Video: Amflow PL Carbon im Test:
Steckbrief: Amflow PL Carbon – Test 2026
| Einsatzbereich | Trail, All-Mountain, Enduro |
|---|---|
| Federweg | 160 mm/150 mm |
| Laufradgröße | 29ʺ, Mullet 29″-27,5″ |
| Rahmenmaterial | Carbon |
| Motor | DJI |
| Akkukapazität | 800 Wh |
| Gewicht (o. Pedale) | 21,1 kg |
| max. Systemgewicht | 125,0 kg |
| Rahmengrößen | M, L, XL, XXL (im Test: L) |
| Website | www.amflowbikes.com |
Was schreibt man über das wohl am meisten gefeierte Bike der vergangenen Saison? Es ist ein besonderes Fahrrad. Nein, vielmehr ist es ein Showcase eines branchenfremden Technologiekonzerns: Wir können aus dem Nichts nicht nur ein eigenes und wegweisendes Motorsystem auf die Beine stellen. Wir können auch ein Fahrrad bauen, das dieses Motorsystem erlebbar macht. Unabhängig von allen anderen. Wir können ein Vertriebssystem aufbauen, einen der größten Branchen-Hypes der letzten Jahre generieren – und wir können ihn auch bedienen. Beeindruckend, keine Frage.
Aus dem Hut gezaubert hat Amflow mit dem PL Carbon ein Bike, das zumindest auf dem Papier zeitgemäß scheint. Ein Carbon-Rahmen in vier verschiedenen Rahmengrößen von M bis XXL bildet die Basis. Der Rahmen ist sowohl für 29″-Laufräder als auch die Mullet-Konfiguration vorgesehen. Einen Flip-Chip zur Anpassung der Laufradgröße setzt Amflow zwischen Dämpferverlängerung und der am Sitzrohr angeschlagenen Umlenkwippe an. Die Kompletträder sind mit 29″-Setup konfiguriert. Mit 150 mm Federweg an der Gabel und am Hinterbau positioniert sich das Amflow PL Carbon als Allrounder für den Trail-Einsatz.
Zur Motorintegration gehen wir im Kapitel Motor genauer ein, der kompakte und vergleichsweise leichte Antrieb und der Akku sind aber schick in den Rahmen integriert. Auch die Sensorik ist schön integriert und fällt nicht unbedingt ins Auge. Für ein so kraftvolles E-Bike mit großem Akku ist das Unterrohr des PL Carbon recht schlank – seine markante Dämpferaufnahme am Oberrohr erzeugt aber eine eigenständige und unverwechselbare Optik.
Alles andere als eigenständig ist die Kinematik. Auch Amflow bedient sich der momentan wohl populärsten Packaging-Methode für ein E-MTB: Ein Horst-Link-Viergelenker trifft auf eine am Sitzrohr gelagerte Wippe, die wiederum eine Dämpferverlängerung anlenkt. Dieses Fahrwerksdesign ermöglicht viel Raum im Hauptrahmen, der für Trinkflaschen verwendet werden kann. Theoretisch wäre auch für einen Range-Extender Platz, diesen hat avinox jedoch bisher nicht im Programm. Zwei zusätzliche Montagepunkte für Zubehör befinden sich vor der Dämpferaufnahme auf der Unterseite des Oberrohrs.
Der Rahmen ist darüber hinaus sehr aufgeräumt und schlicht gehalten. Bei der Kabelführung hat man sich nicht auf Experimente eingelassen und eine interne Zugführung mit Leitungseingängen seitlich am Steuerrohrbereich eingesetzt. Ein zeitgemäßer Kettenstrebenschutz zeigt, dass man sich bei Amflow umfassend mit dem Thema Rahmenfeatures an einem modernen E-Bike beschäftigt hat.
Fassen wir zusammen: Würde auf diesem Rahmen der Markenname eines etablierten Herstellers stehen, würde sich vermutlich keiner darüber wundern. Allein das ist jedenfalls eine Leistung. Hut ab!
Amflow bietet das PL Carbon für 6.499 € zudem zu einem respektablen Preis an. Das von uns getestete Einstiegsmodell gibt es lediglich mit 800-Wh-Akku. Wer den kleineren 600-Wh-Akku will, muss zum alternativ erhältlichen Pro-Modell für 9.799 € greifen. Mit 800-Wh-Akku kostet das Pro-Modell 9.999 €.
