Avinox M2S Race750 – offiziell gedrosselt
Das erste Team, das auf den gedrosselten avinox M2S Race 750 setzt, ist das Rotwild Schwalbe Gravity Team, welches maßgeblich in die Entwicklung und Zulassung bei der UCI involviert war. Nachdem man 2025 bei der offiziellen UCI E-Bike WM – quasi „über Nacht“ – nicht mit den neuen Bikes starten durfte und auf die alten Modelle mit Shimano-Motor zurückgreifen musste, hat man im Herbst und Winter daran gearbeitet, dass dies nicht noch einmal passiert.
In den Regularien der UCI wurde 2025 die Maximalleistung auf 750 W festgelegt und selbst ein vom Hersteller gedrosselter – notariell beglaubigt – Avinox M1-Motor durfte 2025 nicht an der WM teilnehmen. Eine bittere Pille damals fürs Rotwild Schwalbe Gravity Team, die man 2026 keinesfalls noch einmal schlucken wollte …
Genau deshalb hat man gemeinsam mit Avinox einen bestehenden M2S-Motor per Software dauerhaft gedrosselt und ihm zudem einen neuen Namen verpasst – auch das ist laut UCI-Regularien erforderlich. Im Hintergrund dürfte es dazu zahlreiche Abstimmungen und Meetings mit den Verantwortlichen gegeben haben. Das Ergebnis: 2026 darf man mit dem Avinox M2S Race 750 offiziell bei den Rennen der Union Cycliste Internationale, kurz UCI, an den Start gehen.
Avinox M2S Race 750 – die Fakten
Der Race750 basiert auf der Serienversion des Avinox M2S‑Motors. Für den Renneinsatz ist er auf 750 Watt und 130 Nm begrenzt. Die Länge des Carry-Overs wurde vom Serienmotor übernommen. Ebenso die maximale Unterstützung von 800 Prozent.
| Hardfacts M2S Race750 | |
|---|---|
| Spitzenleistung | 750 W |
| Maximales Drehmoment | 130 Nm |
| Maximale Unterstützung | 800% |
| Akku im Renneinsatz | 860 Wh (BMZ)* |
| UCI-Freigabe | 4/15/2026 |
| Erstes UCI-Rennen | European E-MTB Tour Nova Gorica, 18.04.2026 |
| *im Rotwild Team-Bike | |
Der M2S Race750 ist die Rennversion des am 09.04.2026 vorgestellten Avinox M2S-Serienmotors. Die offizielle UCI-Zulassung folgte am 15.04.2026. Schon drei Tage später, beim ersten Stopp der European E-MTB Tour in Slowenien, war der Motor erstmals im UCI-Renneinsatz auf der Strecke: das Rotwild Schwalbe Gravity Team als erstes Team mit dem Race750.
Bis August 2025 war E-Racing mit dem E-Bike weitgehend unreguliert. Entscheidend war im Grunde nur die bekannte EU-Grenze von 25 km/h plus Toleranz. Mit der Einführung der neuen EPAC-Regularien änderte sich das jedoch deutlich: Bei offiziellen Rennen der Union Cycliste Internationale dürfen Motoren seitdem maximal 750 Watt Leistung am Hinterrad abgeben.
Für Teams, die früh auf den Avinox-Antrieb gesetzt hatten, war das ein herber Rückschlag. Ein Start bei UCI-Rennen war plötzlich nicht mehr möglich. Besonders sichtbar wurde die neue Regelung bei den E-XC- und E-Enduro-Weltmeisterschaften 2025 in der Schweiz. Gemeinsam mit Avinox und der UCI suchte das Rotwild Schwalbe Gravity Team nach einer Lösung – letztlich jedoch ohne Erfolg. Die verbleibende Zeit war zu knapp und einige Anforderungen der neuen Regularien ließen sich kurzfristig nicht umsetzen. Gleichzeitig trafen dabei unterschiedliche Sichtweisen und Philosophien aufeinander.
Für die Fahrer und das gesamte Team war das natürlich ein harter Einschnitt. Gleichzeitig war aber auch schnell klar: Für die Saison 2026 musste eine passende Lösung gefunden werden.
Interview mit Lukas Spießl
Für Lukas Spießl, Teammanager des Rotwild Schwalbe Gravity Teams, begann der Prozess von vorne. Als Schnittstelle zwischen Avinox und der UCI arbeitete er weiter an einer Lösung. Im März einigten sich alle Beteiligten auf die zentralen Eckpunkte der Umsetzung. Jetzt fehlten nur noch die technische Umsetzung und die offizielle Zulassung. Am Ende lieferten alle rechtzeitig ab. Das Team reiste am 15.04. morgens zur ersten European E-MTB Tour des Jahres nach Slowenien, ohne zu wissen, wann die Zulassung kommen würde. Als am Nachmittag die offiziellen Dokumente der UCI eintrafen, drei Tage vor dem ersten Rennen, war die Freude grenzenlos.
