Orbea Rallon RS im ersten Test Mehr Mountainbike als E-Mountainbike?

Orbea Rallon RS im ersten Test: Die Basken präsentieren mit dem Orbea Rallon RS einen Blick in die Zukunft des E-Mountainbikes. Mit der Vision, das absolute Traumbike zu bauen, ist man angetreten und hat innovative Lösungen in Entwicklungspartnerschaften gefunden. Das kostet: Bereits beim „Einstiegsmodell“ muss man den Geldbeutel weit öffnen. Keine Option unter fünfstelligen Anschaffungskosten, dabei ca. 18 kg mit Enduro-Genen und sinnvoller Ausstattung – aber kann es auch auf dem Trail überzeugen?
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Youtube LogoVideo: Orbea Rallon RS im Test

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NEUES Orbea Rallon RS: Ein Meister der Tarnung!
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Orbea Rallon RS 2026 – Infos und Preise

Die Innovationen

✅ Richtungsweisendes Light-Support-Konzept
✅ 18-kg-E-MTB mit Fox 38 und vernünftigen Reifen (1,5 kg Differenz zu adäquaten Enduros)
✅ Weltneuheit: Fox Float X2 Live Valve Neo
✅ TQ HPR 40 – Rennradmotor im E-MTB
✅ Ein Ladegerät für alles
✅ Ein Akku für alles
✅ Smarte Dropperpost und smartes Fahrwerk

Orbea Rallon RS M-LTD 2026
# Orbea Rallon RS M-LTD 2026 – Federweg: 180 mm / 170 mm | Gewicht: 18,0 kg | Preis: 14.999 € (UVP)

Diashow: Orbea Rallon RS im ersten Test: Technologieträger X Trojanisches Pferd
Nagelneu und ungesehen: Kabelverbindung an Live-Valve-Neo-Dämpfern.
Auch im Ultra-Modus kann man das Rallon RS fahren
Range-Modus in grün
Als einziger Ladeport sitzt auf dem Oberrohr diese Klappe.
Rally-Modus in gelb
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EinsatzbereichAll-Mountain, Enduro, Freeride
Federweg180 mm/170 mm
Laufradgröße29ʺ
RahmenmaterialCarbon
MotorTQ-Systems
Gewicht (o. Pedale)18,0 kg
RahmengrößenS, M, L, XL (im Test: XL)
Websitewww.orbea.com
Preisspanne10.999 Euro - 14.999 Euro
Im Test: Orbea Rallon RS M-LTD

Wenn man bei der Präsentation eines neuen Bikes mit Superlativen überhäuft wird, nur um dann am Ende gesagt zu bekommen, dass ein solches Projekt wirtschaftlich eigentlich nicht sinnvoll ist, kommt man sich als Redakteur schon etwas verarscht vor. Normalerweise. Heutzutage muss hinter allem ein Business-Case stehen – zumindest, wenn man ein Projekt dieser Größenordnung startet. ROI, EBITDA – happy Investor, happy life. Unhappy Investor, sich aus dem Fenster lehnen? Undenkbar. Bei Orbea ticken die Uhren aber in dieser Hinsicht etwas anders. Ich bin ehrlich: Ich kaufe Orbea das ab. Denn die Firma ist genossenschaftlich organisiert, und im Zuge dessen kann ich mir gut vorstellen, dass eine nachhaltige Zukunftsstrategie, die auf kooperativem Innovationsmanagement fußt, auch etwas kosten darf.

Das futuristische Konzept ist weniger nur ein Produkt einer Marke mit daran angeflanschten Fremdherstellerteilen
# Das futuristische Konzept ist weniger nur ein Produkt einer Marke mit daran angeflanschten Fremdherstellerteilen – Orbea, TQ und Fox haben gemeinsam ein Konzept entwickelt, das zeigt, wo die Reise des (E-)Mountainbikes hingehen kann: größtmögliche Vernetzung bei ebenso maximaler Anwenderfreundlichkeit.

Und genau hier kommt das neue Rallon RS ins Spiel. Laut Orbea das aufwändigste Rad, das die Basken je gebaut haben. Eine Carbon-Mold, die minutiös in der richtigen Reihenfolge zusammengebaut werden muss – aufwändiger als jede Mold, die Orbea bisher genutzt hat. Zwei Technologie-Partnerschaften, die nicht 1:1 geführt wurden, sondern bei denen alle drei Player an einem Tisch gesessen haben. Alles mit dem Ziel, herauszufinden, wie das Trail-Bike der Zukunft aussehen sollte.

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Optisch gleicht das Rallon RS dem Rallon EN nahezu vollständig
# Optisch gleicht das Rallon RS dem Rallon EN nahezu vollständig – Das ist sicherlich kein Zufall, die beiden Plattformen müssen zeitlich zumindest halbwegs synchron entwickelt worden sein.
Aber auch hier stellt sich eine wesentliche Frage:
# Aber auch hier stellt sich eine wesentliche Frage: – Wie viel Kompromiss ist das Rallon EN, weil das Rallon RS bereits in der Hinterhand war – wie stark können sich MTB- und E-MTB-Entwicklung gegenseitig befruchten, aber vielleicht auch limitieren?
Nicht ganz fair – denn der Akku fehlt hier im Bild.
# Nicht ganz fair – denn der Akku fehlt hier im Bild. – Dieser wiegt jedoch unter 1,5 kg und dürfte damit den zentralen Teil im Mehrgewicht des Rallon RS darstellen.
Sprich: Das Rallon RS spart auch an anderer Stelle Gewicht.
# Sprich: Das Rallon RS spart auch an anderer Stelle Gewicht. – So fallen natürlich die Gravity-Plates weg, aber das Rallon RS setzt auch auf einen Carbon-Umlenkhebel und spart hierdurch weiter Gewicht.

