Orbea Rallon RS M-LTD 2026 - Federweg: 180 mm / 170 mm | Gewicht: 18,0 kg | Preis: 14.999 € (UVP)
Das futuristische Konzept ist weniger nur ein Produkt einer Marke mit daran angeflanschten Fremdherstellerteilen - Orbea, TQ und Fox haben gemeinsam ein Konzept entwickelt, das zeigt wo die Reise des (E-)Mountainbikes hingehen kann: größtmögliche Vernetzung bei ebenso maximaler Anwenderfreundlichkeit.
Optisch gleicht das Rallon RS dem Rallon EN nahezu vollständig - Das ist sicherlich kein Zufall, die beiden Plattformen müssen zeitlich zumindest halbwegs synchron entwickelt worden sein.
Aber auch hier stellt sich eine wesentliche Frage: - Wie viel Kompromiss ist das Rallon EN, weil das Rallon RS bereits in der Hinterhand war – wie stark können sich MTB- und E-MTB-Entwicklung gegenseitig befruchten, aber vielleicht auch limitieren?
Nicht ganz fair – denn der Akku fehlt hier im Bild. - Dieser wiegt jedoch unter 1,5 kg und dürfte damit den zentralen Teil im Mehrgewicht des Rallon RS darstellen.
Sprich: Das Rallon RS spart auch an anderer Stelle gewicht. - So fallen natürlich die Gravity-Plates weg, aber das Rallon RS setzt auch auf einen Carbon-Umlenkhebel und spart hierdurch weiter Gewicht.
Klein aber "oho" – die RS-HMI - Das ist eine Bedieneinheit, die gleichzeitig Motor, elektronische Sattelstütze und Fahrwerk steuern kann.
Herzstück der MC10-Dropper - … also Orbeas erster eigener Elektro-Sattelstütze – die wiederum am Hauptakku hängt, ultra clean aussieht, super leicht ist und obendrauf smarte Funktionen liefert.
Zwischen Hauptdrehpunkt und Sattelstütze sitzt die RS-Schaltzentrale. - Als zentraler Verteiler ermöglicht sie Strom- und Datenfluss via CAN-Bus-Schnittstellen – denkbar sind hier zukünftig also zusätzliche Anbindungen, z.B. von Trackern.
Nicht neu: kabelgebundene Elektro-Schaltungen erleben am E-MTB ein Revival. - Dabei wird nicht der Schaltimpuls gegeben, sondern die Stromversorgung sichergestellt – am Rallon RS jedoch ausschließlich mit Shimano-Di2-Schaltwerken.
Nagelneu und ungesehen: Kabelverbindung an Live-Valve-Neo-Dämpfern. - Außerdem ist am Rallon RS erstmals ein Fox-Dämpfer mit X2-Dämpfungsarchitektur im Live-Valve-Kosmos angekommen.
Als einziger Ladeport sitzt auf dem Oberrohr diese Klappe. - Persönlich finde ich das unglaublich praktisch – wenn man Bock auf Assistenzsysteme wie elektronische Dropper, Suspension und Schaltung hat, ist die ein-Akku-Lösung hiermit Benchmark – sorry SRAM!
Orbea setzt natürlich weiter auf das bewährte Fahrwerks-Design: - Mit Split-Pivot-Ausfallende, also konzentrischem Hinterbaudrehpunkt zur Radachse, ist das Rallon RS ein abgestützter Eingelenk-Hinterbau.
Im Zusammenspiel mit dem Dämpfer konnte Orbea laut eigener Aussage die Kinematik anpassen. - Mit dem automatischen Dämpferlockout spielt der Anti-Squat eine weniger große Rolle.
Vereinfacht gesagt: Wenn die Sensoren kein Event auslösen, bei dem der Dämpfer öffnen soll, bleibt er geschlossen. - Die Härte des geschlossenen Modus lässt sich dabei am Dämpfer einstellen.
Der Live-Valve-Dämpfer lässt sich in seiner Lowspeed-Druckstufe verstellen. - Außerdem wird über das schwarze Verstellrad die Härte des geschlossenen Modus reguliert.