Motor & Akku
Mit bis zu 120 Nm Drehmoment und 1.000 W Leistung ist der Avinox M1 Motor wohl der E-Bike-Motor mit dem besten Leistungsgewicht. Gerade einmal knapp über der 2,5-kg-Marke liegt der starke Antrieb. Fünf Unterstützungsstufen sind verfügbar: Eco, Trail, Turbo, Auto oder der zeitlich beschränkte Boost-Modus. Mit der Bluetooth-Remote des Avinox-Systems lassen sich diese Unterstützungsstufen vom Lenker aus durchschalten. Am PL Carbon setzt man jedoch auch die optionale, zweite Bluetooth-Fernsteuerung ein – mit dieser können die Support-Modi während der Fahrt und ohne Handy-App feinjustiert werden.
Alternativ kann man das Touch-Display verwenden, um das System zu bedienen oder sich die wichtigsten Informationen anzeigen zu lassen. Verglichen mit einem Kiox 400C ist es zwar kompakter, aber die Bedienung am Display selbst ist wesentlich intuitiver.
Fest verbaut und mit externer Ladebuchse am Sitzrohr ist der 800-Wh-Akku nicht fürs Herausnehmen vorgesehen. Stattdessen setzt Avinox auf ein Schnellladegerät, das den Akku mit 12 Ampere Stromstärke in nur 1,5 Stunden von 0 % Ladung auf 75 % laden kann. In diesem Bereich können Akkus recht unproblematisch schnell geladen werden – nur die letzten 25 % sollten dann langsamer und kontrollierter gefüllt werden.
Apropos Akku: Auch bei der Energiedichte spielt Avinox weit vorn mit: Bei etwa 3,7 kg Akku-Gewicht und 800 Wh Kapazität liegt der große Akku mit knapp über 216 Wh pro kg momentan zwar nicht an der Spitze, aber mischt definitiv im Spitzenfeld mit.
- Motor Avinox M1
- Akkukapazität 800 Wh
- Maximalleistung 1000 Watt
- Max. Drehmoment 120 Nm
- Display Avinox 2″ OLED Touch
Hier findest du mehr Informationen zu aktuellen E-Bike-Motoren.
Geometrie
Für mich ist die Geometrie des Amflow PL ein sehr eindeutiger Indikator dafür, dass sich der Hersteller bei der Markteinführung viel offenhalten wollte – nicht zu speziell, um eine möglichst breite Zielgruppe anzusprechen. Dass die Größe S fehlt, wundert dabei ein wenig, Amflow stockt stattdessen bis auf XXL auf.
Unser Testrad in Größe L reiht sich mit 475 mm Reach bei nur 115 mm Steuerrohrlänge und einem resultierenden Stack von 628 mm in der verhalten konservativen Ecke ein. Dieser Eindruck zieht sich auch größtenteils weiter durch: Mit 450 mm Sitzrohrlänge ist dieses eher lang. Die Kettenstrebenlänge wächst nicht mit und bleibt über alle Größen hinweg konstant bei 445 mm. Am M- und L-Rahmen sieht die Balance auf dem Papier gelungen aus, XL- und XXL-Räder haben rein rechnerisch weniger Druck am Vorderrad.
Stimmig sind die Winkel: Mit 77° ist der effektive Sitzwinkel angenehm, aber nicht komplett modern. Zudem fällt der reale Sitzwinkel mit 70° wesentlich flacher aus. Laut Grafik auf der Amflow-Website wird der Sitzwinkel jedoch nicht auf Stack-Höhe, sondern auf einer durchschnittlichen Sitzhöhe gemessen. Das dürfte Verfälschungen im realen Sitzwinkel durch einen längeren Stützenauszug minimieren.
64,5° Lenkwinkel sind hingegen ein recht etabliertes Maß für ein Rad dieser Federwegskategorie. Zum Federweg passt auch die 29 mm Tretlagerabsenkung.
Wusstest du eigentlich, dass du in Geometrics – unsere Datenbank für Fahrrad-Geometrien – viele aktuelle E-Bikes miteinander vergleichen und auf den ersten Blick die Unterschiede sehen kannst? Probier’s mal aus!
