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Motor-Marking
Motor-Marking - TransV nimmt die E-Biker ernst
Beim Prolog saß ich noch etwas steif auf dem epowered Rennschlitten, war aber trotzdem schon ganz schön schnell unterwegs
Beim Prolog saß ich noch etwas steif auf dem epowered Rennschlitten, war aber trotzdem schon ganz schön schnell unterwegs
Los gehts!
Los gehts! - Wie ein wildes Rudel Wölfe starteten wir ins Abenteuer. Beim Startschuss habe ich noch keine Sekunde daran gedacht, dass ich die nächsten 7 Stunden im Sattel verbringen werde! Der Fokus liegt ganz im Moment.
Partner in Crime
Partner in Crime - Das Trek Powerfly 9 LT Plus mit einem potenten Bosch Motor der Performance Linie CX und zwei 500Wh Powerpack, die für die ganze Distanz reichen müssen.
Batteriewechsel
Batteriewechsel - Nach 43 Kilometer und 1800 Höhenmeter darf ich die Batterie wechseln.
Feedzone
Feedzone - Ein Traum nach 45 Kilometern
Hike a Bike
Hike a Bike - Der etwas weniger spaßige Teil des Transvésubienne auf dem E-MTB: Die Hike-a-bike Sektionen. Hier sind gut trainierte Oberarme ein guter Ratgeber.
80km Singletrail sind viel
80km Singletrail sind viel - Nach 60km war ich so müde, dass ich fahrtechnisch viele Fehler beging. Die 2.80 Plus-Bereifung war da ein Lebensretter und hat meine Fahrfehler ohne Probleme kompensiert.
Müde? Ja!
Müde? Ja!

Nathalie Schneitter hat bei der Transvésubienne 2017 ihre ersten Erfahrungen auf dem E-MTB gesammelt und uns einen begeisterten Bericht über ihr erstes großes Abenteuer mit dem elektrisch betriebenen Mountainbike mitgebracht.

Ich wage zu behaupten, dass ich als Mountainbikerin schon fast alles gesehen habe – zumindest alles was der Rennsport zu bieten hat. Von Cross Country Weltcups, über Etappenrennen wie das Cape Epic, bis zur Enduro World Series habe ich schon alles in den Beinen. Im E-Mountainbiken jedoch, da bin ich ein echtes Greenhorn. Tatsache ist, dass wir mitten im epowered Boom stecken. Und da ich es gar nicht mag es, wenn ich bei fahrradtechnischen Themen nicht mitreden kann, ist es höchste Zeit, mir meine eigene Meinung zu bilden.

Motor-Marking
# Motor-Marking - TransV nimmt die E-Biker ernst

Vor dem Rennen werden alle Batterien und Motoren getestet, markiert und versiegelt, sodass keine frisierten Maschinen am Start stehen und faire Wettkampf Bedingungen herrschen. Ein zeitintensives Prozedere, dass ich aber für einen fairen Wettkampf gerne in Kauf nehme.

Mit nur einer einzigen epowered Trainingsausfahrt in den Beinen, habe ich am 13. & 14. Mai das Transvésubienne in der E-MTB Kategorie in Angriff genommen. Das TransV ist ein verrücktes Marathonrennen in den französischen maritimen Alpen und stand seit längerer Zeit ganz Oben auf der Liste von Rennen, die ich unbedingt noch erleben will. Zwischen dem Start auf dem Pass La Colmiane und dem Ziel in Nizza liegen 80 Kilometer mit 2300 Höhenmeter und 4500 Tiefenmeter, sowie nonstop Singletrack der ganzen groben und spaßigen Sorte.

Beim Prolog saß ich noch etwas steif auf dem epowered Rennschlitten, war aber trotzdem schon ganz schön schnell unterwegs
# Beim Prolog saß ich noch etwas steif auf dem epowered Rennschlitten, war aber trotzdem schon ganz schön schnell unterwegs

Am Samstag wartete aber zunächst mal der Prolog zum „einrollen“. 11 Kilometer mit 300 Höhenmeter und 800 Tiefenmeter, eine kurze und knackige Angelegenheit. Von der ersten Kurve an realisierte ich, dass mir mein Erfahrungsschatz an MTB Rennen für einmal nicht weit hilft. Bis 25km/h unterstützen die E-MTB und mein Bosch Motor hilft mir auf 4 verschiedenen Stufen: Eco, Tour, eMTB und Turbo. Welchen Modus man wählt, hängt vor allem auch davon ab, wie weit der Akku reichen muss. Auf die kurze Distanz des Prologes bin ich natürlich alles im Turbo Modus durchgeflitzt. Die von mir eingesetzte Eigenkraft wird im Turbo Modus mit bis zu 300 Prozent unterstützt. Das epowered Gefährt gibt mir aber nicht nur zusätzliche PS, sondern zwingt mich auch dazu die Renntaktik zu überdenken: Wann immer die magische 25km/h Marke überschritten wird und der Motor nicht mehr weiter mithilft, ist jede zusätzlich eingesetzte Muskelkraft pure Verschwendung. Diese Körner spart man lieber für andere Passagen, wo der Motor tatkräftig leisten kann und die eingesetzte Kraft vervielfacht. Ein großer Aha-Moment. Das Kopf an Kopf Rennen des Prologes mit der Einheimischen 5fachen Transvésubienne Siegerin Nadine Sapin entschied ich um winzige 4 Sekunden für mich.
Ich freue mich über den unvorhergesehenen Erfolg & wappne mich mit Carboloading für einen Sonntag im Hinterland von Nizza, der mir alles abverlangen wird.