Kleine Smarte Features machen Orbea Bikes so gut.
Auch am Rallon RS ist das Multitool immer dabei – Super!
Durch die Bauweise des Kettenstrebenschutz mit Luft unter den Erhebungen, dämpft dieser extrem gut. - Weiches Gummi verstärkt diesen Effekt zusätzlich – der Kettenstrebenschutz ist einer der besten, die ich je in der Hand hatte, dürfte jedoch noch 2 cm länger nach vorne Schutz bieten.
Die kleine Matsch-Bremse über dem Hauptdrehpunkt hat ordentlich Loam gesammelt. - Sie soll beim Einfedern – also einer Rotation der Kettenstrebe – verhindern dass die Abstützung zwischen den Kettenstreben und der Hauptrahmen zum Mahlwerk werden.
Keine Verspannung im Hinterbau soll durch die Lagerung entstehen - Der Hauptdrehpunkt ist durch einen Klemmbolzen gesichert.
War das Wild zuletzt nur mit Cable-Tourism verfügbar, gibts am Rallon RS zum Glück wieder seitliche Kabeleingänge - sie fügen sich dezent ins Gesamtbild ein.
Von der Antriebsseite fast nicht mehr zu erkennen – der TQ HPR-40 ist ein Meister der Tarnung. - Seine 40 Nm Drehmoment und maximal 200 W Leistung liefert er flüsterleise und dezent.
Range-Modus in grün - in der Standard-Konfiguration liefert dieser Modus möglichst viel Reichweite und erst im Bereich 340 W Eigenleistung die volle Unterstützung.
Rally-Modus in gelb - hier gibt es bereits bei ca. 240 W Eigenleistung den vollen Motorsupport von 200 W aus dem HPR-40.
Auch im Ultra-Modus kann man das Rallon RS fahren - bei über 450-W-Eigenleistung für die 200-W-Motorleistung dieser Modus besser für schwere Fahrer – mit 75 kg erreiche ich diese Schwelle so selten, dass ich auch ohne Motorunterstützung fahren kann.
Akkustand-Anzeige an der RS-HMI - Blaue Balken zeigen den Akku-Stand in 20 % Schritten an – wird ein Balken weiß, sinkt die Auflösung auf 10% – der Kontrast ist jedoch sehr gering. Die letzten 20 % Ladung werden durch fünf rote Balken angezeigt, die entsprechend eine noch höhere Auflösung von 4 % Schritten ermöglichen.
160 Wh lassen sich zusätzlich mitbringen, wenn man bereit ist den hochpreisigen Range-Extender separat zu erwerben.
290 Wh klingt heutzutage nicht nach besonders viel Kapazität, die neue TQ-Motorgeneration ist jedoch äußerst Effizient.
Kabelsalat (das geht bei 15 k € doch schöner?) trifft Flip-Chip. - Der hohe Geometriemodus hat ein kleines Gimmick: Man erreicht die Zugstufenversteller des Float-X2-Dämpfers so gut, dass man sie auch drehen kann – auch hier könnte Orbea noch nachbessern.
Im Steuerrohr steckt ein Winkelsteuersatz. - Die Ein-Akku-Lösung braucht an der RS-HMI-Remote ein Kabel, das hier durch Lenker und Vorbau geführt wird und die kundenfreundlichere Lösung mit klassischen, runden Ahead-Spacern blockiert.
Orbea Rallon RS mit Geometrieangaben in Rahmengröße XL
Bei 10.999 € vom Einstiegsmodell zu sprechen fühlt sich frech an. - Das Team-Modell verzichtet auf eines der zentralen Vernetzungs-Features – den Live-Valve-Dämpfer.
Zwei verschiedene Wippen lassen ein 29"- oder Mullet-Hinterrad zu. - Das RS-Team-Modell setzt weiters auf ein Fox-Factory-Fahrwerk und einen Shimano-Di2-Antrieb auf XT-Level.
