Specialized hat mit dem Turbo Levo den E-MTB-Sektor revolutioniert: das erste E-Bike ohne störendes Display am Lenker, dafür mit formschön und vollintegriertem Akku, einem gut modulierten Motor-Setup und einer ausgewogenen Geometrie. Seit Anfang 2020 hat der US-amerikanische Premium-Hersteller das Levo SL im Portfolio, welches auf einen neuen Motor, weniger Drehmoment und deutlich geringeres Gewicht setzt und damit den aktuellen Benchmark in der Kategorie der Light-E-MTB setzt. Grund genug, beide Serien miteinander zu vergleichen und zu bewerten, welche die Nase im direkten Ranking vorne hat. 

Specialized Levo vs. Levo SL – die Unterschiede

In den 1980er Jahren war „SONY“ das Synonym für den Walkman, später galt der „iPod“ als der MP3-Player, „GoPro“ ist das geflügelte Wort für kompakte Action-Kameras.

Könnte es vielleicht sein, dass der Begriff „Levo“ in Zukunft – umgangssprachlich – grobstollige E-Bikes für den Offroad-Einsatz bezeichnet?

Neben einer großen Fangemeinde besitzt das Turbo Levo auch etliche Auszeichnungen, Titel und Pokale. So wurde Anfang 2019 das Specialized Turbo Levo von unseren LeserInnen bei den User Awards zum E-MTB des Jahres gewählt und auch bei der letztjährigen UCI E-MTB WM wurde der Sieg bei den Männern auf einem Levo eingefahren.

Specialized Turbo Levo in Action
# Specialized Turbo Levo in Action
Mit diesem E-Bike kann man ...
# Mit diesem E-Bike kann man ...
... auf dem Trail jede Menge Spaß haben
# ... auf dem Trail jede Menge Spaß haben
Specialized Turbo Levo SL in Action
# Specialized Turbo Levo SL in Action
Das leichte Levo SL überzeugt auf dem Trail ...
# Das leichte Levo SL überzeugt auf dem Trail ...
... mit agilem Handling und einem sehr natürlichen Fahrgefühl
# ... mit agilem Handling und einem sehr natürlichen Fahrgefühl

Unsere Fotomontage zeigt im direkten Vergleich, dass beide Modelle beim Design und in der Formensprache sich deutlich ähneln. Beim Federweg siedeln sich beide Boliden bei 150 mm am Heck und mindestens 150 mm an der Front an. Bei der Geometrie kann man die Silhouetten beider E-Bikes übereinanderlegen und findet, bis auf die Kettenstrebenlänge – 455 mm Levo / 437 mm Levo SL – und dem daraus variierenden Radstand keine nennenswerten Unterschiede. Reach und Stack sind fast deckungsgleich (Rahmengröße L: Reach 455/455 mm | Stack 634/633 mm).

Specialized Turbo Levo Specialized Turbo Levo SL

Kommen wir zu den Unterschieden:

Motor

2.1 / SL 1.0

Beim Levo nutzt Specialized den Motor mit Bezeichnung „2.1“. Im Detail handelt es sich hierbei um einen Brose Drive S Mag mit modifizierter Modulation. Signifikant für diesen Motor ist die geringe Geräuschentwicklung, die homogene Leistungsmodulation und das spürbare Drehmoment.

Leistungsdaten Specialized 2.1

  • Leistung 250 Watt
  • max. Drehmoment 90 Nm
  • Gewicht 2,9 kg

Das Turbo Levo SL setzt auf einen eigens entwickelten Motor, den SL 1.0. Der kompakte, leichte Motor wurde in einer Kooperation mit Mahle entwickelt und verblüfft mit seinem sehr natürlichen Schub und der reibungslosen Pedalierbarkeit oberhalb von 25 km/h. Zudem ist er sehr energieeffizient und arbeitet mit 48V.

Leistungsdaten Specialized SL 1.0

  • Leistung 240 Watt
  • max. Drehmoment 35 Nm
  • Gewicht 1,9 kg
Specialized Turbo Levo Motor Specialized Turbo Levo SL Motor

Linkes Bild: Specialized Turbo Levo | Rechtes Bild: Specialized Turbo Levo SL

Beide Motoren gefallen uns sehr gut und haben ihre Vor- und Nachteile. Deshalb würden wir hier beiden Motor-Systemen je einen Punkt geben.

Punktestand

    1:1


Akku

700 Wh / 320 Wh

Während das Light-E-MTB Levo SL auf einen kleinen Akku mit 320 Wh setzt, nutzt das Levo mit 2.1er Motor einen großen Akku, der eine Kapazität von 700 Wh besitzt. Zwar kann man am Levo SL einen optional erhältlichen Range Extender verbauen, doch auch damit kommt man nur auf 480 Wh.

