Erfahrungsbericht Fazua Ride 60 / YT Decoy SN

Mustopf

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Es gibt keinen wirklichen Grund für diesen Beitrag. Mir fällt nur immer wieder auf, wie reflexartig Würgereize kommen, sobald hier irgendein Beitrag zu Fazua (außerhalb der Fazua Unterforums) erscheint. Insbesondere die Kommentarspalte tobt sich da gerne aus und in meinen Augen ergibt das ein sehr einseitig negatives Bild von dem Antrieb. In dem Zusammenhang wollte ich einfach mal meinen Werdegang und Erfahrungen aufschreiben.

Es war das Jahr 2025, ich war auf der Suche nach einem Light-EMTB um meinem schwachen Körper ein technisches Upgrade zu verpassen, welches mir mehr Zeit auf dem Fahrrad ermöglichen soll. Als Ergänzung zum Bio-Enduro sollte es ein Alu-Trailbike für die lokalen Strecken werden. Verliebt hatte ich mich in ein Commencal Tempo Power mit Bosch SX Motor mit 400Wh. Allerdings waren die 7500€ nichts, was ich investieren wollte. Und so begann das Warten auf eventuelle Schnäppchen im Herbst.

Das Schnäppchen kam...nur anders als erwartet und deutlich früher. Ein Kumpel gab mir zwei Monate später den Hinweis, dass YT einen Sale hat. Das Decoy SN Core 3 mit Fazua Ride 60 reduziert auf <5000€. Ja gut, kein Trailbike….dann halt doch ein Enduro….und Carbon statt Alu...egal, der Preis hat hier geregelt. In keiner meiner vorherigen Überlegungen wäre ich für den Preis mit Rockshox Ultimate und elektrischer Schaltung hingekommen, ich empfand den Preis als fair. Der Fazua war mir bereits aus dem Forum negativ bekannt, aber notfalls gäbe es ein Rückgaberecht und irgendwie wollte mein Kopf es nicht akzeptieren, dass es ein Produkt auf dem Markt gibt, dass sich immer wieder neu verkauft und miserabel bei der Zuverlässigkeit sein soll...keine Firma würde sich lange auf sowas einlassen und im Internet meckern eh nur Betroffene.

Das Fahrrad war bestellt und kam schnell. Der Aufbau war schnell erledigt und die erste Testfahrt wartete. Der Vergleich zum Bio-Enduro war einfach zu ziehen, da beide 170mm Federweg und mx-Bereifung haben. Im Direktvergleich zum Last Coal V3 muss ich sagen, dass die Geometrie vom Decoy mir etwas besser liegt. Der Reach ist 10mm kürzer und ich kann das Bike deutlich „gedankenloser“ fahren. Ich muss nicht ständig darauf achten, dass ich aktiv Druck auf den Lenker ausübe. Man steht einfach direkt perfekt auf dem Bike. Die 6kg Unterschied im Gewicht merkt man eher am Ende des Tages als zwischendrin. Insgesamt ein richtig gut gelungenes Fahrrad (bis auf den Alu-Lenker, der musste einem Oneup weichen). Mit 430Wh im River Modus komme ich zirka 45km und 1200Hm weit, egal ob 35°C oder -5°C). Im Breeze-Modus sind hier auch ~1500Hm drin.

200km später folgte die erste Tour im Regen und es tauchte das erste Problem auf….im Motor. Am Ende der Tour kam es zu sporadischen Aussetzern der Unterstützung und der Fehler war ganz spannend. Solange die Unterstützung aktiv war und ich nicht aufhörte zu treten, kam es nicht zu Problemen. Unterbrach ich die Beinarbeit war es Glückssache, ob der Motor danach noch unterstützte. Interessanterweise hat er genauso spontan wieder angefangen zu unterstützen. Über die App konnte ich sehen, dass er am Drehmomentsensor einfach nichts misst. Vielleicht hätte ich das Problem mit einem Reset lösen können, aber damals wusste ich nicht, wie man einen macht bzw. dass das überhaupt geht.

Gut, Fehler können in jedem Produkt auftreten und ich habe mich an den Support von Fazua und YT gewandt. Die Reaktion lies nur wenige Stunden auf sich warten. Fehlerprotokolle wurden ausgelesen, ausgetauscht und eine Diagnose wurde erstellt. Der Verdacht liegt hier bei dem Sensor in der Drive-Unit, dieser wird aber nicht vom System als „defekt“ erkannt. Das macht für mich auch wenig Sinn, da dieser nach mehreren Stunden Warten immer für ziemlich exakt 2km funktionierte und dann wieder die sporadischen Aussetzer hat. Kalte Lötstellen etc ergeben auch keinen Sinn, da dann doch der Sensor als Defekt erkannt werden müsste. Naja, vorerst egal.

