Rückzug auf Raten?: ZF stoppt E-Bike-Vertrieb

War absehbar. Hab mir das System damals auf der Eurobike angeschaut, hat mich als Kunde da schon nicht überzeugt.
Das System hatte keine echten Alleinstellungsmerkmale um sich abzuheben.
Ganz im Gegensatz zu DJI die im selben Jahr auf den Markt kamen
 
Der Formfaktor des Motors sah super aus, keine Frage, gerade für die Leistungsdaten. Aber wenn schon die Geräuschentwicklung so übel war wie hier von einigen beschrieben, da frage ich mich, wer das Lastenheft dafür geschrieben und gewichtet hat. Gerade bei einem Outdoorsport, will man doch ein möglichst leises System haben. Das spiegeln doch fast alle Tests, Forenbeiträge, etc. auch sehr deutlich wieder. Die Lautstärke ist eines der wichtigsten Variablen um den Motor interessant zu machen. Da muss man wirklich kein Hellseher sein. Und da die Geräusche meist durch das Getriebe verursacht werden, müsste doch gerade ZF in der Lage sein, dieses Thema zu beherrschen. Im Automobilbereich tun sie das. Wieso rutscht sowas durch? Von den Akkus, Displays und den Bedienelementen ganz zu Schweigen. Es gibt doch zahlreiche sehr gute Beispiele im Bike-Bereich. Warum schaut man sich das nicht vorher an und versucht das nicht noch besser zu machen? Entwickelt konsequent vom Kunden aus?
DJI hat es ja offensichtlich getan - man kann erahnen wo die sich inspierieren lassen haben und sieht dann was sie daraus gemacht haben und wo sie völlig neue Ansätze gefunden haben. Das ist schon insgesamt eine Leistung.

@Jorel
Die Bürokratie ist sicherlich ein unerfreuliches Thema und was z.B. den Datenschutz (auch wenn der wichtig ist) angeht für Startups ein Problem. Man muss einfach auch mal verstehen, dass es vielleicht nicht immer die 100% Lösung sein muss. Gerade die letzten 20% Sicherheit blockieren dann alles an Entwicklung was möglich wäre.
Auch die Kosten für IP Schutz sind in Europa/DE eine Katastrophe - hier werden eindeutig Konzerne vor Startups drastisch bevorzugt. Um eine kleine Patentfamilie aufzubauen und bis zum erfolgreichen Markteintritt zu erhalten (und ich rede nicht davon sie zu verteidigen), ist man nur (!) in der EU/DE locker mit mittleren sechstelligen Summen dabei. Dass muss man sich erst mal leisten können. Aber ohne ausreichenden IP Schutz ist jede langfristige Entwicklung (gerade Hardware!) ein totales Himmelfahrtskommando.
Ein ganz großes Thema ist die Risikobereitschaft bei den Unternehmern und insbesondere den Investoren - ich denke das ist bei uns einfach kaum vorhanden. Das sieht zum Beispiel in der USA - egal wie man zu ihnen steht - völlig anders aus. Aber ohne Risiko (- kapital) gibt es nun mal keine bahnbrechenden oder gar disruptiven Innovationen. Man muss ja als Investor an diese Visionen erst mal glauben und dem ganzen auch vertrauen und auch mal bereit sein Rückschläge zu verkraften und vor allem den Unternehmern auch mal zuzugestehen. In dem Bereich fehlt uns leider die Kultur fast komplett. Deshalb sehen wir auf diesen Gebieten leider auch so alt aus, hier in Europa. Unser Wagniskapitalsektor ist einfach viel zu klein. Keiner traut sich so richtig was. Aber vielleicht wachen wir auch langsam auf - hier mal ein Link zu einer echt interessanten Untersuchung der EU unter Leitung von Mario Draghi. Gut gemachte Analyse - jetzt kommts drauf an, was man draus macht, ohne dass man wieder alles zerredet und „entschärft“:

https://commission.europa.eu/document/download/97e481fd-2dc3-412d-be4c-f152a8232961_de?filename=The Draghi report A competitiveness strategy for Europe (Part A)-DE.pdf
 
