grippe (die im übrigen auch weit mehr als 50 Mio Tote bei einem viel geringeren Bevölkerungsanteil damals. Das würde heute im vergleich ca 200 Millionen Menschen entsprechen) nicht mehr so hart betroffen. Aber neu ist so eine Pandemie jetzt nicht.
    Vor allem wäre sie vermeidbar gewesen, hätte man mal in die Früherkennung (siehe Taiwan nach Sars) investiert. Aber nein. Alle Staaten kaufen lieber Panzer und Waffen, statt die vergleichsweise lächerlichen Kosten für eine Früherkennung von Seuchen und einen entsprechenden Plan zu entwickeln, obwohl die Pandemien deutlich mehr Menschen töten als Kriege und das seit jeher.

    Es bleibt nur zu Hoffen, dass es jetzt keine Endemie wird und dafür brauchen wir einen Imofstoff.

Sag uns jetzt was du dazu meinst, wir sind gespannt!

Hier kannst du den Artikel direkt im Forum kommentieren.

Hier geht es zu Thema und Kommentaren im Forum.

Verpasse keine Neuheit. Trag dich für den MTB-News-Newsletter ein!