Das unausweichliche folgt hier nun, ein Austausch des Motors. Fazua hat für mich einen Termin in der Werkstatt gemacht und auch vorab einen Motor hingeschickt, damit die Ausfallzeit gering bleibt. Das hat den zertifizierten Händler/ Werkstatt wenig interessiert, da ich das Fahrrad nicht bei ihm gekauft habe und nach einem langen Monolog über YT, Canyon und Fazua durfte ich gehen und mein Fahrrad wartet auf eine Reparatur. Nach ein paar Wochen Frust und zunehmender Eskalation kam endlich der Anruf, mein Fahrrad ist fertig (als ob ich nach der Aktion jemals bei ihm Kunde werden würde). Ausgehändigt wurde beides von einem Mitarbeiter von ihm, der mir dieses mal keinen Vortrag gehalten hat, sondern sich einfach positiv über das Fahrrad und den Antrieb geäußert hat. Ich fand das so super, das hat den Start in die zweite Runde deutlich positiver gestaltet.

Zweiter Motor, erste Tour, nach der Anfahrt zum Trail ein kurzes gelbes Aufleuchten der Steuerung. Eigentlich ein Hinweis auf einen Fehler, aber er kommt nicht wieder und soviel vorneweg, er kam auch nie wieder. Tag genossen, die nächsten 300km sind vorerst wieder fehlerfrei, aber die Sorge fährt mit. Die Fehlerdiagnose ergab für mich immer noch keinen Sinn.

Und dann kamen Dinge ins rollen. Bei EMTB-News erschien ein Vergleichstest 4 verschiedener Bikes mit dem Fazua Antrieb. Rein aus dem Gedankenprotokoll meine ich irgendwo gelesen zu haben, dass hier ebenfalls mehrere ausgefallen sind mit einem ähnlichen Fehlerbild.

https://www.emtb-news.de/news/haibike-pivot-yt-transition-test-e-bike-fazua-ride-60/

Und diese Info scheint an die richtigen Stellen weitergeleitet worden zu sein. Es erschien die Firmware v12, welches Bugfixes und Systemstabilität versprachen. Das passt deutlich besser zu dem beschriebenen und erlebten Fehlerbild. Schnell in der Mittagspause das Update raufgespielt und zitternd dem Feierabend entgegengefiebert.

Von hier an wird es langweilig, keine Fehler, keine Aussetzer, nichts. Egal bei welcher Temperatur, egal welche Belastung, einfach das Fahrrad laden und genießen. Es folgt die Firmware 14 und 15. Weiterhin….nichts, seit 1300km einfach nichts. Es ist endlich so wie ich mir das vorgestellt habe. Das System verhält sich unauffällig, es ist leise (das Überfahren von Blättern ist lauter) und klapperfrei. Ich denke viele Beschwerden und Probleme gingen einfach auf einen Bug in der Software zurück. An der Stelle schade. Mein Kumpel mit Fazua Ride 60 blieb glücklicherweise von dem Problem gänzlich verschont, es gibt sie also schon ;)

Generell gibt es ein paar Highlights an dem Antrieb, die ich hier abschließend noch einmal vertiefen möchte:

  • jedes Softwareupdate kann ich einfach daheim aufspielen, es gibt keinen Werkstattzwang oder sonstiges. Als Heimschrauber für mich ein wichtiger Punkt
  • Mittlerweile habe ich die Kennlinien des Antriebes über die App auch meinen Wünschen angepasst. Man kann hier sowohl die Intensität als auch die Rampe für die Unterstützung einstellen. Ich habe die 3 Fahrmodi meinen lokalen Anforderungen angepasst und den Verbrauch vom Bike um ~10% reduziert. Durch ein entsprechendes Wechseln der Modi kann ich hier mittlerweile dem ein oder anderen Fullpower E-MTB mit 600Wh Akku die Stirn bieten ohne bei der Geschwindigkeit Abstriche zu machen (klar, muss das dann von mir ausgeglichen werden)
  • der Akku hat nach insgesamt 1500km und ~30 Ladezyklen immer noch 100% Restkapazität. Insofern die Zellen nur 1000 Zyklen mitmachen entspricht das einer Lebensdauer von 50.000km

Wie eingangs beschrieben, es gibt keinen wirklichen Grund für diesen Beitrag. Ich hatte nur Lust drauf. Die Leute meckern viel, ich habe ein „riskantes“ Produkt gekauft und bin damit sehr gut gefahren. Ja, ich würde ihn weiter empfehlen und ich würde ihn mir wieder kaufen. Nahezu jedes E-Bike in meinem Umfeld hat bereits einen neuen Motor. Der Vorteil bei dem Fazua ist, dass ich mir sicher bin, dass es nur an der Software lag und keine Hardware beschädigt war. Ich habe ein super Fahrrad mit tollem Antrieb und weiß, dass der Support sich kümmert, wenn was ist.
 
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