Das Rotwild Schwalbe Gravity Team nutzt Avinox M2S Race 750 – der mittlerweile auch offiziell auf der Homepage von Avinox gelistet ist – im Teambike „Rotwild R.EX 750 Team, dominiert damit die aktuelle European E-MTB Enduro Tour und konnte auch beim Auftakt der Bosch eMTB-Challenge einen Doppelsieg einfahren. Um mehr über den Motor und den Weg dorthin zu erfahren, haben wir Lukas Spießl zum Interview gebeten. Gemeinsam mit Torben Drach führt er seit 2024 das Rotwild Schwalbe Gravity Team. Seine Hauptaufgabe in diesem Winter war es, die Homologation des M2S Race750 voranzutreiben.
eMTB-News.de: Gab es ein Schlüsselerlebnis, weshalb ihr den Motor gemeinsam mit Avinox und der UCI entwickelt habt?
Lukas Spießl: Wie viele wissen, wurde der E-EDR World Cup 2024 als das große neue Konzept gefeiert und im selben Jahr wieder pausiert. Schon während der Saison haben wir gemerkt, dass es große Unterschiede zwischen den Motoren gibt. Im Dezember 2024 hatten wir einen Termin bei Rotwild, dort wurde uns die Avinox-Version des R.EXC vorgestellt. Im Meeting verständigten wir uns darauf, die WM 2025 als unser Saisonhighlight zu setzen. Realistisch war, erste Prototypen im Juli zu bekommen. Mit Blick auf den ersten Einsatz des Bikes zur WM haben wir die Saison aufgeteilt: in der ersten Hälfte Enduro, in der zweiten Hälfte mit den neuen EXC`s E-Enduro, mit vollem Fokus auf die WM.
Im Juli und August kamen dann die neuen EPAC-Regularien der UCI, die wir voll unterstützen. Damit hatten wir nur ein Problem: Der verbaute Avinox M1 lieferte mehr als 750 Watt am Hinterrad. Da die Zulassung an ein konkretes, mit maximal 750 Watt beworbenes Modell gebunden ist, reichte es nicht, einen bestehenden Motor per Firmware zu drosseln. Trotz großer Anstrengungen war eine Homologation auf die Schnelle nicht möglich. Eine Woche vor der WM in Fiesch kam die für uns und Rotwild sehr schlechte Nachricht. Keine Zulassung. Ehrlicherweise sind da bei uns und den Athleten ein paar Tränen geflossen. Uns ging es nie um einen Vorteil, sondern darum, mit fairen Voraussetzungen an den Start zu gehen. Damals hat sich die Entscheidung der UCI mehr wie ein politisches Statement angefühlt als wie eine sportliche Entscheidung. Wir haben den Kürzeren gezogen. Zum Glück haben sich danach alle gedacht: jetzt erst recht. Über den Winter haben UCI, Avinox und wir gemeinsam eine Lösung gefunden.
Welche Hürden hattet ihr bei der Entwicklung und der Zulassung für UCI-Rennen?
Die größte Hürde war die Ausgestaltung der Regularien. Wörtlich heißt es: „EPAC’s Drive Unit … must not advertise, or be measured, as delivering more than 750W maximal mechanical output at the rear wheel“. Die Zulassung gilt also immer für ein konkretes Modell, das offiziell mit maximal 750 Watt beworben und gemessen wird. Damit war eine reine Firmware-Drosselung eines bestehenden, anders beworbenen Motors keine Option. Es musste eine eigene Race-Version her, die als solche beworben und durch die UCI homologiert wird. Das allen Beteiligten zu vermitteln, war eine große Herausforderung. Der zweite Punkt waren die Ressourcen, die wir bei Avinox blocken mussten, um die Lösung umzusetzen. Dieser Zeitraum fiel unglücklich mit dem Release der Serienmotoren zusammen. Erwähnen muss man hier Carlos Chen und Ferdinand Wolf von Avinox. Ohne ihren Einsatz und ihre Leidenschaft, das Thema auch bei Avinox in Asien zu pushen, hätte das nie funktioniert.
Was wurde am Motor konkret verändert?
Die wichtigsten Eckdaten finden sich in den Hardfacts: 750 Watt Spitzenleistung, 130 Nm Drehmoment, 800 Prozent Unterstützung. Das grundsätzliche Fahrgefühl ist nah an der Serie, auch der Carry-Over ist identisch. Einen aggressiveren Race-Mode wie bei anderen Herstellern gibt es nicht. Unser Neuzugang Theo, der vom Bosch CX-R kommt, bevorzugt die natürliche Fahrweise des Avinox. Neben der Leistung sind die aktuellen Avinox-Motoren aus unserer Sicht auch die intuitivsten zu fahren.