Die Krönung der Fancigkeit verursacht beim Preis fast Schnappatmung. - 14.999 € kostet das Topmodell und reiht sich in die Liste der wohl teuersten Serien-E-MTBs ein.
Verglichen mit anderen teuren Serien-E-MTBs liefert das Orbea aber wesentlich mehr Innovation. - Ob das den hohen Preis rechtfertigt?
Flüssiger Reifen-Auswurf auf den Testfahrten mit dem Rallon RS. - Ich bin mir aber sicher: Ich habe das Orbea Rallon RS öfter geputzt, als ich es auf dem Presscamp hätte fahren können.
Das Orbea Rallon RS fühlt sich dank gelungener Motor-Steuerung und sanftem Support mehr nach einem Mountainbike an, als jedes E-MTB, das ich bisher gefahren bin. - Ich bin großer Fan des Unterstützungsprofils des TQ HPR-40, die schwelle zur abgeschalteten Unterstützung ist gerade im Range-Modus so gering, dass ich überraschend oft ohne Support gefahren bin – etwa in reinen Mountainbike-Gruppen, oder um den Hund bergauf nicht zu überfordern.
Eine von zwei störenden Eigenschaften legte der HPR-40 schnell ab: Laut Hersteller ist der Motor mit einem lernfähigen Algorithmus ausgerüstet – die etwas ruppige Unterstützungsleistung wurde nach ca. 3.000 hm sehr gleichmäßig. - Ein mahlendes Geräusch, das gelegentlich bei nur wenig Druck auf dem Pedal aus dem Motor kam, blieb bis zum Ende. Grund hierfür könnte der fehlende Motor-Freilauf sein.
Ich liebe steile Trails – mit dem E-MTB ist das hohe Gewicht definitiv ein Faktor, der das Fahrgefühl hier stark beeinflusst. - Mit nur 18 kg bei starker Ausrichtung auf die Abfahrt und kompromissloser Ausstattung, ist das Orbea ein perfekter Begleiter für ebendiese Art von Trails. Flink, dynamisch und mit kurzen Bremswegen.
Trotz seiner 180 mm Federweg bleibt das Rallon RS überraschend spitzig. - Das Gesamtsystem ist mit moderat steifem Rahmen, steifen Laufrädern, Reifen mit wenig Volumen direkter, als man es rein von den Federwegsdaten erwarten würde.
Am XL-Rad hätte ich mir die Option gewünscht, eine Kettenstrebenlänge auswählen zu dürfen. - Das hier kein Technologietransfer vom Rallon EN stattgefunden hat, ist in meinen Augen nicht schlüssig, zumindest aus fahrdynamischer Perspektive: Am Rallon RS gibt es nur die 445 mm Kettenstrebenlänge, während am Rallon EN zwei verschiedene Längen zur Wahl stehen.
Das Fahrwerk des Rallon RS liefert eine gute Bandbreite an Möglichkeiten. - … ausgehend vom Heck – denn der Dämpfer wandelt mit nur wenigen Klicks Druckstufe seine Charakteristik ungewohnt deutlich und macht aus dem satten, traktionsstarken Fahrwerk ein straffes, sportliches Fahrwerk. Verpasst man der Gabel entsprechend eingie psi mehr oder weniger Druck, bekommt man wahlweise ein super sattes Enduro oder mehr Trail-Bike-Feeling.
Insgesamt ist das Rallon RS ein verdammt gutes Fahrrad geworden. - Beim aufgerufenen Preis blickt man natürlich etwas genauer auf die Kompromisse, die es mitbringt, wer jedoch keine allzu speziellen Vorlieben und das nötige Kleingeld hat, der wird mit dem Rallon RS ziemlich glücklich werden.
orbea-rallon-rs--2 - Ist es ein Rad für mich? Nein. Auch nicht nach langer Überlegung. Für knapp 15.000 € erwarte ich weniger Kompromisse bei der Geometrie und eine kalibrierte Gabel – bei all der „Denken-sie-groß“-Mentalität darf man eben auch die Basis-Arbeit nicht aus dem Blick verlieren.