Los gehts!
# Los gehts! - Wie ein wildes Rudel Wölfe starteten wir ins Abenteuer. Beim Startschuss habe ich noch keine Sekunde daran gedacht, dass ich die nächsten 7 Stunden im Sattel verbringen werde! Der Fokus liegt ganz im Moment.

Mit den neuen Erkenntnissen im Sack starte ich also am Sonntagmorgen um 7.00Uhr ins große Abenteuer. Am ersten Berg stellte sich mir dann bereits die Frage, die mich noch den ganzen Tag begleiteten wird: Wie viel Batterie soll ich in der aktuellen Passage gerade investieren? Für einmal geht es nicht nur darum, meine eigenen Kräfte einzuteilen, sondern auch die meines elektromotorisierten Partners. Ich merke, dass, etwas mehr epowered Erfahrung von grossem Vorteil wäre. Aber ich freue mich auch darüber, wieder mal Anfängerin sein zu dürfen und auf jedem Meter dazu zu lernen. Ich entscheide mich dafür, konservativ mit den zusätzlichen PS zu haushalten und fahre mehrheitlich auf dem batteriesparenden ECO-Modus, der meine eigene Pedalkraft um 50 % unterstützt.

Partner in Crime
# Partner in Crime - Das Trek Powerfly 9 LT Plus mit einem potenten Bosch Motor der Performance Linie CX und zwei 500Wh Powerpack, die für die ganze Distanz reichen müssen.

Dass der ECO-Modus schon viel Fahrspass bringt, überrascht mich positiv. Im TOUR-Modus jedoch fahre ich Singletrail-Aufstiege, die ich bisher auch mit einer Fitness, die für Weltcup Topplatzierungen reicht, als unfahrbar eingestuft hätte. Ich bin begeistert und plötzlich verstehe ich, was der Werbeslogan des Uphillflow eigentlich meint. Fahrtechnische Herausforderungen machen nun nicht nur in den Abfahrten, sondern auch in den Aufstiegen richtig Spaß – ich erlebe eine völlig neue Dimension des Radfahrens.

Batteriewechsel
# Batteriewechsel - Nach 43 Kilometer und 1800 Höhenmeter darf ich die Batterie wechseln.

Die Organisation des Rennens ist 1A und die Ersatzbatterie, die ich beim Start abgeben konnte, wartet irgendwo in der französischen Pampa auf mich. Beim Batteriewechsel dann die Erkenntnis: Konservativ haushalten ist gut, aber ich habe noch 15% der Batterie übrig, hätte also zeitweise schon mehr Power investieren können. Andererseits habe ich auch ein paar Unglückliche gesehen, denen die Batterie bereits vor der Wechselstation ausging. Beneidet darum habe ich sie beim Überholen ganz und gar nicht und so bleibe ich meiner konservativen Taktik treu.

Feedzone
# Feedzone - Ein Traum nach 45 Kilometern

Eine der 4 Verpflegungszonen unterwegs. Hier lade ich nicht die Batterien des Bikes, sondern meine eigenen. Wer denkt, dass man sich beim eMountainbiken nicht anstrengen muss, täuscht sich gewaltig. Das E-MTB schenkt zwar einige zusätzliche Pferdestärken, aber treten muss man noch immer selber. Auch der Oberkörper arbeitet ganz schön mit, die zusätzlichen Kilos des Bikes müssen ja gelenkt werden. E-Mountainbiken trainiert also nicht nur die Ausdauer, sondern arbeitet gleichzeitig auch noch am Sixpack.
Der Walk Modus, also die Schiebehilfe, ist zwar Gold wert, aber zeitweise hätte ich den Modus am liebsten mit Allrad-Antrieb gehabt. Wenn hohe Steinstufen, Baumstämme und andere Hindernisse die Hinterrad-Traktion verhindern, wäre das Vorderrad als Zugpferdchen ein echter Traum. Andererseits gilt das TransV als eines der härtesten Rennen Europas, da darf man die eigenen Grenzen durchaus kennenlernen.

Hike a Bike
# Hike a Bike - Der etwas weniger spaßige Teil des Transvésubienne auf dem E-MTB: Die Hike-a-bike Sektionen. Hier sind gut trainierte Oberarme ein guter Ratgeber.

