Rotwild Werksbesichtigung

Das-Licht

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Am 30.6.17 fand die erste Werksführung für Endkunden bei Rotwild in Dieburg statt. Die auf 30 Gäste limitierte Veranstaltung wurde von Alexandra Leinhos und Ole Wittrock aus dem Vertrieb und dem Brand Management geführt. Peter Schlitt, zusammen mit Peter Böhm Geschäftsführer der ADP Engineering, erzählte uns etwas über die Entstehung der Firma, die ursprünglich, quasi in der elterlichen Garage, mit dem Bau von Brakeboostern begann, und dann 1996 einen ersten MTB-Prototyp und eine Kleinserie für den Dowenhillbereich entwickelte - mit bereits seinerzeit innovativen Entwicklungen.



Das erste MTB von 1996



Siegerfahrrad diverser Downhillweltmeisterschaften.



Ole Wittrock zeigte uns alte Prototypen und zählte die sportlichen Erfolge auf, die im Laufe der Jahrzehnte, etliche Radsportler auf Rotwild erreichten. Imposant ist auch die Fotografie des Markenbotschafters Richie Schley auf Rotwild auf einem extremen Sprung.



Schon früh experimentierte und forschte Rotwild an elektromotorischen Fahrhilfen. Erst für den Einsatz in der Rehabilitation und dann auch bald an Fahrrädern. So gab es auch Rotwild mit Bosch und Panasonic Mittelmotoren. Aktuell arbeitet man in der Entwicklung mit Brose zusammen um eine gute Integration der Motoren zu erreichen, sowie an den Grundlagen, die Wirkungsgrade weiter zu erhöhen. Co-Geschäftsführer Peter Böhm hielt hierzu einen Vortrag, der einen Abriss der MTB-Entwicklung im Allgemeinen und der neuen Pedelec-Technologie im Besonderen betraf. Interessant war in dem Zusammenhang auch, dass trotz aller Konkurrenz, die Entwickler der verschiedenen führenden Fahrradmarken (meine Anm. Specialized) im MTB Bereich, in regem wissenschaftlichem Austausch stehen. Weiter wurde diverse Aktivitäten abseits des Brandings Rotwild aufgezeigt.





Entwicklungen für bsp. Audi, Porsche, Mercedes, AMG gibt es genau so, wie weiterhin die Entwicklung von Rehamobilität oder eine Zusammenarbeit mit der ZEG... ...was man am Bulls sehr gut sieht. Das sind Einflüsse von Rotwild.



Etwas über der Hälfte der Teilnehmer besaß ein Pedelec. Andere überlegten die Anschaffung. Und so war das MTP ein immer wiederkehrendes Thema.



Das ist die "Montagehalle" der Rotwild Räder. Die Fahrräder werden von Hand aufgebaut. So gesehen handelt es sich hier nicht um eine Produktion sondern um eine Manufaktur. Auf diesem Bild sieht man Räder aus der aktuellen Modellreihe. Diese MTBs wurden bei den Roadshows eingesetzt und werden nun für den Verkauf vorbereitet. Für Roadshowteilnehmer gibt es die Möglichkeit die Vorführmodelle zu Sonderkonditionen zu erwerben. Ansonsten wird hier noch das Modelljahr 2017 produziert, und auch bereits erste 2018er Modelle werden aufgelegt.



Die neuen Modelle in neuen Farben, mit Wechselakkus und teils neuen Komponenten konnten wir im Konferenzraum ebenso in Augenschein nehmen, wie auch in der Lagerhalle. Nur fotografieren war verständlicherweise nicht erlaubt. Uns wurde erklärt, das Rotwild - im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern - jährlich mehrere Chargen an Teilen bekommt, um so die Kunden recht zeitnah beliefern zu können. Nichtsdesdotrotz wurde in 2015 auch Rotwild von der exorbitanten Pedelecnachfrage derart überrollt, dass manches Modell bereits ausverkauft war, bevor überhaupt das erste Bike der Jahresproduktion hergestellt war. Die überwiegenden Anzahl der MTPs wird in Europa verkauft, was auch viel mit den gesetzlich geschaffenen Möglichkeiten zusammenhängt. Der riesige US-amerikanische Markt ist aufgrund der dort herrschenden Gesetze einerseits, und der Unkenntnis darüber was ein Pedelec ist, noch ein weißer Fleck.

