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Ride Concepts TNT und Powerline
Die Schuh-Neulinge aus den USA im ersten Test

Ride Concepts TNT und Powerline im Test: 2018 startete die noch junge Firmengeschichte von Ride Concepts, dem vermutlich ersten Schuh-Hersteller, der sich vollständig dem Thema Fahrrad-Schuh widmet. Schon jetzt ist Ride Concepts aber mit einem breiten Portfolio für Herren, Damen und Kinder stark aufgestellt. Zum Vertriebsstart in Deutschland konnten wir zwei der neuen Schuhe bereits ausprobieren: den Downhill-Schuh TNT und den Mountainbike-Schuh Powerline. Beide kommen mit der weichsten Sohle im Programm, D3O-Protektion und Schnürung – Vorhang auf für einen neuen Mitbewerber auf dem Markt! Was können die neuen Schuhe? 

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Ride Concepts TNT und Powerline – Infos und Preise

Ride Concepts stellt sich auf dem Markt breit auf: Für Herren gibt es ganze fünf Flatpedal-Schuhe, einen Klickpedal-Schuh und ein Paar Schlappen. Für die Damen gibt es einen Schuh weniger für den Einsatz auf Plattform-Pedalen, ansonsten deckt sich das Angebot mit dem der Herren. Auch Kids werden mit zwei verschiedenen Flatpedal-Schuhen und den Schlappen schon gut abgedeckt – mehr Fotos der Modelle findet ihr in unserem Eurobike-Artikel zu Ride Concepts. Die Firma setzt dabei nicht auf ein vergleichsweise simples Skalieren, sondern hat für jede Zielgruppe gesondert konzipierte und geformte Schuhe im Angebot, dazu werden drei verschiedene Sohlen-Härten werden angeboten. Die beiden weicheren sind speziell für den Einsatz mit Pins gebaut, die härteste Sohle kommt nur an den Klick-Schuhen zum Einsatz. Ride Concepts arbeitet mit Schaum-Spezialist D3O zusammen, um einige Schutz- bzw. Dämpfungs-Features an den Schuhen einzusetzen.

Preis Ride Concepts TNT 179,00 € (UVP) | Bikemarkt: Ride Concepts TNT kaufen
Preis Ride Concepts Powerline 159,00 € (UVP) | Bikemarkt: Ride Concepts Powerline kaufen

# Flacher Schuh, knallige Akzente: Das ist der Ride Concepts Powerline - 159,00 € kostet der Neuling, das Paar bringt in Größe 46 496 Gramm auf die Waage.
# Etwas höher gezogen ist der Downhill-Schuh TNT - Der graue Schuh kostet mit 179,00 € noch etwas mehr und wiegt in Größe 42 917 g (pro Paar).
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Im Detail

Arbeiten wir uns von innen nach außen durch: Spannend geht es direkt an der Einlegesohle los. Ein Schriftzug und das D3O-Logo springen gleich ins Auge: High Impact Insole Technology. Dreht man die Sohle, fällt der Blick auf die zwei orangefarbenen Polster an Ferse und vorderem Fußballen. D3O kennen die meisten vermutlich von Protektoren oder Knieschonern. Das Material kann bei schlagartiger Krafteinwirkung Energie absorbieren, in Wärme umwandeln und somit – in diesem Fall – den Fuß schützen.

Aufgebaut werden die Schuhe weiter aus je einer geformten Schale für Ferse und Vorderfuß sowie einer dicken EVA-Mittelsohle – dieses Dreiergespann soll neben Komfort und einer angenehmen, ergonomischen Passform auch für Schutz und Dämpfung sorgen. Einen kleinen Unterschied gibt es hier aber zwischen beiden Schuhen: Während der leichtere Powerline nur die „Medial high-rise EVA“-Mittelsohle bekommt, setzt man am DH-Schuh TNT noch auf ein weiteres Schutzfeature, den sogenannten „TPP medial midsole protector“.

# Die belüftete und gedämpfte Einlegesohle haben die beiden Schuhe gemeinsam - An Ferse und Fußballen sorgt je ein D3O-Polster für Dämpfung bei Einschlägen.
# Vor allem die dicke Mittelsohle fällt auf - Sie fällt bei beiden Modellen steifer aus als beispielsweise bei einem Five Ten Freerider.
# Fersen- und Zehenbereich sind vorgeformt - Zum guten Tragekomfort soll außerdem eine vernünftige Belüftung beitragen.

Äußerlich gibt es an beiden Schuhen auf der zur Kurbel gewandten Seite jeweils ein weiteres, eingenähtes D3O-Polster unterhalb des Sprunggelenks. Die Zunge des Schuhs ist an drei Seiten fest mit dem restlichen Schuh verbunden, um zu verhindern, dass Dreck hier einen Weg ins Innere findet. Wasserabweisend ist das Außenmaterial, das mit einigen Lüftungslöchern versehen ist. Insgesamt machen die Modelle einen wertigen, durchdachten Eindruck, was man als Kunde bei den aufgerufenen Preisen aber auch erwarten darf.

