Fahrradkauf im Laden im Supermarkt, ja, aber im Fachhandel nur draußen vor der Tür. So sieht es in Deutschland mit wenigen Ausnahmen derzeit aus. Von der ZEG (Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft), mit europaweit 1.000 Fachhandelspartnern, kommt jetzt Kritik. Chef Georg Honkomp fordert eine schnelle Öffnung der Geschäfte und hat einen Brandbrief an die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, verfasst. Wir veröffentlichen die Pressemitteilung.

Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin Dreyer,

Die ZEG Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft eG als Vertreter von über 1000 angeschlossenen Mitgliedsunternehmen ist Europas größter Zweirad-Fachhandelsverband. Vom ersten Tag der Corona-Pandemie in 2020 an unterstützen wir Maßnahmen und Schritte der Bundesregierung und der Landesregierung, die dazu beitragen, die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes zu schützen. Auch wenn das für einzelne Unternehmen mit großen Schwierigkeiten und finanziellen Einbußen verbunden war und noch ist.

In Zeiten der Lockerungen nach dem ersten Lockdown trugen unsere Händler und Mitarbeiter mit ausgeklügelten Hygienekonzepten dazu bei, dass viele Bürgerinnen und Bürger der Empfehlung folgen konnten, in der Pandemie zur Verhinderung von Ansteckungen Fahrrad statt mit dem ÖPNV zu fahren. Unsere Fachkräfte konnten mit enormem persönlichen Einsatz die große Nachfrage der Kundschaft nach neuen Fahrrädern oder Reparaturen befriedigen.

Inzwischen stellt sich die Situation leider wieder anders dar. Fahrradhändler müssen bis auf Thüringen und Sachsen-Anhalt ihre Geschäfte wieder geschlossen halten, während in großen Supermärkten, wie schon im Frühjahr, Fahrräder zum Verkauf angeboten werden. Das stößt auf großes Unverständnis und oftmals Wut. Gerade in der jetzigen Jahreszeit, wo die Ansteckungsgefahr in den oft überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln extrem hoch ist und die Hinwendung zum umweltschonenden Individualverkehr angeraten wäre. Professor Christian Drosten, führender Virologe an der Charité Berlin und Berater der Bundesregierung sagt es so: „Man soll Situationen vermeiden, bei denen man weniger als einen Meter Abstand zur nächsten Person hat, und wenn man in der U-Bahn ist, dann hat man keinen Einfluss mehr darauf“. Und Gesundheitsminister Jens Spahn umriss das Problem vor einem Jahr so: „Jeder sollte im Sinn des Social Distancing überlegen, ob er einen Weg zu Fuß oder im Sattel zurücklegen könnte, statt öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen.“

Beide Aussagen tragen der Erkenntnis Rechnung, dass mit dem Fahrrad fahren momentan die sicherste und gesündeste Art ist, kurze und mittlere Distanzen zurückzulegen. Der anerkannte Biostatistiker und ehemaliger Leiter des Cochrane-Zentrums an der Uni-Klinik in Freiburg, Gerd Antes, weist darauf hin, dass Fahrrad- und E-Bike-fahren helfen kann, die Infektionskurve in der Bevölkerung abzuflachen und spricht vom „perfekten Selbstschutz“. Radfahrer halten nicht nur automatisch Abstand zu allen anderen, sie sind zudem einem geringeren Risiko ausgesetzt, sich durch das Berühren von Oberflächen zu infizieren. „Beide Effekte gibt es zum Nulltarif.“

Und Michael Barczok vom Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner (BdV), Ulm, meint, wer volle Busse und Bahnen meidet, senkt das Ansteckungsrisiko. weil das Coronavirus hauptsächlich über kurze Distanzen und Tröpfcheninfektion übertragen wird. Die Chance, sich beim Radfahren zu infizieren, sei mithin „seuchenhygienisch“ unbedenklich.

Mit anderen Worten: Fahrräder und E-Bikes sind die idealsten Verkehrsmittel, um sich in der Corona-Krise gesund, umweltfreundlich und geschützt zu bewegen. Gerade jetzt, da durch das angelaufene Impfen die Fallzahlen langsam sinken, ist das mehr als eine begleitende Maßnahme.

Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin Dreyer, wir, die ZEG Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft eG als Europas größter Fachhandelsverband und alle Fahrradfachhändler halten aus diesen Gründen die gegenwärtige Beschlusslage für falsch und bitten Sie, gemeinsam mit Ihren Kollegen bei der kommenden Ministerpräsidentenkonferenz im Sinne der Gesundheit der Bevölkerung dahingehend zu wirken, dem Fahrradfachhandel das stark nachgefragte und notwendige Agieren schnellstens wieder zu ermöglichen. Lassen Sie den Fahrradfachhandel per 7. März wieder die Geschäfte öffnen. Fahrradgeschäfte gehören zur kritischen Infrastruktur und leisten ihren Beitrag zu deren Aufrechterhaltung. Sie müssen ebenso wie Kfz-Werkstätten jederzeit in der Lage sein, die Mobilität der Bevölkerung zu gewährleisten.

Wir haben uns bereits erlaubt, diese Zeilen auch an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier direkt zu adressieren.

Wenn Sie bzw. Ihre Beamten dazu noch Fragen haben oder Informationen benötigen, stehen wir jederzeit zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Georg Honkomp

Info: Pressemitteilung ZEG
  1. benutzerbild

    Alles "Trek"

    dabei seit 11/2020

    Die ZEG fördert aber auch aktiv den Internetverkauf:
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    Und das liest man sicherlich auch nicht so gerne:
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  2. benutzerbild

    bluecat

    dabei seit 12/2011

    Darum: Unterstützt Eure Velohändler wo ihr nur könnt. Das Internet ist kein Ersatz für den echten Kontakt.

    OK, auch unsere Regierung hat sich in der Sache total vergaloppiert und überlegt nun angestrengt, wie sie ohne Gesichtsverlust aus dem Schlamassel, den sie selbst angerichtet hat, heraus kommt. Ganz im Gegensatz zu Eurer Regierung hat unsere nun einen Plan vorgelegt, wie das in bester Schweizer Salamitaktik gehen soll:

    Sie erlaubt den Velohändlern, nicht nur zu Reparieren sondern auch persönliche Verkaufsberatung anzubieten:

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    Bin gespannt, wie lange das Verbot in der BRD noch Bestand haben wird.
  3. benutzerbild

    HageBen

    dabei seit 05/2018

    Keine Ahnung wo keine Räder verkauft werden. Erst gestern beim reklamieren von meinem, gesehen wie jemand anders eins Probe fährt. Dass das ganze im Freien stattfindet ist doch wirklich kein Problem. Wer will schon im Laden Probe fahren?
  4. benutzerbild

    BjoernS

    dabei seit 08/2019

    Das Problem heut zu Tage ist in "meinen" Augen. Das es leider üblich geworden ist bei gut laufenden Geschäften alles und noch jeden Cent um jeden Preis mit zu nehmen. Egal ob es das " Gesicht, Gewissen" kostet.

    Und wenn es aus welchem Grund auch immer, schlecht läuft. Schreit man sofort nach Hilfe vom Staat (also nach uns allen).
    Die Menschen haben irgenwie vergessen, das der Staat nicht irgendeine obscure Organisation ist sonder das wir das alle sind.

    Und da ist das dann so, das ausgerechnet unser deutscher Staat ein Faß für die falschen (in meinen Augen) Branchen aufmacht.
    Da werden Branchen unterstützt die einfach am lautesten schreien.
    Nach Unterstützung, kommen dann am Ende riesen Gewinne raus. Oder Aktienkurse gehen trotz Kurzarbeit durch die Decke.

    Da ist der Specher der Fahrradbranche einfach etwas spät drann mit seinem Marktgeschreie. Ich gönne sicher jedem seine Hilfe, und auch jeder soll bitte gehört werden. Aber wenn alle schreien, drehen sich die meisten weg und gehen.
    Leidtragend sind dann nur die, die wirklich Hilfe brauchen.....

    In diesen Tagen hab ich das Gefühl das Motto .... Wenn jeder an sich denkt ist doch an alle gedacht................. nimmt wieder fahrt auf!

    Corona ist schlimm, aber doch "noch" nicht der Weltuntergang, ich frag mich immer was wäre wenn es uns mal so richtig trifft.
    Im Moment hab ich nicht die Hoffnung das die Menscheit das schafft. Nicht mit dem Gebaren unser Wirtschaft und unserer so genannten "Leitfiguren"
  5. benutzerbild

    bluecat

    dabei seit 12/2011

    Unterstützt Eure Velohändler wo ihr nur könnt. Das Internet ist kein Ersatz für den echten Kontakt.
    Bei Euch in BRD noch immer keine Fortschritte?

    Bei uns hat sich schon der nächste Velohändler gemeldet, der endlich wieder persönlich für seine Kunden da sein wird:

    1614359016356.png

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