Erhältliche Rahmengrößen M / L / XL / XXL
| Rahmengröße | M | L | XL | XXL |
|---|---|---|---|---|
| Laufradgröße | 29″ | 29″ | 29″ | 29″ |
| Reach | 452 mm | 475 mm | 500 mm | 525 mm |
| Stack | 618 mm | 628 mm | 641 mm | 655 mm |
| STR | 1,37 | 1,32 | 1,28 | 1,25 |
| Lenkwinkel | 64,4° | 64,4° | 64,4° | 64,4° |
| Sitzwinkel, effektiv | 77° | 77° | 77° | 77° |
| Sitzwinkel, real | 70° | 70° | 70° | 70° |
| Oberrohr (horiz.) | 595 mm | 620 mm | 648 mm | 676 mm |
| Steuerrohr | 105 mm | 115 mm | 130 mm | 145 mm |
| Sitzrohr | 430 mm | 450 mm | 470 mm | 490 mm |
| Überstandshöhe | 780 mm | 785 mm | 790 mm | 795 mm |
| Kettenstreben | 445 mm | 445 mm | 445 mm | 445 mm |
| Radstand | 1.227 mm | 1.266 mm | 1.289 mm | 1.318 mm |
| Tretlagerabsenkung | 29 mm | 29 mm | 29 mm | 29 mm |
| Tretlagerhöhe | 345,5 mm | 345,5 mm | 345,5 mm | 345,5 mm |
| Einbauhöhe Gabel | 570 mm | 570 mm | 570 mm | 570 mm |
| Federweg (hinten) | 150 mm | 150 mm | 150 mm | 150 mm |
| Federweg (vorn) | 160 mm | 160 mm | 160 mm | 160 mm |
Ausstattung
Neben dem PL Carbon Pro für 9.799 € respektive 9.999 € mit 800-Wh-Akku, bietet Amflow lediglich ein weiteres Modell an: Das von uns getestete Amflow PL Carbon für 6.499 €. Einen anderen Motor als den Avinox M1 wird man hier natürlich nicht finden, auch in Zukunft nicht – das Startup ist eng mit dem Mutterkonzern DJI verwoben. Was beim Einstiegsmodell nicht geboten ist, ist wie bereits angemerkt, die Wahl der Akku-Kapazität: Hier ist man auf 800 Wh festgelegt.
Die restliche Ausstattung ist weniger luxuriös als wir es bei den anderen Bikes im Testfeld serviert bekommen, und auch generell weniger hochwertig als die meisten Testbikes, die uns als Redaktion zur Verfügung gestellt werden. Funktionell ist sie aber allemal:
Los geht es mit einem simplen aber performanten Fahrwerk: Vorne werkelt eine Fox 36 Float aus der Performance-Baureihe mit Grip-Kartusche und stellt 160 mm Federweg zur Verfügung. Hinten muss ein Fox Float Performance ausreichen: Der Dämpfer ohne Ausgleichsbehälter stellt 150 mm Federweg zur Verfügung.
Avinox verbaut eine eigene SL-Kurbel, die nur 155 mm lang ist. Ergänzt wird durch einen SRAM-GX-Eagle-Antrieb – richtig gelesen, ohne Transmission. Wobei hier zwischenzeitlich ein Running Change stattgefunden haben dürfte. Mit Modelljahr 26 ist die Eagle-70-Transmission als Antrieb gelistet.
Mit Magura-MT5-Bremsen und 203-mm-Bremsscheiben ist ein beliebter Preis-Leistungs-Kracher für die Entschleunigung zuständig. Interessant ist: Amflow hat bereits auf das Feedback der ersten Testrunde nach Launch gehört und spezifiziert jetzt einen höheren Lenker. Mit 35 mm Rise wird der 628 mm niedrige Stack jedoch nur ein wenig kompensiert.
Eigene Alu-Laufräder werden mit Maxxis-Assegai- und Dissector-Reifen bestückt. Vorn regelt der 2,5″ breite Reifen in MaxxTerra-Mischung und EXO-Karkasse, hinten der 2,4″ breite Reifen ebenfalls in MaxxTerra-Ausführung, immerhin jedoch als EXO+. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Amflow mit dem PL Carbon auch sehr große Menschen ansprechen will, ist das etwas unterdimensioniert.