Genug auf die Folter gespannt – wie sieht es denn aus, das Trail-Bike der Zukunft? Optisch dem Rallon-Enduro-Bike zumindest mal zum Verwechseln ähnlich. Auch technisch, zumindest beim Blick auf die Eckdaten. Das Orbea Rallon RS bringt satte Federwegsreserven mit: 180 mm Federweg an der Front, 170 mm Federweg am Heck – laut gängiger Konventionen sprechen wir rein beim Blick auf den Federweg nicht von einem Trail-Bike. Zwei verschiedene Umlenkwippen sind verfügbar und machen das Rallon RS zum 29″- oder zum Mullet-Bike mit 27,5″-Hinterrad.

Herzstück des Bikes ist das namensgebende Akronym „RS“ für „Rider Synergy“ (nicht Rennsport). Hinter diesem Akronym verstecken sich bereits das Orbea Rise mit Shimano EP801 RS, sowie die neue RS-Remote mit elektronischer Dropperpost.

Klein aber oho – die RS-HMI
# Klein aber oho – die RS-HMI – Das ist eine Bedieneinheit, die gleichzeitig Motor, elektronische Sattelstütze und Fahrwerk steuern kann.
Herzstück der MC10-Dropper
# Herzstück der MC10-Dropper – … also Orbeas erster eigener Elektro-Sattelstütze – die wiederum am Hauptakku hängt, ultra-clean aussieht, superleicht ist und obendrauf smarte Funktionen liefert.
Zwischen Hauptdrehpunkt und Sattelstütze sitzt die RS-Schaltzentrale.
# Zwischen Hauptdrehpunkt und Sattelstütze sitzt die RS-Schaltzentrale. – Als zentraler Verteiler ermöglicht sie Strom- und Datenfluss via CAN-Bus-Schnittstellen – denkbar sind hier zukünftig also zusätzliche Anbindungen, z. B. von Trackern.
Mit diversen Anschlüssen ist das RS Gateway die Schaltzentrale des Systems.
# Mit diversen Anschlüssen ist das RS Gateway die Schaltzentrale des Systems.
Kompakt versteckt, sitzt das Gateway zwischen Dropperpost und Hauptdrehpunkt.
# Kompakt versteckt, sitzt das Gateway zwischen Dropperpost und Hauptdrehpunkt.

Für Orbea steckt dahinter aber nicht unbedingt ein Produkt, sondern eher die Vernetzung verschiedener Systeme am Rad und die harmonische und intuitive Bedienung dieser Systeme. Am Rallon RS steht RS für ein miteinander kommunizierendes Gesamtsystem aus elektronischer Schaltung, elektronischer Dropperpost, elektronischem Fahrwerk – und natürlich einem Motorsystem. Vor allem im AXS-Universum kennen wir bereits miteinander kommunizierende Systeme in diesem Ausmaß – SRAM ermöglicht bislang jedoch nur die Anbindung der Schaltung an den Hauptakku. Anstatt mit dem smarten System inklusive Flight Attendant viele Akkus laden zu müssen, war Orbea wichtig, das so weit herunterzubrechen wie möglich – sprich: so wenig Akkus wie möglich.

Nicht neu: kabelgebundene Elektro-Schaltungen erleben am E-MTB ein Revival.
# Nicht neu: kabelgebundene Elektro-Schaltungen erleben am E-MTB ein Revival. – Dabei wird nicht der Schaltimpuls gegeben, sondern die Stromversorgung sichergestellt – am Rallon RS jedoch ausschließlich mit Shimano-Di2-Schaltwerken.
Nagelneu und ungesehen: Kabelverbindung an Live-Valve-Neo-Dämpfern.
# Nagelneu und ungesehen: Kabelverbindung an Live-Valve-Neo-Dämpfern. – Außerdem ist am Rallon RS erstmals ein Fox-Dämpfer mit X2-Dämpfungsarchitektur im Live-Valve-Kosmos angekommen.
Als einziger Ladeport sitzt auf dem Oberrohr diese Klappe.
# Als einziger Ladeport sitzt auf dem Oberrohr diese Klappe. – Persönlich finde ich das unglaublich praktisch – wenn man Bock auf Assistenzsysteme wie elektronische Dropper, Suspension und Schaltung hat, ist die Ein-Akku-Lösung hiermit Benchmark – sorry SRAM!

Einerseits bedeutet das zwar mehr Kabel (versteckt im Inneren), andererseits aber auch eine maßgebliche Simplifizierung des stark vernetzten Systems. So wurde der Dämpfer vom eigenen Akku getrennt und mit einem Kabel mit dem Gateway verbunden. Die kleine Schaltzentrale unter dem Hauptdrehpunkt agiert als Verteiler für Strom und die Informationen aus den verschiedenen Systemen und verarbeitet diese zentral. Auch Orbeas MC10-Dropper hängt am Gateway und ist komplett ohne eigenen Akku konzipiert – sie wird über das Gateway durch die Hauptbatterie gespeist. Elektronische Schaltungen mit Kabel sind nichts Neues – war für die Di2-Technologie früher auch ein eigener Akku nötig, läuft auch die Stromversorgung der XTR Di2 via der Hauptbatterie. Streng genommen bleiben so nur die zwei Live-Valve-Sender an den Bremsaufnahmen und der XTR-Trigger, die jeweils durch Knopfbatterien gespeist werden.

Orbea setzt natürlich weiter auf das bewährte Fahrwerks-Design:
# Orbea setzt natürlich weiter auf das bewährte Fahrwerks-Design: – Mit Split-Pivot-Ausfallende, also konzentrischem Hinterbaudrehpunkt zur Radachse, ist das Rallon RS ein abgestützter Eingelenk-Hinterbau.

Einer der maßgeblichen Benefits des Systems ist aber auch die zentrale Datenverarbeitung: So können Daten aus dem Motorsystem, der Sattelstütze und der Schaltung beispielsweise dem Live-Valve-Dämpfer zur Verfügung gestellt werden, um dem Algorithmus eine bessere Entscheidungsgrundlage zu liefern.

