Die COVID-19-Pandemie darf vor allem in Deutschland durchaus als Triebfeder des aktuellen E-Bike-Booms gewertet werden. Mit Öffnung der Fahrrad-Läden erfuhren die Händler bis heute einen wahren Ansturm und bereits jetzt, mitten im Sommer, sind  viele interessante Modelle und gängige Größen ausverkauft. Die Pandemie bringt zudem den Umstand mit sich, dass die meisten Fernreisen aktuell nur unter erschwerten Bedingungen und Risiken möglich sind – also verzichten viele auf den kostenintensiven Urlaub und investieren in ein E-Bike, mit dem die regionalen Naherholungsgebiete einfach zu erkunden sind. Leasing Modelle wie Jobrad und günstige Zinsen befeuern den Boom weiter und machen eine Investition von mehreren Tausend Euro für ein Zweitrad nahezu jedem möglich. In einer aktuellen Studie von Shimano wird das Nutzungs- und Kaufverhalten untersucht, gibt Aufschluss und blickt ein wenig hinter die Kulissen.

Die E-Bike-Revolution hat in den letzten Jahren rasant an Dynamik gewonnen. Was einst ein seltener Anblick auf den Straßen und Radwegen Europas war, setzt sich nun mit dem Wandel der Einstellung und des Bewusstseins zum Thema E-Bike immer mehr durch. Insbesondere in diesem Jahr suchen viele Europäer nach Möglichkeiten, sich an die drastischen Veränderungen im täglichen Leben aufgrund der COVID-19-Pandemie anzupassen, was zu einem erhöhten Potenzial für die Nutzung von E-Bikes führt.

Hier die Hauptgründe, für den Kauf eines E-Bikes:

  • Die Hauptgründe für den Umstieg auf ein E-Bike sind längere Distanzen zu bewältigen und die Verbesserung der körperlichen Fitness.
  • Für 10 % der Deutschen ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich in diesem Jahr ein E-Bike kaufen, höher als im Jahr 2019.
  • 9 % besitzen bereits ein E-Bike.
  • Die Zahlen wurden in einer paneuropäischen Studie mit über 13.000 Befragten aus elf Ländern erhoben

Eine neue paneuropäische Studie von Shimano mit über 13.000 Befragten aus elf Ländern zeigt, dass ein Viertel der Europäer (24 %) entweder bereits ein E-Bike besitzt oder mit höherer Wahrscheinlichkeit als im Vorjahr im laufenden Jahr eines kaufen oder fahren wird. Deutschland ist einer der am weitesten entwickelten E-Bike-Märkte in Europa – dies ist vor allem an den seit Jahren außergewöhnlich hohen Verkaufszahlen erkennbar. Dadurch erklärt sich auch, dass Deutschland bei den Wachstumszahlen im Europavergleich leicht zurückliegt. Allerdings geben immer noch ein Fünftel der Befragten (19 %) an, in diesem Jahr ein E-Bike kaufen oder benutzen zu wollen.

Rund 22 % derjenigen, die angaben, dass sie in diesem Jahr eher ein E-Bike kaufen oder benutzen werden, fahren höchstens einmal alle drei Monate mit dem Fahrrad. Dieses Ergebnis zeigt, dass sich eine neue Art von Käufertyp in Deutschland entwickelt, der sich ebenfalls für E-Bikes interessiert. Die Umfrageergebnisse stammen aus dem Shimano Steps E-Bike Index 2020, der darauf abzielt, die Einstellung und Haltung zu E-Bikes in den wichtigsten europäischen Ländern zu vergleichen und zu untersuchen, welche Hindernisse einer flächendeckenden Verbreitung von E-Bikes entgegenstehen. Die Studie zeigt einige interessante Ergebnisse:

Beispielsweise gibt die Mehrheit (34 %) als Grund dafür, dieses Jahr eher ein E-Bike kaufen oder nutzen zu wollen als letztes Jahr an, dass die körperliche Anstrengung geringer sei als beim konventionellen Radfahren. Bei den jungen Erwachsenen zwischen 18-24 Jahren gibt hingegen einer von drei Befragten (35 %) an, ein E-Bike benutzen zu wollen, um Zeit auf alltäglichen Wegen zu sparen.

BundeslandAnteil der Befragten, die Wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich ein E-Bike kaufen und/oder nutzen werden.
Berlin13 %
Bayern12 %
Baden-Würtemberg11 %
NRW11 %
Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein11 %
Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland9 %
Sachsen, Thüringen9 %
Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachen-Anhalt6 %
Häufigkeit
# Häufigkeit
Fahrradnutzung
# Fahrradnutzung

Unter allen Altersgruppen in Deutschland gibt es trotz der Tatsache, dass viele ein E-Bike zur Verbesserung der körperlichen Fitness nutzen wollen, auch Personen, die davon überzeugt sind, dass sich ihre Fitness durch das Fahren eines E-Bikes nicht verbessern würde. Ein Fünftel der Befragten (19 %) gab hierbei an, dass dieser Grund von dem Kauf oder der Nutzung eines E-Bikes abhalten könnte. Eine kürzlich vom International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity durchgeführte Studie gibt jedoch neue Hinweise, dass das Fahren eines E-Bikes die kardiorespiratorische Fitness verbessern kann.

