In den letzten Wochen war das Cube Action Team in Finale Ligure im Trainings-Camp. Wer genau hinsah, konnte sehen, dass die Jungs auch mit dem E-Bike unterwegs waren. Zeichnet sich hier ein neuer Trend im Training der Profis ab oder was steckt dahinter? Wir haben mit Claus Wachsmann, dem sportlichen Leiter und Teammanager vom Cube Action Team, gesprochen und haben einige Details für euch, die wirklich interessant sind.

In Finale fühlen sich die Trails immer etwas nach Urlaub an
# In Finale fühlen sich die Trails immer etwas nach Urlaub an

eMTB-news: Claus, man kennt dich von vielen EWS-Rennen rund um den Globus. Als Teammanager des Cube Action Teams bist du mit den Jungs ständig unterwegs. Stell dich doch bitte kurz selbst einmal vor.

Claus Wachsmann: Haha, okay, kurz und knapp: 48 Jahre, Mountainbiker mit Leib uns Seele und in den Bergen zu Hause! Ich bin seit Bestehen von CUBE BIKES dabei und hier im Bereich Vertrieb und Marketing tätig. Ein Teil davon ist das Cube Action Team. Ich selbst fahre seit fast 30 Jahren Mountainbike und bin bei vielen, vielen verschiedenen Rennen am Start gewesen. Mein Highlight letzte Saison war die Trans Provence. Hier war ich der älteste Teilnehmer, aber nicht der Langsamste!

Begeisterter Rennfahrer: Claus Wachsmann
# Begeisterter Rennfahrer: Claus Wachsmann - sportlicher Leiter und Teammanager vom Cube Action Team

Du bist Teammanager und sportlicher Leiter des Cube Action Teams. Dieses Enduro-Team zählt seit Jahren zu den erfolgreichsten Teams bei der EWS. Was genau ist deine Aufgabe in dem Team?

Ein Team führt man wie eine Firma – hier geht es um Budget-, Personal- und Logistikplanung. Der Schlüssel zum Erfolg ist ein homogenes Team das sich sehr gut versteht, vom Teamleader bis zum Mechaniker. Wir arbeiten mit tollen Partnern zusammen, die auch einen Teil des Budgets abdecken und uns auf unserem Weg unterstützen. Als Gegenleistung erwarten sie eine gute Präsentation der eigenen Produkte, gute Ergebnisse und hohe Mediaaktivität. Das ganze gilt es täglich zu koordinieren und zu organisieren. Also langweilig wird es nie!

Einmal Vollgas bitte
# Einmal Vollgas bitte

In den letzten Wochen war das Team im Trainingslager in Finale Ligure und wurde öfters auf eMTBs gesehen. Was hat dich dazu bewogen, deinen Jungs E-Bikes zum Training zu geben?

Ich persönlich fahre schon lange E-BIKE und bin von der Funktion und Einsatz mehr als begeistert! Bereits letztes Jahr haben wir das Stereo 160 Hybrid schon aktiv im Training eingesetzt, jedoch dieses Mal erstmalig im Team-Camp. Bewusst die ersten 2 Tage mit Motor, danach auf den Classic-Bikes ohne Motor. Fahrtechnik mit „schweren motorisierten“ E-Bikes bergauf und auf dem Trail bergab schult die Performance ungemein. Das dann zwei Tage später mit den Race-Bikes umzusetzen macht Freude und gibt einem ein unheimlich gutes Gefühl auf dem Bike. Das ist definitiv ein neuer Trainingsreiz. Dazu kommt das ganze dann auch bergauf im Grundlagenbereich. Ganz nebenbei kann man sich auch etwas Shuttlekosten sparen … haha.

Krasses Gelände verlangt krasses Fahrkönnen
# Krasses Gelände verlangt krasses Fahrkönnen

Ihr splittet das Training ganz bewusst in „Training mit Motor” und „Training ohne Motor”?

Wir nennen es intern sogar „Motor-Training“! Eigentlich ein Begriff aus dem Rennrad-Training, hat aber einen ähnlichen Effekt: Mit dem E-BIKE kannst Du auf flachen oder bergigen Passagen höhere Geschwindigkeiten fahren, was die Reaktionsfreudigkeit und Fahrtechnik schult. Solche Geschwindigkeiten fährst Du normal nur im Race!

Wheelie auf dem Trail
# Wheelie auf dem Trail - einfach richtig cool

Welchen Vorteil versprichst du dir davon?

Du kannst einfach mit hoher Geschwindigkeit die Fahrtechnik schulen, das ganze bei niedriger Pulsfrequenz. Oft im Frühjahr ist es kalt und es sollen noch keine Sprintspitzen simuliert werden.

Über Stock und Stein – mit dem E-Bike geht's ganz easy
# Über Stock und Stein – mit dem E-Bike geht's ganz easy

Wie können wir uns eine Trainingswoche beim Cube Action Team so vorstellen? Von 10:00 bis 13:00 Trails ballern und danach Cappuccino trinken, oder passiert da mehr?