- Federgabel Fox 36 Performance (160 mm)
- Dämpfer Fox Float Performance (150 mm)
- Schaltung SRAM GX Eagle
- Bremsen Magura MT5
- Laufräder Amflow
- Reifen
- Vorderrad Maxxis Assegai 2,5″, MaxxTerra, EXO
- Hinterrad Maxxis Dissector 2,4″, MaxxTerra, EXO+
- Cockpit Amflow Enduro (800 mm) / Amflow Enduro (35 mm)
- Motor Avinox M1
- Akkukapazität 800 Wh
- Display Avinox 2″ OLED Touch
- Gewicht 21,1 kg (Größe L, gewogen von eMTB-News)
- Preis (UVP) 6.499 € | Bikemarkt: Amflow kaufen
- www.amflowbikes.com
| Modell | Amflow PL Carbon | Amflow PL Carbon Pro |
| Rahmen | Amflow PL Carbon Rahmen, 150 mm | Amflow PL Carbon Rahmen, 150 mm |
| Gabel | Fox 36 Performance, 160 mm | Fox 36 Factory, 160 mm |
| Dämpfer | Fox Float Performance | Fox Float X Factory |
| Schalthebel | SRAM Eagle 70 Transmission | SRAM Pod Controller |
| Schaltwerk | SRAM Eagle 70 Transmission | SRAM X0 Eagle Transmission |
| Kassette | SRAM XS-1270 Eagle Transmission | SRAM XS-1295 Eagle Transmission |
| Kurbel | Avinox SL Kurbel | Avinox SL Kurbel |
| Bremse | Magura MT5 | Magura MT7 |
| Laufräder | Amflow HMA-30 | Amflow HMC-30 |
| Reifen | ||
| Vorderreifen | Maxxis Assegai MaxxTerra 29 × 2,5" WT 3C EXO | Maxxis Assegai MaxxTerra 29 × 2,5" WT 3C EXO |
| Hinterreifen | Maxxis Dissector MaxxTerra 29 × 2,4" WT 3C EXO+ | Maxxis Dissector MaxxTerra 29 × 2,4" WT 3C EXO+ |
| Sattel | Selle Royal SRX Plus | Ergon SM PRO M/L |
| Sattelstütze | KS Rage-i | Fox Transfer Factory |
| Lenker | Amflow Enduro Alloy Lenker | Amflow Enduro Carbon Lenker |
| Vorbau | Amflow Enduro Vorbau | Amflow Enduro Vorbau |
| Motor | Avinox M1 | Avinox M1 |
| Display | 2 Zoll OLED-Kontrolldisplay | 2 Zoll OLED-Kontrolldisplay |
| Akkukapazität | 800 Wh | 600 Wh oder 800 Wh |
| Max. Drehmoment | 120 Nm | 120 Nm |
| Gewicht | ||
| Preis (UVP) | 6.499 € | 9.799 € (600 Wh), 9.999 € (800 Wh) |
Amflow PL Carbon – Test auf dem Trail
Uphill
Praktisch finde ich die zweite Remote des Avinox-Systems, mit der ich die Unterstützungsmodi während der Fahrt feintunen kann. So war es ein Einfaches, den durstigen und teils zu reaktiven Motor etwas effizienter und kontrollierbarer zu machen.
Zu Beginn unseres Tests hat das Amflow PL Carbon ein funktionelles Problem gezeigt: Das bereits verwendete Testrad ließ sich zwar anschalten, aber weder aufladen noch die Unterstützung zuschalten. Leider fehlen uns die Diagnose-Tools, um dem Problem selbst auf die Schliche zu kommen, ein Motor- und Akku-Ein- und Ausbau mitsamt Prüfung der Steckverbindungen war jedoch nicht zielführend. In einer Last-Minute-Aktion stellte uns Amflow noch ein funktionierendes Testrad zur Verfügung, auch dieses war sichtbar gebraucht, was bis auf eine Kleinigkeit jedoch kein Problem darstellen sollte.
Am Amflow wird das Kabel für die Dropperpost an drei Stellen geklemmt, um nicht zwischen Akku und Rahmen hin- und herklappern zu können. Zwei dieser Klemmschrauben sind mit einem 6-mm-Innensechskant, eine mit 3-mm-Innensechskant versehen. Ein unzureichend tiefer Werkzeugeingriff oder zu viel Gewalt beim vorherigen Anwender haben den Werkzeugeingriff der kleinen Schraube so in Mitleidenschaft gezogen, dass wir die Sattelhöhe am Trail nicht anpassen konnten.
Mit 170 mm Verstellweg an Rahmengröße L ist die Variostütze für heutige Verhältnisse generell zu kurz. Grund dafür sind die recht knappe Einstecktiefe von maximal 270 mm am L-Rahmen sowie die Sitzrohrlänge. Der Knick im Sitzrohr verhindert, dass eine signifikant längere Stütze montiert werden kann, zumindest, wenn man universell denken und ein Größenspektrum an Endverbrauchern abdecken muss. Mein privates Mountainbike hat bei 60 mm weniger Sitzrohrlänge in Größe L gleichzeitig 30 mm mehr Einstecktiefe – da geht für zukünftige Entwicklungen also noch etwas.