Betrachtet man hier die nackten Zahlen, dann geht der Punkt, ganz klar, an das Levo mit 700 Wh.

Punktestand

    2:1


Reichweite

55 km / 57 km

Da das Levo über einen Akku mit 700 Wh verfügt, kommt man hiermit gut und gerne 55 km (hier gibt es unsere Reichweitenfahrt). Das leichte Levo SL hat nur eine Akkukapazität von 320 Wh und fährt bei voller Unterstützungsstufe logischerweise nicht so weit. Wir kommen bei unserer Reichweitenfahrt 35 Kilometer weit. Anders bei der Verwendung des Range Extenders, der 160-Wh-Extrakapazität spendiert und in Summe eine 480 Wh bereitstellt. Hiermit fährt das SL dem normalen Levo davon. Wir schaffen damit 57 Kilometer und 1136 Höhenmeter (hier die Daten der Tour).

Dieser Punkt geht, nach längeren Überlegungen, ans Levo SL mit 480 Wh. Die Effizienz des SL 1.0 Motors mit 48V ist besser als die des Levo mit Specialized 2.1 Motor und 700 Wh.

Specialized Turbo Levo – Reichweite Specialized Turbo Levo SL – Reichweite

Punktestand

    2:2


Max. Drehmoment

90 Nm / 35 Nm

Der Motor im Levo leistet ein max. Drehmoment von 90 Nm, der im Levo SL nur 35 Nm. Gerade der Uphill-Spaß ist mit 90 Nm höher und die Beschleunigung fühlt sich auch kraftvoller an. Schwerere FahrerInnen haben hiermit wahrscheinlich mehr Spaß als mit dem SL-Motor und seinen 35 Nm.

Punkt für Levo mit seinen 90 Nm.

Dank 90 Nm max. Drehmoment gelingen uns auch steile Uphill-Passagen mühelos und flüssig
# Dank 90 Nm max. Drehmoment gelingen uns auch steile Uphill-Passagen mühelos und flüssig

Punktestand

    3:2


Gewicht

20,7 kg / 17,3 kg

Auf Nachfrage beim Hersteller haben wir die Gewichte für die jeweiligen S-Works Modelle geben lassen und siehe da, das S-Works Levo SL wiegt schlanke 17,35 kg, während das S-Works Levo 20,7 Kilo auf die Waage bringt. Natürlich ist ein Gewicht von unter 21 Kilogramm im Segment der Performance-E-MTBs ein absoluter Spitzenwert, aber das Levo SL unterbietet die 20-Kilo-Marke deutlich. Und hier gibt es noch genug Tuning-Potential, um das Gewicht auf gute 16 Kg zu trimmen.

Punkt für Levo SL!

Punktestand

    3:3


Preis

Extrem teuer!

Fakt ist: ein E-MTB von Specialized kostet viel Geld, manches Modell kostet sogar richtig viel Geld. Beispielsweise liegen die S-Works-Modelle bei einem UVP von 11.499 € (Levo) und 12.999 € (Levo SL). Nicht selten sind die Limited Editions des Herstellers astronomisch teuer, aber auch Ruck-Zuck restlos vergriffen. Sammler lieben die Marke anscheinend ebenso wie FahrerInnen.

Einen Sieg in der Kategorie „Preis-Leistung“ wird ein Turbo Levo oder Turbo Levo SL wahrscheinlich nie gewinnen, deshalb bekommt hier kein Modell einen Punkt.

Punktestand

    3:3


Meinung @eMTB-News.de

Endstand

    3:3

3:3 und damit ein Unentschieden – und doch ist für uns das Zünglein an der Waage die fortschrittlichere Motortechnik, das niedrige Gewicht und die daraus resultierende Performance auf dem Trail. Ohne Riemen im Motor ist die Haltbarkeit höher und die kompakte Bauform verschlankt die Silhouette des Levo SL deutlich. Der Motor fühlt sich wunderbar natürlich an und lässt sich ausgezeichnet über 25 km/h pedalieren. Dazu die bessere Energieeffizienz des 48V-Systems.

In Summe liegt für uns das Levo SL also einen Hauch vor dem Levo.

Effizienter, leichter, geiler! Das Levo SL liegt – trotz Punkte-Gleichstand – vorne!
# Effizienter, leichter, geiler! Das Levo SL liegt – trotz Punkte-Gleichstand – vorne!

Und, welcher Levo-Typ seid ihr? Fahrt ihr ein E-Bike von Specialized? Postet doch eure Erfahrungen einfach in die Kommentare.

  1. benutzerbild

    bekolu

    dabei seit 04/2018

    Der Vergleich wirkt wirklich sehr gekünstelt und hinkt an einigen Stellen, aber egal...