Um ein Bike richtig fahren zu können, muss man im Gefühl haben, zu was dieses überhaupt fähig ist. Ein 150mm Elektromountainbike hat ganz andere Eigenschaften als ein 100mm Cross Country Hardtail. Eine meiner größten Herausforderungen am TransV war, dass ich meinem Bike oftmals zu wenig zutraute und deshalb seine Stärken (noch) nicht voll ausschöpfen konnte. Wie länger ich aber darauf unterwegs war, desto mehr konnte ich einschätzen was überhaupt möglich ist. Übung macht den Meister, dies hat sich beim meinem E-MTB Abenteuer erneut bestätigt. Überrascht haben mich auch die neue EX1 Schaltung und die Code Bremse von SRAMƒ, die speziell fürs E-MTB entwickelt wurden. Die Angst, dass mir die Gänge ausgehen oder Abstufung zwischen den einzelnen Gängen zu groß sind, war absolut unbegründet und die Bremsleistung der Code war Spitzenklasse. E-Mountainbiken ist eine eigene Disziplin mit spezifischen Anforderungen ans Material, dies realisiere ich auf jedem zurückgelegten Meter.

80km Singletrail sind viel
# 80km Singletrail sind viel - Nach 60km war ich so müde, dass ich fahrtechnisch viele Fehler beging. Die 2.80 Plus-Bereifung war da ein Lebensretter und hat meine Fahrfehler ohne Probleme kompensiert.

Mit wachsender Erfahrung & akkumulierter Müdigkeit, erhielt ich auch immer ein besseres Gefühl dafür, wann es sich lohnt den Motor eine Stufe höher zu schalten.
Als ich knapp 7 Kilometer vor dem Ziel realisierte, dass ich noch Batterie übrig habe um ein Schlussfeuerwerk zu starten, wechselte ich zum allerersten Mal in den eMTB Modus, den Bosch ab Juli als Softwareupdate bereitstellt. Der eMTB Modus variiert zwischen den Fahrmodi Tour und Turbo und verstärkt die Eigenleistung dynamisch zwischen 120 und 300 Prozent. Abhängig vom Pedaldruck passt sich die Motorenunterstützung automatisch der individuellen Fahrweise an. Ohne zu übertreiben, kann ich sagen, dass der eMTB Modus eine wahre Offenbarung ist. Fahrspass ohne Ende und dies mit schon mehr als 6 Stunden pedalieren in den Beinen.

Müde? Ja!
# Müde? Ja!

Ich bewältigte das Transvésubienne in 7h2min Fahrzeit und hatte dabei viel viel Zeit mich mit dem neuen epowered Partner anzufreunden. Unsere Beziehung entwickelt sich gut und ich freue mich schon auf das nächste gemeinsame Abenteuer. Trotz der Hilfe des Elektromotors bin ich nach 7 Stunden Mountainbike-Rennen fahren erschöpft, müde und happy. Mein zweiter Rang in der E-MTB Ladies Kategorie hilft da natürlich mit, aber ganz generell gilt: Fahrradfahren macht glücklich, egal ob mit oder ohne E-Unterstützung.

Mein Bike Setup für Transvésubienne sah folgendermaßen aus:

Bike: Trek Powerfly 9 LT Plus 27.5“
Motor: Bosch CX performance line / 500W Batterie (und 500W Ersatzbatterie) / Bosch Purion Display
Reifen: Maxxis Minion DHR II Plus
Antrieb: Sram EX1, 8 Gang mit 11-48 Kassette.
Bremse: Sram Code RSC (spezifische E-MTB Bremse)
Federelemente: RockShox Pike Federgabel 150mm/ RockShox Deluxe RT3 150mm
Gewicht: 22,1kg

 
Mehr Infos zum Rennen: http://www.ucc-sportevent.com/transvesubienne/


Über unsere Gast-Bloggerin
Nathalie Schneitter startete ihre internationale Mountainbike-Karriere im Jahr 2004 mit dem Gewinn des Cross-Country-Weltmeistertitels bei den Juniorinnen. Seither ist sie Vollgas auf den Rennstrecken dieser Welt unterwegs. In Jahr 2008 qualifizierte sie sich für die Olympischen Spiele in Peking und 2010 sicherte sie sich den Heimsieg beim Cross-Country-Weltcup in Champéry. Vollgas gibt Nathalie auch neben der Rennstrecke: Sie lacht viel, ist bisschen verrückt und tanzt in jeder möglichen Situation. Seit Herbst 2016 ist sie Messeverantwortliche im Organisationsteam der Bike Days in Solothurn und des Urban Bike Festival in Zürich.

Wäre so ein Marathon-Rennen auch etwas für dich?

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    Anzeige

  2. benutzerbild

    Titanbein1302

    dabei seit 08/2010

    Tolle Leistung, toller Bericht......:)

Sag uns jetzt was du dazu meinst, wir sind gespannt!

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