Politisches Signal mit eingebautem Widerspruch
Baden-Württemberg bleibt bei der Zwei-Meter-Regel. Radfahren im Wald ist damit grundsätzlich nur auf Wegen erlaubt, die mindestens zwei Meter breit sind. Gleichzeitig kündigt der neue Koalitionsvertrag an, Kommunen bei Runden Tischen zur Einführung von Singletrails zu unterstützen. Genau dieser Widerspruch macht den 9. Deutschen Mountainbike-Kongress in Aalen interessant.
Denn auf dem Papier klingt das nach Bewegung: Mehr legale, rechtssichere und naturverträgliche Angebote sollen entstehen. In der Praxis entscheidet sich aber an Genehmigungen, Haftungsfragen, Forstinteressen und kommunalem Willen, ob daraus tatsächlich befahrbare Trails werden – oder nur weitere Gesprächsrunden.
Was der Kongress klären will
Organisiert wird der Kongress vom Mountainbike Forum Deutschland e. V. Erwartet werden rund 150 Fachleute aus Kommunen, Tourismus, Forst, Verwaltung und Bike-Community. Der Veranstaltungsort ist der KulturBahnhof Aalen, der Kongress läuft vom 16. bis 18. Juni.
Ein politisches Fachpanel soll klären, was die Formulierung im Koalitionsvertrag konkret bedeuten kann. Entscheidend ist dabei nicht die grundsätzliche Frage, ob Mountainbiken im Wald beliebt ist – das ist geklärt. Entscheidend ist, ob Kommunen, Vereine und Destinationen künftig tatsächlich leichter legale Singletrails umsetzen können.
NRW zeigt, wie schnell es enger werden kann
Dass diese Debatte nicht nur Baden-Württemberg betrifft, zeigt der Blick nach Nordrhein-Westfalen. Dort sieht ein aktueller Entwurf für ein neues Landesforstgesetz vor, das Radfahren künftig auf Straßen und sogenannte Fahrwege zu beschränken (wir berichteten – NRW plant striktes Verbot für Mountainbiker). Schmale Pfade und Rückegassen würden damit aus der allgemeinen Betretungsbefugnis herausfallen. Singletrails wären nur noch legal befahrbar, wenn sie ausdrücklich genehmigt und gekennzeichnet werden.
Damit laufen die Diskussionen in zwei Richtungen: Baden-Württemberg hält an einer restriktiven Regel fest, spricht aber über mehr legale Singletrails. NRW hatte bislang ein deutlich liberaleres Betretungsrecht, könnte dieses aber erheblich einschränken. Für die Bike-Community ist das ein wichtiger Unterschied – und ein Hinweis darauf, wie stark sich politische Formulierungen ganz konkret auf lokale Trails auswirken können.
Rechtssicherheit bleibt der Knackpunkt
Ein zentrales Thema in Aalen ist die Verkehrssicherungspflicht – und die ist für Trail-Projekte alles andere als ein Randthema. Wie schnell daraus ein echtes Problem für Betreiber werden kann, zeigt ein aktuelles Urteil des Oberlandesgerichts Hamm: Nach einem Sturz auf einem öffentlich zugänglichen Flowtrail wurde dem betreibenden Verein eine Mithaftung von 50 Prozent zugesprochen, weil die Streckenführung an der Unfallstelle nach Auffassung des Gerichts nicht ausreichend klar und abgesichert war (wir berichteten – OLG Hamm zu Flowtrail-Unfall).
Genau deshalb ist ein neuer Leitfaden zu MTB-Trails mehr als nur Verwaltungsliteratur. Er soll mehr Rechtsklarheit schaffen und Genehmigungsprozesse erleichtern. Für Vereine und Kommunen geht es dabei nicht nur um die Frage, ob ein Trail gebaut werden darf, sondern auch darum, wer ihn kontrolliert, wie Gefahrenstellen markiert werden müssen und welches Restrisiko bei den Nutzern bleibt.
Dazu kommen Verwaltungsperspektiven aus Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern. Sie sollen zeigen, welche Ansätze in der Forstpraxis bereits funktionieren. Interessant wird vor allem, ob daraus übertragbare Modelle entstehen – oder ob am Ende jede Kommune und jeder Verein wieder eigene Antworten auf dieselben Haftungsfragen suchen muss.
Auch Finanzierung und Betrieb gehören dazu
Neben Politik und Recht behandelt der Kongress auch Finanzierungsmodelle, Qualitätsfragen und den Datenbedarf von Kommunen und Destinationen. Das ist weniger griffig als die Debatte um die Zwei-Meter-Regel, gehört aber zur Praxis: Wer legale Trails will, muss sie planen, bezahlen, beschildern, pflegen und dauerhaft betreiben.
Weitere Programmpunkte drehen sich um Gravel, digitale Infrastruktur, internationale Bike-Strategien und die gesellschaftliche Wahrnehmung des Mountainbikens. Dazu kommen eine Fachexkursion zu den Trails in Aalen, geführte MTB-, E-MTB- und Gravel-Touren sowie erstmals die Bike Spirit Awards für Projekte in den Kategorien Trailbau, Vielfalt und Bike-Erlebnis.
Entscheidend ist, was nach dem Kongress passiert
Der Kongress in Aalen kann keine Zwei-Meter-Regel abschaffen und keine Trails per Beschluss legalisieren. Er kann aber sichtbar machen, wo es hakt: bei Verfahren, Verantwortung, Geld, Flächen und politischem Willen. Genau deshalb ist die Veranstaltung mehr als ein Branchentreffen.
Für Mountainbikerinnen und Mountainbiker in Baden-Württemberg bleibt die Kernfrage: Werden aus Runden Tischen tatsächlich legale Singletrails – oder bleibt es bei wohlklingenden Formulierungen?
Was glaubt ihr: Bringt der politische Rückenwind in Baden-Württemberg echte Trails – oder am Ende nur neue Gesprächsrunden?
2 Kommentare
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Mountainbike-Kongress 2026 in Aalen: Single-Trails trotz Zwei-Meter-Regel?
Was glaubt ihr: Bringt der politische Rückenwind in Baden-Württemberg echte Trails – oder am Ende nur neue Gesprächsrunden?
Es ist sehr spannend, wie man die Bewegungsfreiheit der Bürger einschränken möchte.

Man muss sich nur mal die Grundfrage stellen - wem gehören die Wälder?
Wie will man mich in der Nutzung einschränken?
Dackelopas dürfen mitten im Wald parken, mit ihren öltropfenden Fahrzeugen? Nö.
Dies sind aber exakt die Kollegen, die mich dann auf mein MTB ansprechen.
Bin da sehr freundlich.
Ich dokumentiere.
Bisher hatten immer die Dackelopas das Nachsehen.
Und die Frau hat dann auch noch geschimpft!
Super!
Leute... locker bleiben
Jedes Jahr das Gleiche!
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