Kannst du sagen, wie der Motor gedrosselt wurde?
Die Drosselung läuft über zwei Ebenen. Auf der Hardware-Seite gibt es ein spezielles Cover mit der Aufschrift „M2S Race750“ und einem QR-Code, der auf die Avinox-Website mit allen Informationen zum Motor verweist. Damit können Kommissare weltweit den Code scannen und prüfen, ob es sich um die richtige Hardware handelt. Auf der Software-Seite gibt es eine Race-Firmware, erkennbar an einem Wasserzeichen am Display. Diese ist mit der E-Mail-Adresse des Athleten verknüpft. Einmal aufgespielt, bleibt sie dauerhaft auf dem System. Mehr als 750 Watt lassen sich dann nicht mehr einstellen, auch die OEMs können die Firmware nicht entfernen. Dieser doppelte Boden aus Firmware und Hardware schützt vor Manipulationsversuchen. Nur wer beides hat, darf starten.
Dürfen alle den Motor nutzen oder genießt ihr Exklusivität?
Die Verteilung der Motoren läuft über die OEMs von Avinox. Jede Marke konnte sich also vor der Zulassung in Position bringen. Durch unsere Beteiligung im Genehmigungsprozess wussten wir früh, was kommt, und konnten uns intensiv mit dem System beschäftigen. Uns ist es aber wichtig, den E-Bike-Sport als Ganzes zu pushen. Deshalb unterstützen wir jeden Fahrer, der Hilfe mit dem System braucht. Kevin Miquel, Weltmeister 2024 und Fahrer für Megamo, hatte in Belgien noch kein Cover, aber bereits die Firmware. Da war es selbstverständlich, dass wir ihm unser Ersatz-Cover abgeben. Beim dritten Rennen der European Tour in Castino wird auch Yannick Pontal mit dem M2S Race750 am Start stehen. Wir wollen vermeiden, dass andere Fahrer den gleichen Schmerz spüren wie wir bei der WM 2025. Parallel arbeiten wir mit der UCI und Avinox an der Verbesserung der Zugänglichkeit und Praktikabilität des Systems.
Wie ist deine persönliche Meinung zur Leistungsbegrenzung im Rennsport?
Der E-MTB-Sport braucht fairen Wettkampf. Auch wenn die aktuellen Regularien Schwächen haben, sind sie die fairsten seit Jahren. Durch meine enge Zusammenarbeit mit der UCI und dem technischen Abgeordneten Kieran Page konnte ich einen tiefen Blick hinter die Kulissen werfen. Mein Eindruck: Es lohnt sich, die Regularien, die wir haben, zu schützen. Vorschläge, die Batteriekapazität oder die Hardware zu begrenzen, sehe ich kritisch. Wir sind nicht im Motorsport und haben nicht die Budgets, um uns von der Serie loszulösen. Hier müssen Industrie und Verbände zusammenarbeiten. Jetzt haben alle die gleiche Leistung. Den größten Unterschied macht der Fahrer. Uns waren die 750 Watt nie zu wenig. Hier punktet das Avinox System mit hoher Sensibilität und Dosierbarkeit. Noch fairer wäre es, die maximale Leistung ans Körpergewicht zu koppeln. Aber das ist Zukunftsmusik.
Zusammenfassend stehen wir hinter den aktuellen EPAC-Regularien und der 750-Watt-Grenze im Rennsport. Gleichzeitig arbeiten wir weiter daran, das bestehende System zu verbessern.
Für 2026 liegt der Fokus darauf, das System zu etablieren und weiterzuentwickeln. Das Rotwild Schwalbe Gravity Team war eines der ersten Teams auf dem M2S Race750, aber sicher nicht das letzte. Weitere Highlights dieses Jahr sind die Runden der European E-MTB Tour, die sich zunehmend als Ersatz für den E-EDR World Cup etabliert. Darüber thront die WM im Oktober in Finale Ligure. Diesmal mit vergleichbarem Material.
Wir danken Lukas für das offene Gespräch und die tiefen Einblicke. Weiterhin viel Erfolg für Dich und das Rotwild Schwalbe Gravity Team!
28 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumBTW. Was ist ein Troll?
Im Internet werden als Troll solche Kommentatoren benannt, die keinen konstruktiven Beitrag zur Debatte leisten wollen, sondern andere Teilnehmer durch unsachliche, aggressive, unter die Gürtellinie zielende Beiträge provozieren und diskreditieren.
Um mich nicht triggern zu lassen und womöglich auf das destruktive Verhalten einzusteigen, nutze ich gerne die "Ignorieren" Funktion.
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