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eMTB Motoren sind nicht das Kerngebiet von ZF. Hier wurde vor ein paar Jahren durch die hauseigene Sachs-Tochter, der Übernahme von BrakeForceOne und der Übernahme der Sachs Micro Mobility GmbH versucht, im Fahrradsegment Fuß zu fassen und die eigene Kompetenz aus dem Getriebebau zu nutzen.
Da sich nun ZF aber zur Schuldentilgung aus den Übernahmen von TRW und Wabco weiter konsolidieren muss (in D werden gerade 14k Stellen abgebaut), trennt man sich von solchen Geschäften.
Das ist nicht mehr als konsequent und hat weniger damit zu tun, dass man kein Vertrauen in diesen Motor hat.
Leider hat man im Moment nicht das Spielgeld, sich mit solchen Themen zu beschäftigen...
Sorry - aber der ZF Umsatz lag 2024 bei praktisch € 42 Mrd. der von DJI bei ca. € 7 Mrd. Das Kerngeschäft von DJI sind eMTB Antriebssysteme bisher auch nicht - ich würde sagen, beide Player sind ähnlich weit weg mit ihrem Kerngeschäft - wenn auch in unterschiedlichen Richtungen.
Was man aber sehr deutlich merkt ist der Unterschied mit welcher Konsequenz DJI und ZF das Thema eMTB Antriebe durchziehen. Das sind einfach Welten die sie trennen. Wie kann es sein, dass ein Gigant wie ZF praktisch komplett einknickt, Millionen Entwicklungskosten in die Tonne tritt, wenn ihm eine Klein(st)firma wie Raymon abspringt? Das ist doch völlig absurd, wenn nicht eher lächerlich.
Klar - ich bin mir recht sicher, dass die Entwicklungskosten bei DJI nicht höher lagen als bei ZF (klar, das ist Spekulation, aber ich schätze es so ein). Aber klar ist auch: prozentual gesehen ist das Risiko mit einer solchen Entwicklung für DJI wesentlich höher als für ZF - die Entwicklungskosten im Verhältnis zum Umsatz spiegeln so etwas ziemlich gut wieder. DJI löst auch das Thema ziemlich innovativ - die lassen sich nicht vom Markt abschotten (ob durch Rahmenbedingungen oder die Mitbewerber) - die zeigen den Etablierten direkt: wenn ihr versucht uns draußen zu halten, dann gehen wir eben direkt zum Endkunden (denn zu nichts anderem dient Amflow primär). Und haben dadurch auch noch einen top Demonstrator für ihr eigentliches Produkt - sehr elegant und vor allem vorausschauend gedacht. Super Strategie. Ich sehe China durchaus sehr kritisch, aber die aktuellen Entwicklungen liegen nicht nur an den billigen Arbeitskräften, dem Mangel an vernünftigen Arbeitsbedingungen, dem Fehlen von existenziellen Menschenrechten, billiger Energie, etc. Da machen wir uns alles zu einfach, wenn wir das behaupten. Dahinter versteckt sich immer noch zum Teil unsere gefährliche Arroganz.

Klar - ZF hat aktuell einfach das Riesenproblem, dass ihnen der angestammte Markt wegbricht und dass man panisch Firmenzukäufe getätigt hat, um zu kompensieren, dass man sich nicht rechtzeitig neue Geschäftsfelder aufgebaut hat, weil man eine solche Transformation schlicht nicht für möglich gehalten hat.
Für die Mitarbeiter ist das wirklich katastrophal, keine Frage, die können einem leid tun.
Aber wenn man an alles so rangeht wie bei dem eMTB Antrieb, ist es auch nicht völlig verwunderlich. Man muss sich als Unternehmen eben immer wieder neu erfinden, wenn man langfristig überleben will. Keine Scheuklappen haben, nicht arrogant sein. Schau dir mal an wie sich Microsoft, Google, Apple, etc. in kurzer Zeit transformiert haben und es ständig tun um zu überleben.
Und das sowas theoretisch auch bei uns mit wesentlich beschränkteren Mitteln als denen von ZF geht, zeigt TQ Systems (0,5 Mrd. Umsatz) - aber die sind offensichtlich eben auch extrem flexibel und anpassungsfähig - sind anfangs ja auch in eine völlig andere Richtung losgerannt.
 
Das ist ziemlicher Quatsch, den du da schreibst zu ZF, aber eMTB Antriebe war nie ein neues Geschäftsfeld, um andere Bereiche zu kompensieren. Aber lassen wir das; sonst artet das hier wieder aus und das ist gar nicht das Thema hier…
 
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