Das wiederum öffnet andere Türen: Wenn der Dämpfer in Sekundenbruchteilen schließt und das Heck in Anstiegen effektiv beruhigt, kann man auch im Fahrwerksdesign andere Kompromisse eingehen. Orbea setzt hier seit Jahren auf einen Split-Pivot-Hinterbau mit konzentrischer Anordnung von Hinterbau-Drehpunkt und Radachse. Das System ist im Endeffekt ein Eingelenker – gerade beim Eingelenker spielt die Höhe des Hauptdrehpunkts eine maßgebliche Rolle für den Anti-Squat. Gleichzeitig gilt: Je höher der Drehpunkt, desto höher auch der Anti-Rise. Verglichen mit dem Vorgänger des Rallon erkennt man schnell: Der Hauptdrehpunkt ist signifikant gewandert – sowohl nach unten als auch nach hinten.

Einfach gesagt dürfte das Antriebsverhalten ohne Live Valve dadurch etwas weniger ruhig sein, dafür ein neutraleres Bremsverhalten entstehen.

Im Zusammenspiel mit dem Dämpfer konnte Orbea laut eigener Aussage die Kinematik anpassen.
# Im Zusammenspiel mit dem Dämpfer konnte Orbea laut eigener Aussage die Kinematik anpassen. – Mit dem automatischen Dämpfer-Lockout spielt der Anti-Squat eine weniger große Rolle.
Vereinfacht gesagt: Wenn die Sensoren kein Event auslösen, bei dem der Dämpfer öffnen soll, bleibt er geschlossen.
# Vereinfacht gesagt: Wenn die Sensoren kein Event auslösen, bei dem der Dämpfer öffnen soll, bleibt er geschlossen. – Die Härte des geschlossenen Modus lässt sich dabei am Dämpfer einstellen.
Der Live-Valve-Dämpfer lässt sich in seiner Low-Speed-Druckstufe verstellen.
# Der Live-Valve-Dämpfer lässt sich in seiner Low-Speed-Druckstufe verstellen. – Außerdem wird über das schwarze Verstellrad die Härte des geschlossenen Modus reguliert.

Auch ansonsten glänzt Orbea an vielen Stellen: Das Multitool ist selbstverständlich integriert, der Hebel an der Achse abziehbar und als 6-mm-Innensechskant verwendbar. Kettenstrebe und Hauptdrehpunkt sind durch gute Schützer vor äußeren Einflüssen geschützt. Orbea hat zudem die interne Kabelführung mit optionalen Kabeleingängen am Rahmen wieder zurückgebracht und verlegt die Leitungen auch in Serie so. Das Elektrokabel der RS-HMI-Remote geht leider durch den Lenker und blockiert so eine kundennähere Spacer-Lösung am Cockpit.

Kleine, smarte Features machen Orbea-Bikes so gut.
# Kleine, smarte Features machen Orbea-Bikes so gut.
Auch am Rallon RS ist das Multitool immer dabei – super!
# Auch am Rallon RS ist das Multitool immer dabei – super!
Durch die Bauweise des Kettenstrebenschutzes mit Luft unter den Erhebungen dämpft dieser extrem gut.
# Durch die Bauweise des Kettenstrebenschutzes mit Luft unter den Erhebungen dämpft dieser extrem gut. – Weiches Gummi verstärkt diesen Effekt zusätzlich – der Kettenstrebenschutz ist einer der besten, die ich je in der Hand hatte, dürfte jedoch noch 2 cm länger nach vorne Schutz bieten.
Die kleine Matsch-Bremse über dem Hauptdrehpunkt hat ordentlich Loam gesammelt.
# Die kleine Matsch-Bremse über dem Hauptdrehpunkt hat ordentlich Loam gesammelt. – Sie soll beim Einfedern – also einer Rotation der Kettenstrebe – verhindern, dass die Abstützung zwischen den Kettenstreben und dem Hauptrahmen zum Mahlwerk wird.
Keine Verspannung im Hinterbau soll durch die Lagerung entstehen
# Keine Verspannung im Hinterbau soll durch die Lagerung entstehen – Der Hauptdrehpunkt ist durch einen Klemmbolzen gesichert.
War das Wild zuletzt nur mit Cable-Tourism verfügbar, gibt’s am Rallon RS zum Glück wieder seitliche Kabeleingänge
# War das Wild zuletzt nur mit Cable-Tourism verfügbar, gibt’s am Rallon RS zum Glück wieder seitliche Kabeleingänge – Sie fügen sich dezent ins Gesamtbild ein.

Motor & Akku

Nur etwa 1,8 kg Gewichtsunterschied trennen das reguläre, unmotorisierte Orbea Rallon und das Orbea Rallon RS bei ähnlicher Bereifung. Das allein ist in etwa das Gewicht eines Light-Support-Motors. Wie kann das klappen?

Orbea verwendet statt des Mountainbike-Motors des bayerischen Herstellers TQ-Systems einfach den Rennrad-Motor HPR-40. Nur 1.170 g bringt der Motor auf die Waage – im Herzen steckt weiterhin die bekannte Harmonic-Pin-Ring-Technologie mit all ihren Vorteilen. Das Getriebe ist nicht nur kompakt und – offensichtlich – leicht, es ermöglicht auch eine niedrigere Motordrehzahl, die die Geräuschkulisse effektiv senkt. Der HPR-40 verzichtet zudem noch auf weitere Teile wie einen zweiten Motorfreilauf, der das Auskuppeln des Motors zulässt. Auch das spart effektiv Gewicht.

Von der Antriebsseite fast nicht mehr zu erkennen – der TQ HPR-40 ist ein Meister der Tarnung.
# Von der Antriebsseite fast nicht mehr zu erkennen – der TQ HPR-40 ist ein Meister der Tarnung. – Seine 40 Nm Drehmoment und maximal 200 W Leistung liefert er flüsterleise und dezent.

Sein geringes Gewicht und die kompakte Bauform sorgen natürlich aber auch für eine recht reduzierte Leistung. Der Motor soll nicht überhandnehmen, das Fahrgefühl eher beflügeln statt dominieren. Dazu ist er mit nur 40 Nm Drehmoment und einer Spitzenleistung von 200 W ausgerüstet.