Abgesehen davon klettert das Amflow PL unaufgeregt. Praktisch finde ich die zweite Remote des Avinox-Systems, mit der ich die Unterstützungsmodi während der Fahrt feintunen kann. So war es ein Einfaches, den durstigen und teils zu reaktiven Motor etwas effizienter und kontrollierbarer zu machen. Mit 445 mm sind die Kettenstreben nicht lang, passen aber zur Gesamtlänge in Größe L. Die Front lässt sich noch leicht genug über Hindernisse heben, ohne dass man dafür den Motor-Kick benötigt. In moderat steilen Uphills hält sie das Vorderrad am Boden, wird es steiler, muss man zwischen Motorpower und Schwerpunktspositionierung den Sweetspot finden, um die Hinterradtraktion aufrechtzuerhalten und ein ansteigendes Vorderrad zu vermeiden.
Ebenso angenehm: Der Hinterbau klebt förmlich am Boden und verleiht dem PL Carbon sehr viel Traktion und macht es bergauf zum komfortablen Begleiter.
Downhill, Abfahrt, Trail
Situationen, in denen das Rad sehr viel Energie verarbeiten muss – stellen es doch sehr eindeutig vor Herausforderungen. Andere Bikes können mit diesen Herausforderungen kompetenter umgehen, das Amflow PL Carbon übergibt sein Schicksal recht direkt in die Geschicke des Fahrers.
Knüpfen wir da an, wo wir im Uphill aufgehört haben: Der klebrige Hinterbau ist auch eine der größten Stärken des Amflow PL Carbon. Bereits in der Vergangenheit habe ich mit dem kleinen Dämpfer von Fox – bei meinem eher niedrigen Körpergewicht – sehr gute Erfahrungen gemacht. Das simple Federbein generiert sehr viel Hinterbautraktion und harmoniert gut mit der Fox 36 Grip, die ebenso feinfühlig arbeitet. Wer aktiv fährt, dem fehlt jedoch etwas Support aus der Kinematik. Ein erhöhter Luftdruck im Dämpfer kann dieses Problem zwar kaschieren, aber nicht vollends lösen. Da der Float auch nur einen Plattformhebel an Bord hat und keine externe Druckstufen-Einstellung, kann man sich auch damit nicht behelfen. Problematisch könnte der kleine Dämpfer bei der Hitzeentwicklung auch im Bereich XL- bis XXL-Rahmen und entsprechend höheren Fahrergewichten werden.
Synchron zum Fahrwerk arbeitet auch der gesamte Rahmen als Strukturelement: Das Amflow ist auf der sehr nachgiebigen Seite. Hier waren wir uns nicht einig: Ist es zu weich oder genau richtig? Die Unstimmigkeit in der Testcrew lässt sich relativ einfach erklären: Rund um die 75 kg Körpergewicht hat uns das Amflow PL Carbon begeistert! Dank dem hohen Flex kann das Rad sehr viel Traktion auch in Kurven generieren. Die dynamische Verformung des Rahmens lässt sich nutzen, um das Rad schön in Kurven abzulegen und die Rückstellbewegung als Hilfestellung zu nutzen, wenn man das Rad wieder aufrichtet. Über 90 kg ist man über diesen Sweetspot jedoch hinausgerutscht und die Präzision des Bikes leidet durch den weichen Rahmen.
Dennoch kann festgehalten werden: Seine traktionsstarke Natur macht es einfach, sehr schnell mit dem Rad klarzukommen und sich wohlzufühlen. Die solide, wenn auch nicht fortschrittliche Geometrie tut ihren Anteil: Das Bike ist insgesamt ausgeglichen, der hohe Lenker schafft etwas Abhilfe gegen das ansonsten tiefe Cockpit. Insgesamt fühlt man sich aber wegen der weiterhin tiefen Front nicht super schön ins Bike integriert.
Nutzt man das Vertrauen ins Bike, um es schnell und kraftvoll den Trail hinunter zu prügeln, erreicht man jedoch auch schnell die Limits des Serienmodells. Tiefe und stumpfe Einschläge, harte Kanten – also Situationen, in denen das Rad sehr viel Energie verarbeiten muss – stellen es doch sehr eindeutig vor Herausforderungen. Andere Bikes können mit diesen Herausforderungen kompetenter umgehen, das Amflow PL Carbon übergibt sein Schicksal recht direkt in die Geschicke des Fahrers.