Zu guter Letzt: Die Sohle. Hier arbeitet Ride Concepts mit Gummi-Spezialist Rubber Kinetics zusammen. Aus der Kooperation soll eine ideale Gummimischung hervorgegangen sein, die exzellenten Grip bieten soll, aber weniger schnell verschleißt als bei der Konkurrenz. Um auf dem Pedal ausreichend Halt zu generieren, setzt man auf ein hexagonales Design. Zwischen den Sechsecken befinden sich recht große Kanäle.

# Geschützt wird der Fuß nicht nur vor dem Gelände...
# ... auch der Kurbel ist ein Polster zugewandt.
# Schnürverschluss mit Strap, um den Downhill-Schuh zuverlässig am Fuß zu halten
# Der Powerline kommt nur mit Schnürung, hat dafür aber auch einen Gummi-Strap, um die Schnürsenkel zu sichern
# Spannend: die Sohle - Ride Concepts bietet drei verschiedene Härten der Rubber Kinetics Außensohle an – am Powerline ist diese im Zehen- und Fersenbereich für den Einsatz zu Fuß vorbereitet.
# Wir konnten jeweils die griffigste DST 4.0-Sohle testen - Am TNT sind die sechseckigen Profilelemente etwas größer als am Powerline und ziehen sich unverändert über die ganze Sohle.

Auf dem Trail

Ride Concepts TNT

Jeder Schuh benötigt ein wenig Zeit, um sich an den Fuß anzupassen und sich etwas einzulaufen. Bevor es auf den Trail geht, heißt es also erst einmal, ein paar Tage in den Schuhen zu verbringen. Der anfänglich etwas engere TNT weitet sich etwas und sorgt anschließend für einen sehr angenehmen Tragekomfort. Der Fuß wird vorne und hinten recht weit und auch recht hoch umschlossen. Mit Klett-Strap ist es zwar etwas umständlicher den Schuh anzuziehen, dafür lässt er sich dank Schnürung schön an den Vorderfuß anpassen und über dem Spann bombenfest fixieren. Endlich ein Flatpedal-Schuh mit zusätzlichem Verschluss!

Die Sohlen-Konstruktion des TNT fällt recht dick aus und befindet sich auf der steiferen Seite des Spektrums. Five Ten-, Bontrager- und Specialized-Schuhe sind jeweils ein Stück weicher als der Ride Concepts. Dank gepolsterter Einlegesohle ist man trotzdem angenehm zu Fuß unterwegs. Am Pedal ist die steife Sohle Geschmackssache. Als bekennender Fan von weicheren Schuhen gefällt der große Bereich zwischen Außen- und Einlegesohle aufgrund der ordentlichen Dämpfung recht gut. Schmerzende Füße, wie ich sie sonst gelegentlich bei sehr steifen Schuhen bekomme, gab es am TNT nicht.

# Verschiedene Bikes, verschiedene Pedale und Trails von ruppig bis flowig dienten dem Schuhtest - Unzertrennlich zeigen sich TNT und Pedal dabei nicht. Für die steife Sohlen-Konstruktion würden wir uns eine weichere Außensohle wünschen, um ausreichenden Grip am Pedal zu generieren.

Auf dem Trail gibt es dann aber eine Überraschung: Von Anfang an bewegen wir uns auf bekannten, aber recht holprigen Trails und können uns nicht ganz auf den Trail und die Linien konzentrieren. Die DST 4.0 Max Grip-Außensohle geht mit dem anfangs genutzten Crankbrothers Stamp-Pedal keine feste Bindung ein – erst auf Untergründen ohne schnell aufeinanderfolgende Hindernisse ist der Stand sicher. Sobald es aber ruppig wird, ist man wieder damit beschäftigt, den Fuß auf dem Pedal zu halten. Klappt man aktiv die Fersen nach unten, hält der Schuh besser am Pedal, aber das ist nicht immer möglich. Auch andere Pedale erweiterten den Wohlfühlbereich mit dem Ride Concepts TNT nur geringfügig. Besserung brachten lange, dünne Pins – damit war der Grip eine Ecke besser, im Ernstfall neigte der Fuß aber auf dem Pedal weiterhin zum Springen. In die Sohle dringen selbst die dünneren Pins nicht ein, zudem sorgen der große Abstand zwischen den Sechsecken und die angeschrägten Profilelemente für wenig Interaktion mit den Pins. An das sorglose Gefühl des Bontrager Flatline oder die „Klickpedal-Imitation“ des Five Ten Freerider Pro kommt der TNT zum aktuellen Stand noch nicht heran.

# Hervorragende Passform und ein gut umschlossener Fuß sowie der zusätzliche Verschluss via Strap (am TNT) hinterlassen einen guten ersten Eindruck - Mit der Rubber Kinetics Sohle am TNT sind wir bisher nicht vollständig warm geworden, auf verschiedenen Pedalen kommt der Schuh nicht an die Referenzen in seinem Einsatzbereich heran.