    Mich würde eher der Motorenvergleich interessieren, und zwar vor allem, wie sich die Unterstützung beim Mahle verhält in Bezug auf rpm und Eigenleistung. Beim Brose beobachte ich, dass die Unterstützung bei hoher rpm (so ab 100) deutlich zurückgeht, und ab einer Eigenleistung von ca. 260 Watt lt. MC App die Motorunterstützung konstant bleibt (also nicht mehr steigt, und das unabhängig von der gewählten Einstellung). Macht das der Mahle besser?
  2. benutzerbild

    Lasse

    dabei seit 06/2001

    Der SL 1.0 ist bei der Kadenz-Stabilität leider nicht besser als der Brose, obwohl Specialized das besonders hervorhebt/behauptet. Ab 100rpm geht es spürbar bergab mit der Leistung. Über 110 rpm bricht er ein. Nicht so krass wie Shimano, aber eben auch nicht besser als Brose.

    Der Fazua mit der neusten Software ist da eine Klasse für sich: von 60-130rpm stabil ohne Einbruch.

    Der Mahle ist dafür wieder besser in der Krafteinleitung - sehr sanft und sensibel.

    Offiziell geht der Eigenleistungsbereich beim SL 1.0 bis 500 Watt! Bei meinem Setup (30/100) wirft die Specialized Exceltabelle 375 Watt Eigenleistung für die maximalen 240 Motorzugabe aus. Ob das stimmt, kann ich schwer sagen, fühlt sich aber natürlich und unauffällig an.
  3. benutzerbild

    Lasse

    dabei seit 06/2001

  4. benutzerbild

    bekolu

    dabei seit 04/2018

    Lasse schrieb:

    Offiziell geht der Eigenleistungsbereich beim SL 1.0 bis 500 Watt! Bei meinem Setup (30/100) wirft die Specialized Exceltabelle 375 Watt Eigenleistung für die maximalen 240 Motorzugabe aus. Ob das stimmt, kann ich schwer sagen, fühlt sich aber natürlich und unauffällig an.


    Hab leider kein SL, sonst könnte ich das testen. Bei meinem Levo bin ich damals einfach einen kleinen Anstieg ein paar Mal gefahren und habe die Eigenleistung gesteigert. MC war auf Eco mit 15% / 100%. Einmal habe ich nur auf die Kadenz geschaut, ein anderes Mal auf die Eigenleistung (Kadenz so gut es ging auf dem gleichen Level gelassen). Mit dem Handy am Lenker und MC Stats offen sieht man sehr schön, wann der Motor nicht mehr unterstützt.
  5. benutzerbild

    GoldenerGott

    dabei seit 08/2019

    Ich konnte gerade gestern mal ein paar Meter auf einem Levo SL S-Works fahren und fand es klasse. Allerdings bin ich auch derzeit noch Bio-Mountainbiker undkenne E-MTBs nur vom Bergamont ETrailster meiner Frau mit Shimano Motor.
    Das Levo SL ist aus meiner Sicht das richtige Bike für Jemanden, der das Handling eines normalen MTB bevorzugt. Bergauf fühlt sich ein normales EMTB ja super gut an mit der Unterstützung. Mir sind sie bergab aber zu behäbig. Das ist beim Levo SL anders. Mir reicht die Unterstützung des SL. Fühlt sich in der schwächsten Stufe an wie der ECO Modus beim Shimano E8000, der mir auch reicht, wenn ich es nicht eilig habe. Wird es steiler schaltet man halt noch mehr Unterstützung dazu. Da bietet dann zB der Shimano natürlich noch deutlich mehr als das SL, aber wenn man ehrlich ist reicht auch das SL, wenn man eine gewisse Grundkondition hat. Das nimmt einfach die Kraftspitzen, die einem nach der Tour weh tun, wenn man schon ein paar Geburtstage mehr gefeiert hat. Trotzdem fühlt es sich wie ein normales MTB an.
    Aber die Preispolitik von Specialized ist schon happig. 13000€ für das S-Works und dann ist da noch gar nicht mal alles dran, was für so einen Preis dran sein müsste.
    Deshalb habe ich gerade mal nach Alternativen geschaut. Das günstigste Carbon SL kostet auch schon stolze 7200€. Die Gabel lässt man bei MST tunen, XO1 Upgrade Kit. Code Bremszangen aus dem Bikemarkt, Newmen LRS, Carbonlenker, gescheite Reifen, Griffe, macht etwa 2100€. Die NX und den alten LRS könnte man noch verkaufen. Schon hat man für 9000€ ein Bike, das dem S-Works in nichts nachsteht (außer dem Dämpfer), aber 4000€ günstiger.
    Leider trotzdem noch unbezahlbar.

Was meinst du?

Wir laden dich ein, jeden Artikel bei uns im Forum zu kommentieren und diskutieren. Schau dir die bisherige Diskussion an oder kommentiere einfach im folgenden Formular:

Verpasse keine Neuheit. Trag dich für den MTB-News-Newsletter ein!