Blick in die Rahmenfertigung: Wie entsteht ein Carbon-Rahmen von Rotwild?

Redaktion

Mitglied
Teammitglied

Toni ES5

Aktives Mitglied
Danke für diesen sehr interessanten Artikel, was für ein Aufwand für einen Rahmen.

Da hat sich Rotwild ja mal richtig Mühe gegeben und die Latte verdammt hochgelegt, zumal an den Dingern von Verarbeitung bis Technik ja alles passt.
 

Pi80

Aktives Mitglied
Und was ist mit dem Harz? Ich denke die Matten werden bei diesem Fertigungsverfahren vorher getränkt...
 

chippi

Mitglied
Test auf 500.000 Lastwechsel erscheint mir sehr wenig. Pro km am Berg habe ich doch schon mal leicht 500 bis 1000 Lastwechsel berghoch. Da kommt ganz schnell x-mal mehr zusammen im Laufe von auch nur 5 Jahren.
Und 80° C zum Backen? So ein Rahmen im Auto im Hochsommer gelagert, wird doch locker mal 60 oder 70, vielleicht sogar noch wärmer...

Fertigt M1 eigentlich die Carbonrahmen vor Ort oder auch in Fernost? Das frage ich nicht, weil ich meine, in D wäre es besser (oder schlechter), sondern ganz allgemein. Meist ist es von Vorteil, wenn die Entwicklung nahe der Produktion liegt, wenn man Fehler oder Verbesserungen auf der Spur ist.
 

Pi80

Aktives Mitglied
Ja, beim Hersteller der Gewebe. Nennt sich PrePreg (PREimPREGnated).
I know, das sich das Verfahren PrePreg nennt. War mit nur nicht sicher, ob es hier Verwendung findet.

Wäre schön, wenn das im Bericht noch ergänzt werden würde, da ja auf auf sämtliche anderen Arbeitsprozesse auch eingegangen wird.

Ansonsten schöner Bericht 🤘🏻
 

Uwekab

Mitglied
ja wir kriegens schon noch raus:)
Ich kann mir nicht vorstellen, dass M1 in D fertigt, das wär wirklich zu teuer.
Kurze Geschichte dazu:
Ich hab den Beruf erlernt und inzw. 30+ Jahre Berufserfahrung.
In den Neunziger hab ich beim M1 Sporttechnik an deren ehemaligem Standort in der Nähe von Rosenheim gearbeitet.
Wir haben die ersten Carbonrahmen entwickelt und erprobt, es hat fast alles gut funktioniert, bis die Fertigung nach Spanien ausgelagert wurde. Die ersten Rahmen funktionierten auch noch, dann begannen die Rahmen der nächsten Lieferungen zu brechen. Die Spanier sparten an Carbon und haben die Fasern lieber so weiterverkauft, das war lukrativer.....
Daher u.a. der schlechte Ruf der ersten Carbon-MTB's.
Was ich damit sagen will: Die Produktion in D war damals schon zu teuer
 

chippi

Mitglied
Danke, Uwe, für die Info. Da würde mich ja interessieren, wo genau die sündhaft teuren Rahmen von M1 hergestellt werden. Deren Rahmen genießen ja mittlerweile einen guten Ruf, zumindest hört man nur Gutes von ihnen und keine Schadensfälle. Oder ist mir etwas entgangen? Wie ist das bei Rotwild?
 

Uwekab

Mitglied
Ja bei ca. 80°C härtet das Harz, recht viel wärmer sollte es hinterher aber nicht mehr werden. Ab ca. 100°C (je nach Hersteller) wird das Harz wieder weich und verliert seine Festigkeit auch nach dem Abkühlen. Also immer schön vorsichtig mit den Carbonteilen.
 