In Kombination mit Orbea wurde auch die Motorkennlinie grundsätzlich überdacht. Statt einer eher linearen Kurve, wie TQ sie einsetzt, wollte Orbea eine stark progressive Kennlinie. Mit Orbeas Abstimmung muss man für die volle Unterstützungsleistung im stärkeren Rally-Modus bereits etwa 240 W Eigenleistung einbringen. Im etwas schwächeren Range-Modus sogar ca. 340 W – und wer es auf die Spitze treiben will, kann im optionalen Ultra-Modus erst bei über 450 W Eigenleistung mit den zusätzlichen 200 W Motorleistung rechnen. Die Motorsoftware soll zusätzlich mit einem Algorithmus versehen sein, der sie lernfähig macht und eine Anpassung an die individuelle Leistungsabgabe des Nutzers ermöglicht.

Eine lineare Motor-Kennlinie stand für Orbea nicht zur Diskussion
# Eine lineare Motor-Kennlinie stand für Orbea nicht zur Diskussion – Stattdessen testete man mit TQ stärker progressive Kennlinien, die das natürliche Fahrgefühl unterstützen sollten.
Range-Modus in Grün
# Range-Modus in Grün – In der Standard-Konfiguration liefert dieser Modus möglichst viel Reichweite und erst im Bereich 340 W Eigenleistung die volle Unterstützung.
Rally-Modus in Gelb
# Rally-Modus in Gelb – Hier gibt es bereits bei ca. 240 W Eigenleistung den vollen Motorsupport von 200 W aus dem HPR-40.
Auch im Ultra-Modus kann man das Rallon RS fahren
# Auch im Ultra-Modus kann man das Rallon RS fahren – Bei über 450 W Eigenleistung für die 200 W Motorleistung ist dieser Modus besser für schwere Fahrer – mit 75 kg erreiche ich diese Schwelle so selten, dass ich auch ohne Motorunterstützung fahren kann.
Akkustand-Anzeige an der RS-HMI
# Akkustand-Anzeige an der RS-HMI – Blaue Balken zeigen den Akkustand in 20-%-Schritten an – wird ein Balken weiß, sinkt die Auflösung auf 10 %. Der Kontrast ist jedoch sehr gering. Die letzten 20 % Ladung werden durch fünf rote Balken angezeigt, die entsprechend eine noch höhere Auflösung von 4-%-Schritten ermöglichen.

Gespeist wird der Motor von einem TQ-Akku mit 290-Wh-Kapazität – also einem recht kleinen Akku, der unter 1,5 kg auf die Waage bringt. Wer mehr braucht, kann den Range-Extender von TQ verwenden und um 160 Wh aufstocken. Ohne Display und mit unscheinbar platzierter Ladebuchse (die sich mit einer 750-ml-Trinkflasche auch kaschieren lässt) verbessert das Rallon RS seine Tarnung noch weiter.

160 Wh lassen sich zusätzlich mitbringen, wenn man bereit ist, den hochpreisigen Range-Extender separat zu erwerben.
# 160 Wh lassen sich zusätzlich mitbringen, wenn man bereit ist, den hochpreisigen Range-Extender separat zu erwerben.
290 Wh klingt heutzutage nicht nach besonders viel Kapazität, die neue TQ-Motorgeneration ist jedoch äußerst effizient.
# 290 Wh klingt heutzutage nicht nach besonders viel Kapazität, die neue TQ-Motorgeneration ist jedoch äußerst effizient.
  • Motor TQ-HPR40
  • Akku TQ
  • Akkukapazität 290 Wh
  • Nenndauerleistung 200 Watt
  • Spitzenleistung 200 W
  • Max. Drehmoment 40 Nm (TQ)
  • Display ohne, Orbea RS HMI Remote

Hier findest du mehr Informationen zu aktuellen E-Bike-Motoren.

Geometrie

Eines der Felder, das auf der Innovationsseite mehr und mehr aus dem Fokus rückt, ist die Geometrie. Bahnbrechend ist das Rallon RS nicht, dafür auf der sehr modernen Seite. Mit 25-mm-Reach-Sprüngen deckt man über vier Rahmengrößen etwa Körpergrößen von 1,5 bis ca. 2,0 m ab. Die Rahmen sind dabei gutmütig bemessen – nicht riesig, nicht kompakt. Spannend ist die Sitzrohrabstufung: Nur 5 mm wachsen die Sitzrohre von 400 mm in S bis 420 mm in XL – Platz für sehr lange Sattelstützen ist also gegeben.

Ein Flip-Chip ermöglicht das Feintuning der Winkel und der Tretlagerhöhe. Mit bis zu 35 mm Tretlagerabsenkung kann das Rallon RS sehr bodennah positioniert werden – gemessen am Federweg ist das bereits ziemlich tief. 64,25° sind ein gängiger Wert, auf der steilen Seite ist der Sitzwinkel mit 79,25°.

Kabelsalat (das geht bei 15 k € doch schöner?) trifft Flip-Chip.
# Kabelsalat (das geht bei 15 k € doch schöner?) trifft Flip-Chip. – Der hohe Geometriemodus hat ein kleines Gimmick: Man erreicht die Zugstufenversteller des Float-X2-Dämpfers so gut, dass man sie auch drehen kann – auch hier könnte Orbea noch nachbessern.
Im Steuerrohr steckt ein Winkelsteuersatz.
# Im Steuerrohr steckt ein Winkelsteuersatz. – Die Ein-Akku-Lösung braucht an der RS-HMI-Remote ein Kabel, das hier durch Lenker und Vorbau geführt wird und die kundenfreundlichere Lösung mit klassischen, runden Ahead-Spacern blockiert.
Orbea Rallon RS mit Geometrieangaben in Rahmengröße XL
# Orbea Rallon RS mit Geometrieangaben in Rahmengröße XL

