2018 startete ZF mit der Übernahme von Sachs Micro Mobility in den E-Bike-Markt. Das Ziel war klar definiert: Mit der Power und dem Know-how eines Weltkonzerns sollte der etablierten Konkurrenz Marktanteile abgejagt werden. Acht Jahre später sieht die Realität ernüchternd aus. Wie das Branchenmagazin Bike Europe berichtet, hat ein Unternehmenssprecher bestätigt, dass ZF die Verkaufsaktivitäten in diesem Bereich komplett ruhen lässt.
Die Fakten: Vertrieb gestoppt, Zukunft ungewiss
Vorausgegangen war bereits eine Finanzmitteilung vom 23. Januar, in der ZF das vorzeitige Ende mehrerer Projekte in der Sparte für elektrifizierte Antriebstechnik ankündigte. Während dort primär auf den schleppenden Hochlauf der E-Mobilität im KFZ-Sektor verwiesen wurde, steht auch der europäische E-Bike-Markt massiv unter Druck.
Raymon springt ab
Der eigentliche Nackenschlag für die E-Bike-Ambitionen dürfte jedoch operativer Natur sein. Das ganze System stand und fiel zuletzt mit dem neuen 48-Volt-Antriebssystem Centrix, das erst auf der Eurobike 2024 als großer Wurf präsentiert wurde. Als Launch-Partner und Aushängeschild fungierte der Hersteller Raymon mit dem Modell Tarok.
Diese Partnerschaft ist Geschichte. Stattdessen kehrt Raymon zu den bewährten Partnern Bosch und Yamaha zurück. Ohne einen großen OEM-Partner, der Stückzahlen garantiert, fehlt dem ZF-System die wirtschaftliche Basis. Zwar listet ZF noch Marken wie Bergstrom oder Storck als Referenzen, doch ein Volumenmodell fehlt.
Automotive-Riesen tun sich schwer
Der Vorgang reiht sich in ein Muster ein: Große Automobilzulieferer tun sich im agilen Fahrradmarkt oft schwerer als gedacht. Trotz immenser R&D-Budgets und technischer Expertise ist der Transfer in die Fahrradbranche kein Selbstläufer.
- Mangelnde Flexibilität: Die Zyklen und Anforderungen der Bike-Branche unterscheiden sich massiv vom Automobilbau.
- Marktsättigung: Wer jetzt noch einsteigen will, muss gegen extrem etablierte Systeme (Bosch, Shimano, neuerdings Pinion) ankämpfen.
- Präzedenzfälle: Auch Brose hat sein Antriebsgeschäft mittlerweile an Yamaha übertragen.
Was das für Biker bedeutet
Wer bereits ein Bike mit ZF-Antrieb besitzt oder mit dem Gedanken gespielt hat, das neue Centrix-System zu fahren, steht vor einer unsicheren Zukunft.
- Verfügbarkeit: Neue Modelle mit ZF-Antrieb dürften vorerst nicht auf den Markt kommen.
- Service: Wie der Support für bestehende Systeme langfristig gesichert wird, ist Teil der aktuellen „Prüfung“ durch ZF.
- Technologie: Der Centrix-Motor (kompakt, stark, 48 Volt) war technisch vielversprechend, droht nun aber als „Paper Launch“ zu enden.
Erst Brose, jetzt strauchelt ZF – ist der Markt für E-Bike-Motoren schlichtweg gesättigt oder entwickeln die Auto-Zulieferer am Bedarf vorbei?
8 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumSo waren sie nicht darauf angewiesen hersteller zu überzeugen auf ihr produkt zu setzten um einen fuß in den markt zu bekommen.
Die hersteller die das avinox system verbauen wollen stehen nach dem erfolg von amflow wahrscheinlich schlange.
Im gegensatz dazu hört man, wie du schon sagst, von den meisten anderen neuen systemen abgesehen von der ankündigung nichts.
Edit: Mahle geht einen mittelweg und hat zusammen zum neuen M40 system einen open Mold CF Rahmen gebracht den anbieter nutzen können.
Das dürfte es mahle auch erleichtern einen fuß in den markt zu bekommen.
Wie immer geht es weder ums Produkt, noch um die Entwicklung, sondern darum, dass sie in Sachen Marketing einfach alles falsch machen, was man falsch machen kann. Das ist so typisch deutsch. Da ich aus dem Segment komme, weiß ich gut, wovon ich spreche. Die Deutschen versemmeln es einfach immer wieder, weil sie Marketing nicht verstehen. Sie denken immer, man macht halt mal ein geiles Produkt und dann hofft man, dass es sich schon irgendwie verkauft. DJI hat eine ganze Bikemarke hochgezogen, nur aus Marketinggründen für den neuen Motor. So groß denkt in Deutschland keiner. Genau deshalb gibt es in Deutschland Millionen guter Ideen und fast keine erfolgreichen Geschichten daraus.
Sehr sehr schade um den zf Motor, ich fand das Konzept gut, die Leistung reicht, optisch auch!
hätte das Avinox System nicht überzeugt wäre die aufwendige und teure Marketingstrategie möglicherweise nicht aufgegangen.
Ich finde auch das leistungsdaten und optik des motors überzeugen.
Leider sind die daten der Akkus weniger überzeugend.
Ausführungen:
504 Wh: 3,2 kg 756 Wh: 4,2 kg (Herstellerangabe)
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