Lutz-Scheffer

Bekanntes Mitglied
Der Labor- Test mit den 0.5mio Lastwechseln ist von der Belastungshöhe soweit hochgesetzt, das er einer wesentlich höheren Lastwechsel- Zyklenzahl im Realbetrieb entspricht. Faserverbundwerstoffe zeichnen sich allgemein gegenüber metallischen Werkstoffen durch eine sehr hohe Schwingfestigkeit aus. Im Falle einer Überlast reagieren sie bei einer entsprechend erprobten und richtigen Fertigungsweise mit einem Zwischenlagenbruch der Matrix, was nicht schlagartig zu einem Totalversagen führt sondern sich gutmütig vorher bemerkbar macht. (Geräusche, allmählicher erkennbarer Steifigkeitsverlust/ sichtbare Delaminationen und Faserbrüche einzelner Schichten)
 

slash-sash

Bekanntes Mitglied
Ja bei ca. 80°C härtet das Harz, recht viel wärmer sollte es hinterher aber nicht mehr werden. Ab ca. 100°C (je nach Hersteller) wird das Harz wieder weich und verliert seine Festigkeit auch nach dem Abkühlen. Also immer schön vorsichtig mit den Carbonteilen.
Es gibt aber auch Hersteller, die fahren eine 50/80/120 Grad Temperkurve. Bei 80 Grad wird das Harz eher sämig, bei 120 ziemlich flüssig. Das umspült die einzelnen Fasern der Rovings besser. Die Stabilität kommt ja nachher nicht vom Harz, sondern von der Matrix. Das Harz lenkt die Faser ja lediglich.
Das Harz ist härter, als die Matrix. Somit bricht ein Carbonteil schneller, wenn mehr Harz im Bauteil verbleibt. Je weniger Harz ich habe, desto höher ist das Schwingverhalten und somit auch die Stabilität.
Ziel des Autoklaven ist es also möglichst viel Harz herauszubekommen.
So zumindest mein Kenntnisstand.


Sascha
 

chippi

Mitglied
Nur weiter, liebe Leute, es ist eine Freude, eure Experten-Kommentare zu lesen! Da lerne ich immer dazu, vielen Dank!
 

hna

Bekanntes Mitglied
Gut, wie so ein Carbonrahmen entsteht ist ja nichts neues, dazu gibt es bereits dutzende Videos bei Youtube.

Interessant wäre allerdings zu erfahren wie hoch die Gewichtseinsparung gegenüber einem Aluminiumrahmen ist, und in welchem Verhältnis sich die Produktionskosten bei Alu/Carbon bewegen.
 
G

Gelöschtes Mitglied 6435

Guest
@Redaktion
da habt ihr aber ein paar arbeitsschritte ausgelassen oder ?

auf diesem bild werden die fasern in eine negativform gelegt.
dort und hier wird um einem positivkern gelegt / gewickelt bevor es in die stahlform kommt.

in diversen china produktionsvideos wird das laminat um einen pu schaum kern gelegt und mit diesem zusammen in die stahlform gelegt.

jetzt die frage, lässt canyon beim legen in die negativformen die letzte lage ein paar cm überstehen und drückt diese beim zusammen fügen der beiden formhälften an die jeweils andere an und nimmt dieses entstandene fertige teil dann zum weiteren verlegen von prepreg als positivkern oder wie gehts dann weiter?

Letztendlich wohl wie bei allen anderen auch....
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

Merlin7

Aktives Mitglied
Schaumkern ist eine Möglichkeit.
Einige machen einen Silikon Kern rein der nach dem Backen herausgezogen wird. z.B. santa Cruz.

unterdessen gibt es sehr viele Fertigungswege.

Mache injekzieren das Harz. z.B. erst in der geschlossenen Form. damit kann man die Menge an HArz noch genauer steuern. Wie slash-slash schreibt - zu viel Harz macht den Rahmen sogar schlechter - und dazu auch noch schwerer :)
Prepreq ist halt schön zum verarbeiten und zuschneiden.

Jede Methode hat ihre vor und Nachteile.
 
Oben