Schwierig ist hier die Überlagerung von verschiedenen Faktoren, die ans Limit kommen – das zeigt aber gleichermaßen auf, dass man mit etwas Tuning den Punkt, an dem das Rad ans Limit kommt, auch verschieben kann. Helfen würde ein Fahrwerk, das mehr Reserven bereithält und mehr Dämpfungskontrolle bietet. Helfen würden andere Reifen, mit weicherem Gummi vorn und satteren Karkassen vorn und hinten. Helfen würde eine stärkere Bremse, die präziser Geschwindigkeit abbaut. Helfen würden ein etwas längerer Vorbau und ein noch höherer Lenker, um die Lenkung zu beruhigen und das Gefühl, im Rad zu stehen, zu verbessern.
Das Schöne ist aber: All das ist kein Muss, wenn man es nicht braucht. Wer mit einem gefälligen Bike klarkommt, das bei Normaltempo seine Stärken voll ausspielen kann, der ist hier gut beraten. Wer bergab lieber einen Gang herunterschaltet und cruised, statt mit dem Messer zwischen den Zähnen zu heizen, der bekommt ein hervorragendes und erschwingliches Paket.
Als einziges Muss – egal für wen – würden wir empfehlen, in Slappertape zu investieren, um die stellenweise recht laute Geräuschkulisse in den Griff zu bekommen.
Das ist uns aufgefallen
- Gutmütigkeit Das Amflow PL Carbon ist wie die Oma, die einen lecker bekocht und einem noch ’nen Zwanni zuschiebt, bevor man geht: Muss man einfach lieben. Rahmen und Fahrwerk sind sehr gutmütig und machen es sehr leicht, das Amflow zu fahren – egal für wen. Zum Pferde stehlen ist es aber vielleicht nicht der richtige Charakter.
- Ausstattung Auch wenn die Ausstattung grundsätzlich funktionell ist, lässt sie doch etwas zu wünschen übrig: Der Vorderreifen dürfte mindestens MaxxGrip sein, andere Karkassen würden dabei helfen, den Grenzbereich zu erweitern. Die Bremsen sind gut dosierbar, aber bei Systemgewichten im Bereich 100–120 kg im Vergleich mit einer Maven schwach. Ansonsten ist das Rad preisbewusst aufgebaut.
- Anlieger haben keine Chance Für Arne und mich war das Rad die Anlieger-Rakete schlechthin. Wer es liebt, in gebaute Kurven zu knallen, dass die Bausubstanz bebt (und nicht 90 kg wiegt), der kann mit dem Amflow PL Carbon eine sehr, sehr gute Zeit haben.
- Gewichtslimitierung Dämpfer und Rahmensteifigkeit limitieren die Zielgruppe ein Stück weit im Gewicht. Für schwere Fahrer kann das Rad zu indirekt werden, der Dämpfer hat eventuell nicht ausreichend Hitzekapazität für längere Abfahrten.
Fazit – Amflow PL Carbon
Nachdem der erste Schwung an Bikes mit DJI-Motor auf dem Markt ist, zeigt sich, wie sich das Amflow PL Carbon – herausgelöst aus dem Hype um den Motor – im Vergleich schlägt: Einerseits merkt man sehr deutlich, dass sich eine Bike-Brand nicht komplett aus dem Boden stampfen lässt, gleichzeitig muss man den Hut ziehen – denn abgeschlagen letzter wird das Amflow ganz und gar nicht. Sein gutmütiges Konzept, aus angenehm flexenden Rahmen und sattem Fahrwerk, macht es zu einem hervorragenden und intuitiven Bike für Einsteiger, oder diejenigen, die ihre Hometrails entspannt absurfen wollen. Grenzen erreicht man bei hohem Tempo, oder als eher schwerer Fahrer, hier fehlen in Steifigkeit und im Fahrwerk etwas die Reserven. Seine ausgewogene, auf Spieltrieb ausgelegte Geometrie sorgt jedoch dafür, dass man nicht unbedingt um die Bestzeit fährt. Gelungenes Debüt? Auf jeden Fall! Das beste DJI-Bike am Markt – Nein, da ist noch Luft nach oben. Wir sind jedenfalls gespannt, wie es mit der jungen Marke weiter geht...