Wir haben einen festen Zeitplan: Frühstück um 8:00, dann von 9:00 bis 10:00 Uhr Setup am Bike mit unseren beiden Tech-Support Managern Jan & Marius. Hierbei kann jeder Feedback für die Bikeeinstellungen des Tages geben. Training von 10:00 bis 16:00 Uhr. Hier werden sehr viele Trails in 2er Gruppen gefahren. Der schnellere fährt vorn. Stops nur alle 300-400 Höhenmeter.
Der hintere nimmt immer mit der Garmin-ActionCam den Run auf, um im Anschluss bei einem Café die schwierigen Passagen besprechen zu können. Danach oft Massage wenn notwendig und später ein gemeinsames Abendessen, wo dann bereits der nächste Trainingstag besprochen wird.

Training am Limit, damit im Rennen auch dort gefahren werden kann
# Training am Limit, damit im Rennen auch dort gefahren werden kann

Das höhere Gesamtgewicht eine E-Bikes stellt für die Athleten kein Problem dar?

Klar wünscht sich jeder sein E-Bike so leicht wie möglich, jedoch sind alle Athleten mit dem Gewicht sehr zufrieden. Wenn man sieht wie sie damit fahren, dann fragt man sich eh ob es nicht ein normales Bike ist?

Driften ist einfach mega
# Driften ist einfach mega

Mit dem Stereo Hybrid hat Cube ja das perfekte eMTB für grobe Trails im Angebot. Nehmen die Jungs vom Team dieses Bike auch so heftig ran, wie ihre Bikes ohne Motor?

Genau die gleiche Pace bergab und die selben Sprünge. 7 bis 8 Meter und kleine Drops sind keine Seltenheit! Das eMTB kann wirklich alles. Wichtig ist nur zu wissen, das Du das richtige Setup beim Fahrwerk brauchst und natürlich Milch und Pro Core in den Reifen! Dann sind dem E-Bike keine Grenze gesetzt.

Wheelie in der Nato-Base
# Wheelie in der Nato-Base - extrem cool

Würdest du einem ambitionierten Endurofahrer dazu raten, im Training auch ab und zu E-Bike zu fahren?

Jederzeit! Es verleiht dem Training einen neuen Kick und Du lernst Dein Heimrevier neu kennen. Plötzlich fährst du bergauf Trails, die dich vorher abgeschreckt haben und hast hierbei auch noch richtig Spaß. Linienwahl bergauf, dass ist etwas vollkommen neues. Training mit dem E-Bike erweitert mit einem Male den Streckenhorizont um ein vielfaches und du kannst dabei sogar etwas Lächeln!

Laubmengen der Oberklasse
# Laubmengen der Oberklasse

Was meinst du, wird es in naher Zukunft die Möglichkeit geben, das E-Biker bei der EWS teilnehmen dürfen und eine eigene E-Bike Wertung haben?

Runter wird richtig Gas gegeben
# Runter wird richtig Gas gegeben

Ich bin hier mit der Organisation sehr eng in Verbindung und CUBE Bikes ist auch E-BIKE Partner der Enduro World Series. Ich denke das es in der Zukunft hier hoffentlich eine E-BIKE Klasse geben wird. Warten wir es ab …

Mit dem E-Bike gehts leichten hinauf zu den Trails
# Mit dem E-Bike gehts leichten hinauf zu den Trails
Pause am Café in Finale Ligure
# Pause am Café in Finale Ligure
Nach einem harten Trainingstag darf der Cappuccino nicht fehlen
# Nach einem harten Trainingstag darf der Cappuccino nicht fehlen

Short questions / short answers

Zum Frühstück Toast mit Marmelade oder Rührei mit Speck?
Müsli!

Hund oder Katze?
Hund.

Fährst du mehr MTB oder eMTB?
50/50.

Lieblingslocation der EWS/2016?
Finale Ligure.

Dein letzter Bike-Trip ging wohin?
Madeira.

Unterschiedliche Laufradgrößen vorne und hinten?
Sehe ich aktuell nicht.

EWS 2017 – bist du mit dem E-Bike vor Ort?
In Europa bei allen elektrifiziert.

Lieber Claus, wir danken dir für dieses Interview und wünschen dir und den Jungs vom Cube Action Team weiterhin viel Erfolg.