Im Konferrenzraum erklärte Peter Böhm die Rahmenproduktion, und auch warum nahezu alle High-End Hersteller in Taiwan - einem Hochlohnland - produzieren lassen. Dort hat sich über Jahrzehnte ein Pool von weltweit einmaligen Spezialisten herausgebildet. Weiterhin stehen dort die extrem teuren und aufwändigen Maschinen, mit denen das Hydroforming der Rahmen gemacht werden kann. Einfamilienhaus-große Anlagen die selbst große Radhersteller nicht alleine halten könnten. Beim Pedelec ging es um die Motoren, um die grundsätzliche Entwicklung, die jeden Hersteller Lehrgeld kostete, und um die weiteren Schritte. Die CE Konformitätsangelegenheit bei Pedelecs wurde ebenso in ihrer Problematik für die Entwicklung einerseits und die Verantwortung gegenüber dem Endkunden andererseits (sprich Tuning und andere Basteleien) angerissen. In der Akkutechnik ist auf mittlere Sicht keie Revolution zu erwarten, lediglich eine kleine Evolution, die, ausgelöst durch Elon Musk, in den 20ger Jahren etwas größere Zellen mit mehr Kapazität erlaubt.

Die Reichweite ist nicht nur im Elektroautomobilbau das Thema, sondern auch bei den Pedelecs. Natürlich suchen die Herszeller immer nach Möglichkeiten, die Reichweite zu erhöhen, doch die - auch hier und in anderen Foren oft gestellte Frage :" Wie weit reicht denn der Akku?" lässt sich weiterhin absolut nicht beantworten. Lediglich grobe Schätzwerte sind möglich. Über Grafiken wurden die Abhängigkeiten von Steigungsprozenten, Gesamtgewicht, Gesamtleistung und Geschwindigkeit erläutert. Als klare Aussage kam deutlich herüber: Wer mehr Reichweite will, muss abnehmen und mehr treten. So ist bsp. das Verhältniss einer um den Wert X erhöhten Akkukapazität längst nicht so wirkungsvoll, wie bsp. 20 Kg weniger Gewicht. Wer also mit einem Fahrrad (oder auch Pedelec) als Übergewichtiger beginnt zu trainieren, und im Laufe der Zeit von 90 auf 70 Kg abnimmt, und gleichzeitig seine Aufstiegsgeschwindigkeit, Reichweite, etc. erhöht, hat dies nur teilweise einer besseren Kondition zu verdanken. (Meine Anm. ) Leute die sportmedizinische Untersuchungen machen, können diesen Effekt bestätigen. Wer als eh schon schlanker Mensch mit Sport beginnt, hat in der Regel ein deutlich geringeres Gesamterfolgserlebnis, als der übergewichtige Mensch der gleichzeitig Gewicht verliert.




Der Mountainbiker ist laut diversen Biklemagazinen im Durchschnitt über 40. Er ist oft mit 20 in den Sport eingestiegen und mit dem Sport gealtert. In der Folge wächst dort auch durch die Umsteiger der Pedelecanteil stark an. Der Markt schätzt, dass in wenigen Jahren jedes zweite Fahrrad ein Pedelec sein wird. Auch Kinder und Jugendliche wachsen damit auf, so dass auch unter jungen Menschen die Verbreitung stark zunimmt. So wie der Jugendliche das neueste Smartphone will, und nicht Papas altes Tastaturhandy, so ist da auch klar die Tendenz zu den technisch innovativsten Geräten. Bei Rotwild ist der Pedelecanteil im Verkauf bereits über 50%. Und das ist bei anderen Herstellern nicht anders. Betriebswirtschaftlich ist die Entwicklung, Konstruktion und Produktion eines MTP deutlich aufwändiger und kostenintensiver als die eines normalen Rades. Das kann man so kaum an den Endkunden weitergeben, so dass letztlich an einem Pedelec im Verhältnis nicht so viel hängen bleibt. Das ist auch ein Grund, warum Carbon aktuell noch keine Rolle spielt.

So weit mal mein Bericht von meinem Besuch bei Rotwild. Interessant war es für mich, dass ich nun mal Einblick in die Firmen der beiden Premium-MTB Hersteller Specialized und Rotwild gewinnen konnte. Beide Firmen haben schnell verstanden, wie wichtig bei den Pedelecs die Kundenbindung, und auch die Kundeneinbindung ist. Es war ein interessantes Erlebnis für mich.
 
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FrankoniaTrails

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Der Bericht ist aussagekräftiger als manch anderer Bericht/ Test auf emtb-news weil er eben NICHT die Vorlieben eines einzelnen Redakteurs widergibt.

 
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Berg30

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Schöner Bericht ... :)
Trotz der etwas abgehobenen Preise bei Rotwild bin ich mir sicher das die Modelle 2018 sich sehr gut verkaufen werden. Endlich haben die es kapiert das ein fester Akku im Rohr für die meisten ein sprichwörtlicher Rohrkrepierer ist. Durch die neue Möglichkeit den Akku zu entnehmen und der großen Akkugröße inkl. 4 Unterstützungsstufen und der kommenden App Anbindung finde ich das Bike perfekt. Die Verarbeitungsqualität ist sehr hoch und ich freue mich auf die Saison 2018, und kann meinen Ami inkl. der zweifelhaften App Anbindung endlich in die ewigen Jagdgründe schicken.:rolleyes:
 
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