Amflow PL Carbon – Pro / Contra
Stärken
- Preis/Leistungsverhältnis
- Gutmütiges Fahrverhalten
- Sehr spaßiges, agiles E-MTB
- Geringes Gewicht
- Maximaler Avinox-Funktionsumfang
Schwächen
- Limits für schwere und aktive Fahrer vorhanden
- Systemgewicht 125 kg, aber XL & XXL Größen
- Ausstattungsschwächen
- Limitierung Sattelrohr/Dropperpost
Preisvergleich: Amflow PL Carbon
Testablauf
Auf unseren Testrunden bewegen wir die Bikes in ihrem natürlichen Habitat, sprich: Wir fahren Trails, Trails, Trails! Unsere Testrunden haben alles, was ein E-Bike braucht:
- enge Uphill-Trails mit dicken Wurzeln, Steinen und losem Waldboden
- flache Trails mit kleinen Gegenanstiegen
- kurvige, flowige Downhills
- technische, steile und ruppige Abfahrten
- lange Schotterpisten bergauf und bergab
Jedes E-Bike wurde mehrfach auf dieser Runde gefahren und im Anschluss sorgfältig beurteilt.
Hier haben wir das Amflow PL Carbon getestet
- Deidesheim, Pfalz, Deutschland: Auf den Trails des RV Edelweiss gibt es allerhand Herausforderungen für moderne E-Mountainbikes. Von offenen, wurzeligen Kurven bis hin zu Anliegern, in denen es die Hautfalten gen Boden zieht. Hohe G-Kräfte gibt es aber auch bei den zahlreichen technischen Sektionen mit Felsplatten, Fingerspitzengefühl ist auf den ruppigen Streckenabschnitten gefragt: Kurz gesagt – perfekte Bedingungen, um ein E-Mountainbike bergauf und bergab auf Herz und Nieren zu testen.
- Bamberg, Bad Kreuznach, Nordeifel, Deutschland: Um unsere Testeindrücke bei Wackelkandidaten oder Unstimmigkeiten zu verifizieren, wurden die Bikes zum Teil noch auf den Hometrails bewegt – von kurvigen, wurzeldurchsetzten Trails, über steile, technische Sektionen bis hin zu knackigen Kletterpassagen. Unsere Hometrails sind fabelhaftes Testgelände und eine gute Referenz.
I ride everything: E-Enduro, E-Trailbikes, hardtails, downhill, road – I enjoy it all, whether it’s E-assisted or not. I’ll admit that I do quite like having a motor on the uphills though. There’s lots to love about flowing trails; natural or built. The only thing I hate – switchbacks. I am 1.83 m tall and ride in 99% of cases frame size L - my sweet spot is between 470 and 480 mm Reach.
- Fahrstil / Riding style
- Verspielt und flowig / Flowing and playful
- Ich fahre hauptsächlich / I mainly ride
- E-Enduro, E-Trailbike, aber auch XCO, DH und Road / E-Enduro, E-Trailbike but also XCO, DH and road
- Vorlieben beim Fahrwerk / Preferred suspension setup
- Straff und schnell – ich möchte wissen, was unter mir passiert / Firm and reactive – I like feedback from the trail
- Vorlieben bei der Geometrie / Preferred geometry
- Langer Reach, kurzer Vorbau, breiter Lenker / Long reach, short stem, wide bars
Chris loves riding everything with knobby tires, both uphill and downhill. Be it dirt jumps, natural single tracks or man made trails – he enjoys it all, as long as it's fast, steep, rough, with a lot of airtime, or a combination of all these.
- Fahrstil / Riding style
- flüssig, verspielt / Flowing and playful
- Ich fahre hauptsächlich / I mainly ride
- Enduro/ Enduro
- Vorlieben beim Fahrwerk / Preferred suspension setup
- ausgeglichen zwischen Front und Heck, eher auf der sportlich-straffen Seite/ balanced front and rear suspension, a bit sportier than average
- Vorlieben bei der Geometrie / Preferred geometry
- Ausgewogene Radlastverteilung, eher flacher Lenkwinkel, Sitzwinkel nicht zu steil/ balanced wheel distribution, slack headangle, seattube angle not too steep
Arne started mountain biking in 2010. He prefers to ride enduro, downhill or trail bikes on rough trails. When the opportunity arises, he also likes to jump on an e-bike or go for a spin on his road bike.