Ride Concepts Powerline

Während Chris im DH-Bereich das für den gröberen Bereich ausgelegte Modell TNT gefahren ist, musste sich der RC Powerline bei Hannes auf dem Enduro- und Trailbike beweisen. Ganz im Gegensatz zu Chris‘ Modell fällt der Powerline recht voluminös aus – während ein Specialized 2FO, ein Vaud AM Moab Tech Flat oder auch ein Adidas Terrex Trail Cross SL in Größe 46 eher kompakt sitzt, gibt es im Powerline im Vorderfußbereich noch recht viel Platz – Größe 45 hätte in diesem Fall ebenfalls gepasst. Abgesehen davon trägt sich der Schuh sehr angenehm: Der Seitenhalt ist gut und die Höhe des Schuhs sorgt für ein sicheres Gefühl, das durch den D3O-Einsatz auf der Innenseite noch verstärkt wird, denn die Gefahr, doch öfter mal zwischen Knöchel und Ferse an der Kurbel hängenzubleiben, ist durchaus ab und an gegeben.

Gefahren wurde der Schuh mit unterschiedlichen Pedalen und Pin-Längen. Während der Powerline im moderaten Trail-Bereich gut und absolut ausreichend funktioniert, geht es mir auf ruppigeren Strecken, auf dem insbesondere der Halt auf dem Pedal bei schnellen Schlägen wichtig ist, ähnlich wie Chris: Die Verzahnung gelingt nicht so gut wie bei Schuhen von Five Ten, Vaude und Specialized und das Gummi ist gefühlt nicht so klebrig wie die Stealth-Wundersohle der US-amerikanischen Kultmarke. Mir persönlich ist das bei trockenen Bedingungen ganz recht, da mir der massive Grip eines Five Ten-Schuhs oftmals zu viel ist und ich gerne auch zwischendurch nochmal meinen Fuß umsetze – aber im direkten Vergleich und besonders bei nassen und matschigen Bedingungen fällt der Grip im Vergleich zum Stealth Rubber doch spürbar ab. Zur Langzeiterfahrung lässt sich momentan noch nicht allzu viel sagen – bisher hält sich der Abrieb in Grenzen.

# Kein Problem bei Manual und Co. – aber auf ruppigeren Trails wünschen wir uns etwas mehr Grip.

Das ist uns aufgefallen

Erster Eindruck – Ride Concepts TNT und Powerline

Vor allem was Tragekomfort und Features angeht, können der Ride Concepts TNT und Powerline bisher bei uns punkten – die schicken Schuhe eignen sich nicht nur fürs Biken, sondern sind mit ihrem guten Sitz auch für den Feierabend bequem. Für unseren Geschmack könnte die Traktion für den härteren Einsatz aber höher sein, damit sich die kostspielige Anschaffung lohnt.

Pro / Contra

Pro

  • große Auswahl an Modellen und Größen
  • schickes Design und funktionelle Materialien
  • guter Komfort und Sitz des Schuhs
  • sinnvoller D3O-Schutz auf der Innenseite

Contra

  • Grip nicht ganz auf Niveau der Konkurrenz
  • teuer
# Ride Concepts startet mit einem gewaltigen Portfolio für Kinder, Frauen und Männer in den deutschen Markt - Punkten können die Kalifornier bisher mit angenehmem Tragekomfort, guter Dämpfung der Sohle und einem robusten Gesamtpaket.

Was haltet ihr vom Ride Concepts TNT und Powerline?


Testablauf

Ride Concepts TNT und Powerline wurden von Chris und Hannes unabhängig voneinander und im Direktvergleich mit jeweiligen persönlichen Referenzen getestet. Verschiedene Pedale und Fahrräder dienten dem Test, um das Optimum aus dem jeweiligen Schuh zu holen.

Hier haben wir den Ride Concepts TNT und Powerline getestet

Tester-Profil: Christoph Spath
Körpergröße 190 cm
Schrittlänge 94 cm
Oberkörperlänge 49 cm
Armlänge 60 cm
Gewicht 70 kg
Chris fährt gerne alles, von Dirt Jump über Trail und Enduro bis Downhill, gerne schnell, in grobem Gelände und mit viel Luftstand
Fahrstil
flüssig
Ich fahre hauptsächlich
Downhill, Enduro
Vorlieben beim Fahrwerk
auf der straffen Seite, viel Druckstufe, Balance zwischen Front und Heck
Vorlieben bei der Geometrie
vorne lang, hinten mittellang, flacher Lenkwinkel

Tester-Profil: Johannes Herden
Körpergröße 193 cm
Schrittlänge 98 cm
Oberkörperlänge 61 cm
Armlänge 59 cm
Gewicht 97 kg
Egal ob mit dem Enduro auf den Hometrails, dem Dirtrad im Skatepark oder auf dem Rennrad in der Langdistanz: Hannes ist in fast allen Bike-Kategorien zuhause. Am liebsten aber geht’s für ihn bergab durch den Wald!
Fahrstil
verspielt und sauber
Ich fahre hauptsächlich
Enduro, Trails, Pumptrack/Park/Street
Vorlieben beim Fahrwerk
Progressiv, nicht zu soft, schnelle Zugstufe
Vorlieben bei der Geometrie
Eher kürzerer Hinterbau, Lenkwinkel nicht extrem flach, die Front darf gern etwas höher

Preisvergleich

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