Ebenfalls soll die regelmäßige Nutzung eines E-Bikes dazu beitragen, allgemeine Empfehlungen bezüglich der körperlichen Aktivität zu erfüllen und die körperliche Fitness zu steigern. In diesem Bereich bieten E-Bikes eine potenzielle Alternative zum konventionellen Radfahren. Neben der körperlichen Fitness, sind sich viele Deutsche mittlerweile auch der positiven Auswirkungen des Radfahrens auf die geistige Gesundheit bewusst: Jeder Sechste (17 %) der Befragten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit ein E-Bike benutzen würden oder bereits eines besitzen, gab an, dass dies einer der Hauptgründe für die Nutzung oder den Kauf eines E-Bikes in diesem Jahr wäre. Die Mehrheit (43 %) gibt an, dass sie ein E-Bike für Freizeit- oder Familienaktivitäten nutzen würden, was darauf hindeutet, dass die Attraktivität eines E-Bikes nicht nur auf das Pendeln beschränkt ist (obwohl mehr als ein Fünftel [19 %] das E-Bike bereits zum Pendeln verwendet).

In einigen Ländern sind die Gründe für die Nutzung eines E-Bikes recht unterschiedlich. In den Niederlanden nutzen bereits 78 % der Bevölkerung mindestens einmal im Monat das Rad als Fortbewegungsmittel – hier wurde von denjenigen, die in diesem Jahr ein E-Bike benutzen wollten, als Hauptgrund (40 %) angegeben, dass die körperliche Anstrengung beim Fahren eines E-Bikes geringer sei, als beim konventionellen Radfahren. Da die meisten E-Bikes eine Unterstützung bis zu 25 km/h bieten, ist dies ein durchaus schlagkräftiges Argument.

In Deutschland wird hingegen den ökologischen Vorteilen der Nutzung eines E-Bikes immer häufiger Beachtung geschenkt. 14 % der Befragten gaben an, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit ein E-Bike nutzen würden, weil sie sich über die Umweltauswirkungen ihrer bisherigen Fortbewegungsmittel zunehmend Gedanken machen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass wir in Deutschland bereits einen sehr weit entwickelten E-Bike-Markt haben. Die experimentierfreudigen Early Adopters haben bereits die breitere Zielgruppe der Early Majority mitgezogen. Das bedeutet, dass wir uns in unserem Markt nun einer nicht ganz so leicht zu erreichenden und zu überzeugenden Zielgruppe zuwenden müssen. Gerade weil so viele Deutsche in den letzten Jahren aufs E-Bike umgestiegen sind, ist das Wachstum hier nicht mehr ganz so dynamisch wie in manchen anderen Ländern, in denen der E-Bike-Markt noch nicht so weit entwickelt ist.

Während die heute schon aktiven Pedelec-Nutzer oft auch beim E-Biken die positiven Auswirkungen körperlicher Betätigung suchen, ist der neu zu gewinnenden Zielgruppe der Studie zufolge besonders wichtig, mit dem E-Bike Strecken absolvieren zu können, ohne ins Schwitzen zu geraten

Michael Wild, Marketingleiter bei der deutschen Shimano Generalvertretung Paul Lange & Co. OHG

Kaufabsichten
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Gründe für Kauf – Teil 1
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Gründe für Kauf – Teil 2
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Hindernisse für Kauf
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Länder, in denen die Menschen in diesem Jahr am ehesten auf E-Bikes umsteigen

1. Italien (30 %)
2. Schweiz, Polen, Niederlande (je 26 %)
5. Spanien (21 %)
6. Frankreich (19 %)
7. Norwegen (13 %)
8. Schweden, Dänemark (je 11 %)
10. Deutschland
11. Großbritannien

Durch die immer noch anhaltende Krise wird das gesteigerte Bewusstsein in Bezug auf die positiven Auswirkungen des Radfahrens auf die körperliche und geistige Gesundheit somit einer der Hauptgründe sein, dass zukünftig noch mehr E-Bikes auf den Straßen unterwegs sind – als nachhaltige und aktivitätsfördernde Mobilitätslösung in ganz Europa.

Hintergrund zu den erhoben Zahlen

Alle Zahlen stammen, sofern nicht anders angegeben, von YouGov Plc. Die Gesamtstichprobengröße umfasst 13.412 Erwachsene aus den Niederlanden (1.000), Italien (1.031), Dänemark (1.028), Frankreich (1.012), Schweden (1.019), Deutschland (2.113), Großbritannien (2163), der Schweiz (1.000), Norwegen (1.009), Spanien (1.040) und Polen (997). Die Umfrage wurde zwischen dem 30. März und dem 29. April 2020 online durchgeführt. Die vorliegenden Zahlen wurden für jedes Land gleichmäßig gewichtet, um einen “Durchschnittswert” zu erhalten.

Infos: Pressemitteilung Shimano

Wie ist es bei euch, besitzt ihr bereits mehr als ein E-Bike bzw. E-MTB?

  1. benutzerbild

    Malfurion

    dabei seit 08/2019

    Die Zahl der Befragten ist viel zu gering, als dass man auch nur eine einzige Information aus dieser "Studie" ernst nehmen könnte.
    Wahrscheinlich war das sogar eine Umfrage an Menschen, die sich eh gerade für das E-Biken interessieren.
    Eigentlich interessieren deshalb "nur" die Ergebnisse, warum die Menschen ein E-Bike wollen. Das sie gern eins hätten, zeigt wohl schon die Teilnahme an dieser Umfrage.
  2. benutzerbild

    carco

    dabei seit 07/2020

    Ich finde die Studie bestätigt doch genau das aus, was bereits bekannt ist.
    Insofern nichts neues aber auch nichts falsches.

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