- Fahrstil / Riding style
- sauber, hohes Grundtempo / Flowing and playful
- Ich fahre hauptsächlich / I mainly ride
- Enduro/ Enduro
- Vorlieben beim Fahrwerk / Preferred suspension setup
- vorne straffer als hinten, schneller Rebound, nicht zu viel Dämpfung / front firmer than rear, fast rebound, not too much damping
- Vorlieben bei der Geometrie / Preferred geometry
- Reach um die 480 mm, keine zu kurzen Kettenstreben, flacher Lenkwinkel/ Reach around 480 mm, chainstays not too short, slack head angle
- Fahrstil / Riding style
- verspielt, strammes Grundtempo, lieber eine Kurve mehr als Straightline / playful, fast basic speed, rather one curve more than straightline.
- Ich fahre hauptsächlich / I mainly ride.
- Enduro, Trail, Jumps und auch gern mal Downhill / Enduro, Trail, Jumps and sometimes Downhill.
- Vorlieben beim Fahrwerk / Suspension preferences.
- etwas straffer, viel Zugstufe, so wenig Dämpfung wie nötig, ausreichend Pop / A little firmer, lots of rebound damping, as little high and low-speed damping as necessary, adequate pop.
- Vorlieben bei der Geometrie / Geometry preferences.
- nicht zu viel Reach, mittellange Kettenstreben, flacher Lenkwinkel / not too much reach, medium-length chainstays, slack head angle.
Unterstützt wurde dieser Vergleichstest durch Produktplatzierungen von Unleazhed. Wir bekamen für jedes E-Bike im Test einen M02-Frontfender, den wir nur zu gerne montierten, denn gerade im Herbst und Winter können die großflächigen, stylischen Schutzbleche punkten und verhindern diverse Dreckspritzer am Bike, auf der Kleidung oder im Gesicht.
Weiterlesen
Hier geht es zu den Einzelartikeln aus diesem Vergleichstest:
- Amflow PL Carbon im Test: High-Performance-Schnapper?
- E-MTB mit Avinox-Motor (DJI) im Vergleichstest: 5 E-Fullies im großen Vergleichstest
Testinfos kompakt
PL Carbon
60 – 90 Nm
≥ 500 Wh
- XC:
- 0 bis 120 mm Federweg (Hardtails und Full-Suspension)
- Trail:
- 100 bis 150 mm Federweg (Hardtails und Full-Suspension)
- All-Mountain:
- 120 bis 150 mm Federweg (Full-Suspension)
- Enduro:
- 150 bis 180 mm Federweg (Full-Suspension)
- Downhill:
- über 180 mm Federweg (Full-Suspension)


5 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumDas Amflow hat 125 Kg Zuladung, nicht 125Kg Systemgewicht!
Einheitliche Kettenstreben über alle Rahmengrößen hat glaube ich die große Mehrheit an Bikes ohne dass es kritisiert wird.
Und wieso an ein All Mountain- nix anderes ist das Amflow- Double Down Karkassen sollten erschließt sich mir auch nicht so ganz.
Endlich wird bei euren Tests auch das Thema Einstecktiefe behandelt 👍 , gerade bei diesen Knickrahmen gibt es bedauerlicherweise zu oft eine Überraschung.
Kettenstreben kritisiere ich an fast jedem Rad - auch wenn sie für meine Größe die passende Balance bieten 😉 es geht ums Prinzip…
EXO+ vorn und DD hinten sind wie beschrieben Maßnahmen um einem immerhin 160 mm Bike mehr Reserven zu entlocken. Im Test steht sehr klar, dass das eine Empfehlung und kein muss ist.
In xl fand ich es in engen technischen Anstiegen schwer zu beherrschen, ging schnell aufs hinterrad aufgrund der Motorpower und der kurzen kettenstrebenlänge.
Nach 1 Jahr intensiver Nutzung (70kg Fahrer, Größe M) - hauptsächlich im alpinen Gelände - auch im Winter Skipisten und der gleichen, kann ich in vielen Punkten dem Test zustimmen.
Sattelrohrhöhe + Einstecktiefe und kurze Kettenstrebe sind meine größten Kritikpunkte.
Reifen habe ich nach den ersten Durchschlägen gleich mal auf Radial gewechselt, da ich oft mit wenig Luft fahren muss.
Und dass die Kette bei der genutzten Power nach einer Saison durch ist, kann das Bike nix dafür - da warte ich auf eine MGU.🤗
Nach Bulls, Haibike, Fantic, Specialized levo und Orbea Wild, für mich mit Abstand das beste Bike!💪🏼
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