Weitere Informationen

Website: www.cube.eu
Text & Redaktion: Rico Haase | eMTB-News.de
Bilder: CUBE

Über den Autor

Rico

Rico Haase, Jahrgang 1975, macht schon immer grafische Sachen, war jahrelang als Grafik- und Produktdesigner bei einem großen deutschen Bikehersteller tätig und treibt sich schon ewig auf den Trails herum. Jede Art von Bike wird genutzt. Hardtail, Fully, Enduro, Downhiller, Crosser, Rennrad und seit 2010 auch das eBike. Aus seiner Erfahrung als Designer weiß er, dass die perfekte Ergonomie und Anwenderfreundlichkeit ganz oben stehen. Ein stimmiges Colormatching setzt dem Bike dann die Krone auf. Bei eMTB-News ist er als Redakteur, Tester und Fotograf tätig. Instagram: @rico_haase

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

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  2. benutzerbild

    FrankoniaTrails

    dabei seit 11/2015

    Bewusst die ersten 2 Tage mit Motor, danach auf den Classic-Bikes ohne Motor.
    Das dann zwei Tage später mit den Race-Bikes umzusetzen macht Freude und gibt einem ein unheimlich gutes Gefühl auf dem Bike. Das ist definitiv ein neuer Trainingsreiz. Dazu kommt das ganze dann auch bergauf im Grundlagenbereich.
    Fährst du mehr MTB oder eMTB?
    50/50.
    Von nix kommt eben nix, wenn es anders wäre könnten sie ja aufs motorlose Rad ganz verzichten :)

    Für mich ist der Bericht eine Bestätigung dessen, das Grundlagenausdauertraining und Bergaufkondition nur mit dem motorlosen Rad effizent umzusetzen ist. Den technischen Part und ein wenig Spass dabei, dazu taugt das eMTB.
  3. benutzerbild

    joerghag

    dabei seit 11/2003

    ... Dazu kommt das ganze dann auch bergauf im Grundlagenbereich.
    ... ich glaube, das hast du falsch verstanden. Gerade für das Grundlagenausdauertraining ist das eMtb gut. Siehe auch hier.

    ...das ganze bei niedriger Pulsfrequenz. Oft im Frühjahr ist es kalt und es sollen noch keine Sprintspitzen simuliert werden.
    Beim Rest gebe ich dir Recht.

    Gruß Jörg
  4. benutzerbild

    FrankoniaTrails

    dabei seit 11/2015

    @joerghag

    Der ganze Text lautet so:

    Bereits letztes Jahr haben wir das Stereo 160 Hybrid schon aktiv im Training eingesetzt, jedoch dieses Mal erstmalig im Team-Camp. Bewusst die ersten 2 Tage mit Motor, danach auf den Classic-Bikes ohne Motor. Fahrtechnik mit „schweren motorisierten“ E-Bikes bergauf und auf dem Trail bergab schult die Performance ungemein. Das dann zwei Tage später mit den Race-Bikes umzusetzen macht Freude und gibt einem ein unheimlich gutes Gefühl auf dem Bike. Das ist definitiv ein neuer Trainingsreiz. Dazu kommt das ganze dann auch bergauf im Grundlagenbereich.
    1. Die fahren nur die ersten 2 Tage mit Motor! Danach mit Classic-Bikes ohne Motor.
    2. Die E Bikes verwenden sie nur um die Performance zu trainieren, nicht um Kondition aufzubauen.
    E-Bikes bergauf und auf dem Trail bergab schult die Performance ungemein
    3. Nach den 2 Tagen setzen sie diese neu erworbene Performance auf den motorlosen Bikes um und trainieren auch bergauf im Grundlagenbereich. Von E Bike steht da nichts mehr. da steht auch nichts davon das man den Grundlagenbereich aufm eBike erfolgreich trainieren könnte.

    Du kannst einfach mit hoher Geschwindigkeit die Fahrtechnik schulen, das ganze bei niedriger Pulsfrequenz. Oft im Frühjahr ist es kalt und es sollen noch keine Sprintspitzen simuliert werden.
    Fahrtechnik schulen hat nichts mit Grundlagenausdauer zutun. Die Grundlagenausdauer ist etwas anderes ;)

    Logisch das die mit dem EBike schneller bergauf fahren als ohne Motor und die Pulsfrequenz dabei niedriger bleibt. In der Ebene würde das gar keinen Sinn machen, denn da müssten sie über der Abregelgrenze fahren, was wiederrum nicht für eine niedrigere Pulsfrequenz sorgen würde :)

    Grundlagenausdauer = km sammeln

    Einfach mal zu den Triathleten gucken



    Eigentl. wollte ich dieses Video posten ... das obere lasse ich jetzt aber trotzdem stehen



    Wer das kapiert hat, kommt selber dahinter warum das eBike dabei wenig hilfreich ist.
  5. benutzerbild

    riCo

    dabei seit 05/2016

    Ich finde, dass ich mit dem E-Bike beim aktiven fahren, viel mehr Kraft im Oberkörper brauche, als in den Beinen. Das höhere Gewicht möchte eben auf dem engen Trail gut bewegt werden. Klar müssen auch die Beine stark sein, aber der Oberkörper auch. Und um das besser zu trainieren, fährt man eben auch im Training mit dem E-Bike.

    Macht für mich 100% Sinn was die Jungs vom Cube Action Team da machen.

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