Rahmengröße S
M
L
XL
Laufradgröße 29″ 29″ 29″ 29″
Reach 430 mm 455 mm 478 mm 505 mm
Stack 633,7 mm 638,2 mm 647,2 mm 656,2 mm
STR 1,47 1,40 1,35 1,30
Lenkwinkel 64,3° 64,3° 64,3° 64,3°
Sitzwinkel, effektiv 74,6° 74,6° 74,6° 74,6°
Oberrohr 538,9 mm 565,3 mm 591,5 mm 620,8 mm
Steuerrohr 105 mm 110 mm 120 mm 130 mm
Sitzrohr 400 mm 405 mm 410 mm 420 mm
Überstandshöhe 763,8 mm 759,8 mm 761,8 mm 769,1 mm
Kettenstreben 445 mm 445 mm 445 mm 445 mm
Radstand 1.215 mm 1.242 mm 1.269 mm 1.300 mm
Tretlagerabsenkung 28 mm35 mm 28 mm35 mm 28 mm35 mm 28 mm35 mm
Tretlagerhöhe 345,5 mm338,5 mm 345,5 mm338,5 mm 345,5 mm338,5 mm 345,5 mm338,5 mm
Einbauhöhe Gabel 587,7 mm 587,7 mm 587,7 mm 587,7 mm

Ausstattung

Das Orbea Rallon RS ist in zwei Ausstattungsvarianten erhältlich, die jedoch jeweils als Mullet- oder 29″-Konfiguration angeboten werden. Weiterhin ein wahres Alleinstellungsmerkmal ist das MyO-Programm, bei dem farbliche Gestaltung und Ausstattung individualisiert werden können. Beide Modelle, sowohl das 14.999 € teure Topmodell Rallon RS-LTD als auch das immer noch hochpreisige 10.999 € Rallon RS-Team, sind im MyO-Konfigurator enthalten und können für den Endkunden somit weiter angepasst werden.

Gewisse Restriktionen hält das System natürlich bereit, ohne die das MyO nicht funktioniert: Deckungsgleich sind Motorsystem, Sattelstütze und Remote sowie die elektronische Schaltung. Alle Bikes setzen auf den TQ HPR40 mit 290-Wh-Akku, die MC10-Sattelstütze in verschiedenen Hub-Varianten sowie eine Shimano Di2-Schaltung.

Außerdem setzt Orbea an beiden Bikes ein Fox-Factory-Fahrwerk ein – den neuen Live-Valve-Neo-Dämpfer bekommt man allerdings nur am RS-LTD-Spec. Das RS-Team wird mit dem Float X2 Factory ohne elektronische Steuerung ausgeliefert. Weitere Unterschiede im Ausstattungslevel sind auf den Einsatz von XTR und Carbon-Laufrädern am Topmodell vs. XT und Alu-Laufrädern am günstigeren Modell zurückzuführen. Mit Double Down-Hinterreifen und EXO+-Karkasse am Vorderrad ist das Rallon RS gemessen am Federweg zweckmäßig ausgestattet, auch das Fahrwerk passt zum Einsatzbereich. Eine runtergekochte Mogelpackung gibt es hier nicht – klasse, bei dem Preis aber auch irgendwie zu erwarten!

Orbea Rallon RS Preis (UVP)

  • Orbea Rallon RS-LTD 14.999 €
  • Orbea Rallon RS-Team 10.999 €

ModellRallon RS-TeamRallon RS-LTD
RahmenOrbea Rallon RS OMR. Mullet and 29" wheels compatible. Concentric Boost 12x148Orbea Rallon RS OMR. Mullet and 29" wheels compatible. Concentric Boost 12x148
GabelFox 38 Float Factory 180, Grip X2, QR15x110, KashimaFox 38 Float Factory 180, Grip X2, QR15x110, Kashima
DämpferFox Float X2 Factory Trunnion 2-Pos Adjust Kashima custom tune 205x62.5mmFox Float X2 Live Valve Neo Factory Trunnion Evol LV custom tune 205x62.5mm
SchalthebelShimano XT M8250Shimano XTR M9250
SchaltwerkShimano XT M8260 SGSShimano XTR M9260 12s
KassetteShimano CS-M8200 10-51t 12-SpeedShimano CS-M9200 10-51t 12-Speed
Kurbele*thirteen Helix Race alloy 32Te*thirteen Helix Race alloy 32T
BremseShimano XT 8220 Hydraulic DiscShimano XTR 9200 Hydraulic Disc
LaufräderOquo Mountain Control MC32TEAMOquo Mountain Control MC32LTD
VorderreifenMaxxis High Roller III 2.40" 60 TPI 3CG/EXO+/TR MaxxGrippMaxxis High Roller III 2.40" 60 TPI 3CG/EXO+/TR MaxxGripp
HinterreifenMaxxis DHR II 2.40" 60 TPI 3CG/DD/TR MaxxTerraMaxxis DHR II 2.40" 60 TPI 3CG/DD/TR MaxxTerra
SattelFizik Terra Ridon X5 145mmFizik Terra Ridon X1 145mm
SattelstützeOC Mountain Control MC10, 31,6mm, Electronic DropperOC Mountain Control MC10, 31,6mm, Electronic Dropper
LenkerOC Mountain Control MC10 Carbon, Rise 20, Width 800OC Mountain Control MC10 Carbon, Rise 20, Width 800
VorbauOC Mountain Control MC11 Alu SL, 0°OC Mountain Control MC11 Alu SL, 0°
MotorTQ-HPR40TQ-HPR40
DisplayOrbea RS HMI RemoteOrbea RS HMI Remote
Akkukapazität290Wh290Wh
Max. Drehmoment40 Nm40 Nm
Gewicht18 kg selbst gewogen, XL
Preis (UVP)10.999 €14.999 €

Bei 10.999 € vom Einstiegsmodell zu sprechen, fühlt sich frech an.
# Bei 10.999 € vom Einstiegsmodell zu sprechen, fühlt sich frech an. – Das Team-Modell verzichtet auf eines der zentralen Vernetzungs-Features – den Live-Valve-Dämpfer.
Zwei verschiedene Wippen lassen ein 29- oder Mullet-Hinterrad zu.
# Zwei verschiedene Wippen lassen ein 29- oder Mullet-Hinterrad zu. – Das RS-Team-Modell setzt weiters auf ein Fox-Factory-Fahrwerk und einen Shimano-Di2-Antrieb auf XT-Level.

