eMTB Motoren sind nicht das Kerngebiet von ZF. Hier wurde vor ein paar Jahren durch die hauseigene Sachs-Tochter, der Übernahme von BrakeForceOne und der Übernahme der Sachs Micro Mobility GmbH versucht, im Fahrradsegment Fuß zu fassen und die eigene Kompetenz aus dem Getriebebau zu nutzen.
Da sich nun ZF aber zur Schuldentilgung aus den Übernahmen von TRW und Wabco weiter konsolidieren muss (in D werden gerade 14k Stellen abgebaut), trennt man sich von solchen Geschäften.
Das ist nicht mehr als konsequent und hat weniger damit zu tun, dass man kein Vertrauen in diesen Motor hat.
Leider hat man im Moment nicht das Spielgeld, sich mit solchen Themen zu beschäftigen...
Sorry - aber der ZF Umsatz lag 2024 bei praktisch € 42 Mrd. der von DJI bei ca. € 7 Mrd. Das Kerngeschäft von DJI sind eMTB Antriebssysteme bisher auch nicht - ich würde sagen, beide Player sind ähnlich weit weg mit ihrem Kerngeschäft - wenn auch in unterschiedlichen Richtungen.
Was man aber sehr deutlich merkt ist der Unterschied mit welcher Konsequenz DJI und ZF das Thema eMTB Antriebe durchziehen. Das sind einfach Welten die sie trennen. Wie kann es sein, dass ein Gigant wie ZF praktisch komplett einknickt, Millionen Entwicklungskosten in die Tonne tritt, wenn ihm eine Klein(st)firma wie Raymon abspringt? Das ist doch völlig absurd, wenn nicht eher lächerlich.
Klar - ich bin mir recht sicher, dass die Entwicklungskosten bei DJI nicht höher lagen als bei ZF (klar, das ist Spekulation, aber ich schätze es so ein). Aber klar ist auch: prozentual gesehen ist das Risiko mit einer solchen Entwicklung für DJI wesentlich höher als für ZF - die Entwicklungskosten im Verhältnis zum Umsatz spiegeln so etwas ziemlich gut wieder. DJI löst auch das Thema ziemlich innovativ - die lassen sich nicht vom Markt abschotten (ob durch Rahmenbedingungen oder die Mitbewerber) - die zeigen den Etablierten direkt: wenn ihr versucht uns draußen zu halten, dann gehen wir eben direkt zum Endkunden (denn zu nichts anderem dient Amflow primär). Und haben dadurch auch noch einen top Demonstrator für ihr eigentliches Produkt - sehr elegant und vor allem vorausschauend gedacht. Super Strategie. Ich sehe China durchaus sehr kritisch, aber die aktuellen Entwicklungen liegen nicht nur an den billigen Arbeitskräften, dem Mangel an vernünftigen Arbeitsbedingungen, dem Fehlen von existenziellen Menschenrechten, billiger Energie, etc. Da machen wir uns alles zu einfach, wenn wir das behaupten. Dahinter versteckt sich immer noch zum Teil unsere gefährliche Arroganz.
Klar - ZF hat aktuell einfach das Riesenproblem, dass ihnen der angestammte Markt wegbricht und dass man panisch Firmenzukäufe getätigt hat, um zu kompensieren, dass man sich nicht rechtzeitig neue Geschäftsfelder aufgebaut hat, weil man eine solche Transformation schlicht nicht für möglich gehalten hat.
Für die Mitarbeiter ist das wirklich katastrophal, keine Frage, die können einem leid tun.
Aber wenn man an alles so rangeht wie bei dem eMTB Antrieb, ist es auch nicht völlig verwunderlich. Man muss sich als Unternehmen eben immer wieder neu erfinden, wenn man langfristig überleben will. Keine Scheuklappen haben, nicht arrogant sein. Schau dir mal an wie sich Microsoft, Google, Apple, etc. in kurzer Zeit transformiert haben und es ständig tun um zu überleben.
Und das sowas theoretisch auch bei uns mit wesentlich beschränkteren Mitteln als denen von ZF geht, zeigt TQ Systems (0,5 Mrd. Umsatz) - aber die sind offensichtlich eben auch extrem flexibel und anpassungsfähig - sind anfangs ja auch in eine völlig andere Richtung losgerannt.