Die Krönung der Fanciness verursacht beim Preis fast Schnappatmung.
# Die Krönung der Fanciness verursacht beim Preis fast Schnappatmung. – 14.999 € kostet das Topmodell und reiht sich in die Liste der wohl teuersten Serien-E-MTBs ein.
Verglichen mit anderen teuren Serien-E-MTBs liefert das Orbea aber wesentlich mehr Innovation.
# Verglichen mit anderen teuren Serien-E-MTBs liefert das Orbea aber wesentlich mehr Innovation. – Ob das den hohen Preis rechtfertigt?

Orbea Rallon RS – Auf dem Trail

Das Orbea Rallon RS ist in meinen Augen ein verdammt gutes Fahrrad geworden. Ob man es jetzt Mountainbike oder E-Mountainbike nennen will, ist mir dabei nicht wichtig.

Christoph Spath, Testredakteur eMTB-News.de

Nicht immer ist Zeit ein Presscamp wahrzunehmen – statt Sonne in Spanien gab es für das Rallon RS in unseren Rest-Dezember-Bedingungen in Deutschland für den ersten Test. Satte Böden, Schnee und Eis, das Rallon RS sollte es nicht einfach haben.

Flüssiger Reifen-Auswurf auf den Testfahrten mit dem Rallon RS.
# Flüssiger Reifen-Auswurf auf den Testfahrten mit dem Rallon RS. – Ich bin mir aber sicher: Ich habe das Orbea Rallon RS öfter geputzt, als ich es auf dem Presscamp hätte fahren können.

Anfang Dezember wurde uns das neue Bike stattdessen in der Redaktion präsentiert, inklusive gemeinsamer Ausfahrt im Anschluss. Abends zuvor hatte ich mich mit dem Rechen bewaffnet auf einen meiner Lieblingstrails – zwischenzeitlich legalisiert – nahe dem Redaktions-Hauptquartier begeben und frei gemacht. Mit erhöhter Feuchtigkeitssättigung im Hang, je weiter ich mich vom Traileinstieg entfernte, war klar: Das wird morgen spannend. Als ich den Highroller 3 am Vorderrad des Testbikes erspähte, wich der Skepsis die Zuversicht: Das wird gleich spaßig.

Aber erst einmal gilt es, sich die Höhenmeter zum Trail-Start zu verdienen. Straßen- oder Trail-Uphill? Wir sind ja nicht nur zum Spaß hier und wollen erfahren, wie das neue Rallon RS klettert. Also fahren wir Asphalt. Zumindest bis zum Einstieg des Trail-Uphills. Nach einer leichten Erkältung merke ich, wie die Herzfrequenz schnell ansteigt. Klassisches E-Bike-Feeling kommt nicht auf. Der Support ist spürbar, die Motorkennlinie und der spät einsetzende Leistungspeak auch. Ich teste mich durch die beiden Modi „Rally“ und „Range“, bleibe aber wegen typischer „German-Rangeweitenangst“ lieber bei „Range“.

Das Orbea Rallon RS fühlt sich dank gelungener Motor-Steuerung und sanftem Support mehr nach einem Mountainbike an als jedes E-MTB, das ich bisher gefahren bin.
# Das Orbea Rallon RS fühlt sich dank gelungener Motor-Steuerung und sanftem Support mehr nach einem Mountainbike an als jedes E-MTB, das ich bisher gefahren bin. – Ich bin großer Fan des Unterstützungsprofils des TQ HPR-40. Die Schwelle zur abgeschalteten Unterstützung ist gerade im Range-Modus so gering, dass ich überraschend oft ohne Support gefahren bin – etwa in reinen Mountainbike-Gruppen oder um den Hund bergauf nicht zu überfordern.

Die ersten steileren und technischen Rampen lassen mich trotzdem zum Rally-Modus greifen. Der Motor hilft hier vor allem im technischen Uphill über Steine, das Momentum zu bewahren. Stellen, wo man mit dem Mountainbike im Uphill ins Stocken kommt, bügelt der HPR-40 aus und ermöglicht einem so, seinen Rhythmus beizubehalten. Damit klettert das Rallon RS technisch runder als das Mountainbike. Draufhalten und mit abwechselnd greifendem und durchdrehendem Reifen wie manchmal am Full-Power-E-MTB? Das darf man sich nicht erhoffen.

Auf den ersten Ausfahrten fühlte sich die Unterstützungsleistung des HPR-40 jedoch ruppig an, zumindest in Ausnahmefällen. Die Unterstützung setzte dann für einen kurzen Moment pulsierend ein und wieder aus – vorwiegend bei unrundem Tritt und geringer Trittfrequenz. Mit dem Voranschreiten des Tests verschwand diese Eigenheit. Ich gehe davon aus, dass das auf den lernfähigen Algorithmus zurückzuführen ist. Was nicht wegging: Gelegentlich gab es bei konstanter Kadenz, aber wenig Druck auf dem Pedal ein mahlendes Geräusch aus der Antriebseinheit. Das wiederum könnte am fehlenden Freilauf des HPR-40 liegen.

Eine von zwei störenden Eigenschaften legte der HPR-40 schnell ab: Laut Hersteller ist der Motor mit einem lernfähigen Algorithmus ausgerüstet – die etwas ruppige Unterstützungsleistung wurde nach ca. 3.000 Höhenmetern sehr gleichmäßig.
# Eine von zwei störenden Eigenschaften legte der HPR-40 schnell ab: Laut Hersteller ist der Motor mit einem lernfähigen Algorithmus ausgerüstet – die etwas ruppige Unterstützungsleistung wurde nach ca. 3.000 Höhenmetern sehr gleichmäßig. – Ein mahlendes Geräusch, das gelegentlich bei nur wenig Druck auf dem Pedal aus dem Motor kam, blieb bis zum Ende. Grund hierfür könnte der fehlende Motor-Freilauf sein.

Insgesamt ist das Rallon RS aber ein sehr traktionsstarkes Rad – ohne dabei ineffizient zu werden, denn der Live-Valve-Dämpfer unterbindet ein Wippen des Hinterbaus auf sehr natürliche Art und Weise. Die Härte der Live-Valve-Abstimmung lässt sich über die Remote am Trail in Sekundenschnelle verändern. Die meiste Zeit bin ich jedoch im mittleren Modus gefahren und war damit zufrieden. Generell arbeitet die Plattformdämpfung des Federbeins harmonisch.

Im weiteren Testverlauf und ohne Erkältungsnachwirkungen wurde das Rallon RS zur Allzweckwaffe: Ob sportliche Touren mit Full-Power-E-MTBs oder semiunterstützte Touren mit Mountainbikern – das Rallon RS ist zwar für beide Einsatzzwecke ein leichter Kompromiss, macht aber viel möglich. Dennoch fühlt sich das Bike im Uphill wesentlich mehr nach Mountainbike an als alle E-Bikes, die ich bisher gefahren bin.

Grenzen wurden mir erst auf den steilsten Uphills, die ich zu Hause habe, gesetzt. Die Kombination aus Laub, losen Steinen darunter und einer satten Steigung überforderte das System aus Rad und Fahrer. Eine Skipiste mit hartem Boden und ähnlichem Gradient war anstrengend – aber möglich.

Ich liebe steile Trails – mit dem E-MTB ist das hohe Gewicht definitiv ein Faktor, der das Fahrgefühl hier stark beeinflusst.
# Ich liebe steile Trails – mit dem E-MTB ist das hohe Gewicht definitiv ein Faktor, der das Fahrgefühl hier stark beeinflusst. – Mit nur 18 kg bei starker Ausrichtung auf die Abfahrt und kompromissloser Ausstattung ist das Orbea ein perfekter Begleiter für ebendiese Art von Trails. Flink, dynamisch und mit kurzen Bremswegen.

Zurück zu unserem Trail – der mit der hohen Feuchtigkeitssättigung. Extreme Bedingungen sind fürs Testen oft nicht besonders aussagekräftig, gerade im Matsch geht zu viel Eindruck verloren, zumindest im Bereich Fahrwerk und Dämpfung. Fahrstabilität, Geometrie und Balance setzt man bei schnell ausbrechenden Reifen dafür gut auf die Probe – und im ersten Eindruck gibt sich das Rallon RS hier keine Blöße.

In steilen Sektionen macht mir das Bike besonders Spaß: Mit seinem geringen Gewicht und dem zentralen Schwerpunkt lässt sich das Bike agil durch Kurven scheuchen und auf Linien bewegen, die mit dem E-Bike schon herausfordernd sind. Auch wenn das Rad in etwa so viel wiegt wie mein Downhill-Bike, so ist es dank der etwas kompakteren Geometrie und dem reduzierten Federweg doch deutlich lebendiger unterwegs.

Trotz seiner 180 mm Federweg bleibt das Rallon RS überraschend spitzig.
# Trotz seiner 180 mm Federweg bleibt das Rallon RS überraschend spitzig. – Das Gesamtsystem ist mit moderat steifem Rahmen, steifen Laufrädern, Reifen mit wenig Volumen direkter, als man es rein von den Federwegsdaten erwarten würde.

Am XL-Rad muss ich mich in offeneren Kurven aber etwas um den Vorderrad-Grip bemühen. Etwas schade finde ich hier die konzeptionelle Trennung vom Rallon: Statt dem Kunden zwei Kettenstrebenlängen anzubieten, kommt das RS-Modell mit nur einem Hinterbau, der wiederum in allen Rahmengrößen zum Einsatz kommt. Mit 445 mm ist mir persönlich der Hinterbau, gemessen am langen Front-Center und dem hohen Stack, zu kurz. Gerade bei einem Hersteller, der durch das MyO-Custom-Programm quasi endlose SKUs im Programm hat, dürfte dieser Schritt doch eigentlich niederschwellig sein?

Am XL-Rad hätte ich mir die Option gewünscht, eine Kettenstrebenlänge auswählen zu dürfen.
# Am XL-Rad hätte ich mir die Option gewünscht, eine Kettenstrebenlänge auswählen zu dürfen. – Dass hier kein Technologietransfer vom Rallon EN stattgefunden hat, ist in meinen Augen nicht schlüssig, zumindest aus fahrdynamischer Perspektive: Am Rallon RS gibt es nur die 445 mm Kettenstrebenlänge, während am Rallon EN zwei verschiedene Längen zur Wahl stehen.

Etwas ruppig war auch die Fox 38, die verglichen mit einem anderen Modell mit gleichem Federweg spürbar zäher lief. Sie sorgte dafür, dass der agile Charakter des Rallon RS weiter unterstrichen wurde. Natürlich sprechen wir hier immer noch von einem Serienrad, das gewissen Herstellertoleranzen ausgeliefert ist. Eine Buchsenkalibrierung dürfte hier für bessere Ergebnisse sorgen und dem Rad noch mehr Feinfühligkeit verpassen.

Dämpfungsseitig eher auf der strammen Seite ist ebenso die Low-Speed-Druckstufe am X2 – wenn man sie erhöht. In den niedrigen Stufen bleibt das Fahrwerk satt und arbeitet feinfühlig. Mit nur wenigen, spürbaren Klicks lässt sich der Dämpfer aber wesentlich straffer abstimmen. Persönlich hat mir der satte Charakter besser gefallen, auf meinen Hometrails kann man den Federweg aber stellenweise auch gut brauchen.

Das Fahrwerk des Rallon RS liefert eine gute Bandbreite an Möglichkeiten.
# Das Fahrwerk des Rallon RS liefert eine gute Bandbreite an Möglichkeiten. – … ausgehend vom Heck – denn der Dämpfer wandelt mit nur wenigen Klicks die Druckstufe seine Charakteristik ungewohnt deutlich und macht aus dem satten, traktionsstarken Fahrwerk ein straffes, sportliches Fahrwerk. Verpasst man der Gabel entsprechend einige psi mehr oder weniger Druck, bekommt man wahlweise ein super sattes Enduro- oder mehr Trail-Bike-Feeling.

Auch wegen des moderat steifen Gesamtpakets war mir im Endeffekt das satte Fahrwerk lieber: Das Gesamtkonzept mit 2,4″ breiten Reifen, Carbon-Laufrädern, Carbon“Rahmen und 38-mm-Gabel ist im Bereich Steifigkeit nicht so gutmütig und traktionsspendend, wie es meinem persönlichen Geschmack entspricht. Das bedeutet keinesfalls, dass das Rallon RS viel zu steif ist – nein, es liegt in einem gesunden Mittelfeld und bietet Tuning-Potenzial. Gerade weitere Experimente mit softeren Laufrädern fände ich interessant, um das wahre Traktionspotenzial auszuschöpfen. Wer lieber ein direktes Rad möchte, ist hier bereits gut bedient – Geschmackssache also.

Ich setze stattdessen mit dem Fahrwerk stärker auf Feinfühligkeit und Traktion, als üblich. Im Ergebnis ergibt sich dann ein Bike, das für mich auch bergab zum gern gesehenen Begleiter wird. Lebendig und leichtfüßig, aber mit Reserven für ordentlich Tempo, große Sprünge oder ruppiges Geläuf. Das Rallon RS ist in meinen Augen ein verdammt gutes Fahrrad geworden. Ob man es jetzt Mountainbike oder E-Mountainbike nennen will, ist mir dabei nicht wichtig. Es lässt vielmehr Kategorien verschmelzen und ist für mich eines der besten Werkzeuge für Fahrspaß, die ich je fahren durfte.

Insgesamt ist das Rallon RS ein verdammt gutes Fahrrad geworden.
# Insgesamt ist das Rallon RS ein verdammt gutes Fahrrad geworden. – Beim aufgerufenen Preis blickt man natürlich etwas genauer auf die Kompromisse, die es mitbringt, wer jedoch keine allzu speziellen Vorlieben und das nötige Kleingeld hat, der wird mit dem Rallon RS ziemlich glücklich werden.

Aber ist es 15.000 € wert? Ein Rad in dieser Preisklasse steht für mich außer Frage. Und auch die Performance des Rallon RS ändert daran nichts. Auch die 11.000 € für das Team-Modell wären mir persönlich noch zu viel Geld für ein Fahrrad. In dieser Preisregion müssten für mich persönlich die wenigen Kompromisse komplett verschwinden: Ich will das umfassendere Geometrie-Konzept des Rallon EN, ich will einen inkludierten Servicevertrag für Zeitraum X und vielleicht auch eine Gabel, die gleich gut läuft wie andere Serien-38er.

Meinung @MTB-News.de

So richtungsweisend das neue Orbea Rallon RS ist, so speziell ist es in seiner Zielgruppe. Alleine die 11.000 € Einstiegshürde sind gewaltig. In einer weiterhin zum Teil sehr stark vorurteilsbehafteten Zielgruppe jagt das Rallon RS meiner Meinung nach eher im High-End-Mountainbike-Bereich nach Kunden als in der „klassischen“ E-MTB-Zielgruppe. Funktionell gibt es wenig Grund zur Beschwerde: Das Rallon RS ist ein Top-Bike, egal in welche Schublade man es stecken möchte.

Ob das Orbea Rallon RS ein kommerzieller Erfolg wird, zeigt sich sicherlich – ich denke, es ist ein Bike zum Träumen und ein richtungsweisendes Geländefahrrad – sei es die konzeptionelle Ausrichtung, oder aber das partnerschaftliche Innovationsmanagement.
# Ob das Orbea Rallon RS ein kommerzieller Erfolg wird, zeigt sich sicherlich – ich denke, es ist ein Bike zum Träumen und ein richtungsweisendes Geländefahrrad – sei es die konzeptionelle Ausrichtung, oder aber das partnerschaftliche Innovationsmanagement. – Ist es ein Rad für mich? Nein. Auch nicht nach langer Überlegung. Für knapp 15.000 € erwarte ich weniger Kompromisse bei der Geometrie und eine kalibrierte Gabel – bei all der „Denken-sie-groß“-Mentalität darf man eben auch die Basis-Arbeit nicht aus dem Blick verlieren.

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22 Kommentare

» Alle Kommentare im Forum
  1. Die Integration ist ja eine gute Idee, aber sonst?

    Das leichte Gewicht wird mit einem sehr schwachen Motor und kleinem Akku erkauft.

    Für Reichweite und Unterstützung muß man richtig reinklotzen, ohne jedoch bei Bedarf mehr
    Leistung anfordern zu können.
    Wo ist da die Zielgruppe? Der Biker der hier die entsprechende Leistung aufbringt ist so gut in der Kondition, der verzichtet doch auf das kleine Motörchen und den anderen ist alles zuwenig.

    Dann frage ich mich 11.000€ und keine abgestimmte Kettenstrebe. Eine über alle Größen.
    Und wenn man schon Premiumhersteller an Bord nimmt und Premium verlangt, wäre doch eine gut Kalibrierte Gabel serienmäßig drin gewesen. So ist es halt Glücksache was der Fox Mitarbeiter zusammensteckt in seiner Laune.

    Ist es beim MTB eigentlich für die Lebensdauer des Motorgetriebe gut wenn auf den Freilauf verzichtet wird?

  2. Das Bike ist doch eh mehr ein Konzept und zeigt, wo es die nächsten Jahre hingeht.

  3. Das Bike ist doch eh mehr ein Konzept und zeigt, wo es die nächsten Jahre hingeht.
    Und ich lese hier oft, „Light“ ist tot 🤔
  4. Und ich lese hier oft, „Light“ ist tot 🤔

    Grundsätzlich ist das auch so aber in den nächsten Jahren werden die "Bio" Bikes aussterben und da kommt dann Minimal Assist.

    Ich würde sagen, dass das jetzt so ist wie damals die 27,5" Geschichte.
  5. Naja, schickes Rad aber hätte mich mit dem HPR 60 mehr angesprochen. So ist ist schon ein sehr spezieller, kleiner Einsatzbereich

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